Die Swisscom lässt sich Zeit

Letzten Donnerstag fiel in einem Teil Hinterforsts die Festnetztelefonie aus. 60 Haushalte waren betroffen. Repariert wurde der Kabelschaden erst Anfang dieser Woche. Übers Wochenende werde nur bei «grösseren» Störungen gearbeitet.

Max Tinner
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Telefonieren im Gartenbüro: Das Festnetztelefon funktionierte von letztem Donnerstag bis Dienstagmorgen nicht, und im Büro hat Andreas Schlegels Handy keinen Empfang. Also musste der Sanitärinstallateur für Terminvereinbarungen und um Bestellungen aufzugeben ins Freie. (Bild: Max Tinner)

Telefonieren im Gartenbüro: Das Festnetztelefon funktionierte von letztem Donnerstag bis Dienstagmorgen nicht, und im Büro hat Andreas Schlegels Handy keinen Empfang. Also musste der Sanitärinstallateur für Terminvereinbarungen und um Bestellungen aufzugeben ins Freie. (Bild: Max Tinner)

HINTERFORST. Heute hat bald jeder ein Handy oder ist sogar mit zwei Mobiltelefonen (fast) überall erreichbar. Auf einen Festnetzanschluss wollen dennoch die wenigsten verzichten – oder können es gar nicht, was dann augenfällig wird, wenn die Leitung unterbrochen ist, wie gerade eben für mehrere Tage in Hinterforst.

Am Donnerstagmorgen macht Andreas Schlegels Telefon keinen Mucks mehr. Die Swisscom stellt einen gröberen Schaden fest: Ein Kabel muss auf einer Länge von einem Kilometer komplett ausgetauscht werden. In der Folge müssen auch alle betroffenen Anschlüsse, rund 60, neu verbunden werden. Für den Solaranlagen-, Heizungs- und Sanitärinstallateur ist dies doppelt ärgerlich. Zwar hat ihm die Swisscom nach mehrmaligem Nachhaken den Anschluss aufs Mobiltelefon umgeleitet – doch damit hat er in seinem Büro im Parterre seines Hauses an der Widenbachstrasse keinen Empfang. Bei jedem Anruf, für jede Terminvereinbarung und für jede Bestellung bei einem seiner Zulieferer per Handy muss er ins Freie. Das Gartenbänkli vor der Garage wird zum Gwerblerbüro.

Warenpreise der vorigen Woche

Auch im Hinterforster Lädeli hat man keine Freude über den Ausfall des Telefons, da sowohl Telefon als auch Fax zur Entgegennahme von Bestellungen benötigt werden, aber damit auch Bestellungen bei den Zulieferern aufgegeben werden. Per Mobiltelefon und Ausweichen aufs Heimbüro kann man sich helfen, aber nur notdürftig. Im Besonderen kann das Kassensystem nicht auf geänderte Warenpreise aktualisiert werden, weil dies über die Telefonleitung geschieht.

Käthi Brunner vom Hinterforster Restaurant Hirschen gleich vis-à-vis ist von der aktuellen Störung nicht betroffen.

«Irgendwann tut's wieder»

Das Telefon im «Hirschen» funktionierte aber vor kurzem ebenfalls mehr als vier Tage nicht. Käthi Brunner hat es mit Fassung getragen: «Man muss einfach Geduld haben – irgendwann tut das Telefon schon wieder», meint sie. Die Swisscom hat sie danach mit einem Zehn-Franken-Gutschein für die erduldeten Umstände getröstet.

Als am Montag das Telefon immer noch nicht funktioniert, reagiert man im Sanitärgeschäft und im Lädeli leicht verstimmt: «Das kann's doch nicht sein», meint Andreas Schlegel. Wie das Verkaufspersonal im Lädeli bekommt auch er von der Swisscom zur Auskunft, dass es solche aufwendiger zu reparierende und darum länger dauernde Störungen halt geben könne.

Zwar klärte die Swisscom die Störung bereits am Donnerstag ab und organisierte alles Nötige. Vorgenommen wurde die Reparatur dann aber doch erst am Montag. Warum es so lange dauerte, bis sich die Techniker daran machten, die Störung zu beheben, begreift Andreas Schlegel nicht. Jedes Wasserwerk und jedes Elektrizitätswerk verfüge über einen Pikettdienst, der übers Wochenende aufgeboten werden könne.

Nur bei grösseren Störungen

Über einen Reparaturservice, der rund um die Uhr und auch am Wochenende arbeite, verfüge man auch, sagt Swisscom-Mediensprecherin Annina Merk. Dieser komme aber erst bei grösseren Störungen zum Einsatz. Ab welchem Umfang eine Störung «grösser» ist, lasse sich nicht generell sagen, meint sie auf eine entsprechende Nachfrage; das hänge von Faktoren wie der Störungsart, den betroffenen Services und auch von der Anzahl betroffener Kunden ab. 60 betroffene Anschlüsse rechtfertigen demnach einen Wochenend-Einsatz der Swisscom-Techniker nicht.