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Die Sucht mit Drogen bekämpfen? Maturandin hinterfragt Schweizer Drogenpolitik

In der Maturaarbeit hat Jamie Moser die Drogenpolitik der Schweiz hinterfragt. Dafür hat sich die 18-Jährige in umstrittene Gebiete begeben. Nun wurde ihre Arbeit für einen nationalen Forschungswettbewerb selektioniert.
Chris Eggenberger

Die «Legalize it!»-Initiative zur Legalisierung von Cannabis stagniert in der Schweiz seit längerem. Die Anzahl von Staaten, die den Handel oder zumindest den Besitz von Cannabis erlauben, nimmt aber weltweit rasant zu. Aus gutem Grund, findet Kantischülerin Jamie Moser. In ihrer Maturaarbeit hat die Maturandin Vor- und Nachteile eines legalen, aber regulierten Drogenmarktes in der Schweiz diskutiert. Sie hinterfragte das Schweizer Betäubungsmittelgesetz und beantwortete zum Schluss die Frage, ob es sinnvoll wäre, Drogenregulationen zu lockern.

Das Schweizer Gesetz verbietet grundsätzlich alle Drogen ausser Alkohol und Nikotin. Trotzdem sind wir ein Hochkonsumland, vor allem bei Cannabis.

Richten Alkohol und Tabak nicht schon genug an?

Das eidgenössische Betäubungsmittelgesetz wurde im Jahr 1924 eingeführt, nachdem die USA internationale Abkommen zum Verbot von Opium vorangetrieben hatten. Moser erklärt, vor allem der Rassismus gegen chinesische und schwarze Minderheiten hätten die Drogenangst in den Staaten geschürt. Das Verbot sei auch in der Schweiz nicht zum Schutz der Gesundheit und daher unrechtmässig entstanden.

Vor knapp 25 Jahren wurde in der Schweiz die kontrollierte medizinische Ausgabe von Heroin legalisiert. Seit 2011 ist in der Schweiz auch der Konsum von sogenanntem CBD-Hanf, der weniger als ein Prozent des Wirkstoffes THC enthält, erlaubt. In Uruguay, Kanada und Teilen der USA funktioniert der Cannabishandel schon als regulierter Markt, mit ersten Erfolgen. Gegner meinen, die beiden «legalen Drogen» Alkohol und Tabak richten schon genug Schaden in der Gesellschaft an. Weitere Wirkstoffe zu erlauben, sei kontraproduktiv. Moser bezeichnet dies als das wohl beste Argument gegen eine Änderung in der Drogenpolitik, doch die Pro-Argumente überwiegen für sie am Ende.

Durch Internetvideos begann die 18-Jährige, sich für Drogenpolitik zu interessieren. Als kurz darauf ihre Suche nach einem Maturaarbeitsthema begann, war die Verknüpfung schnell gemacht. «Mein Betreuer, Philosophielehrer Marc Caduff, war zuerst skeptisch, am Ende hat ihm die Arbeit aber gefallen», sagt Moser. Für ihre Beurteilung hat sie Interviews mit Politikern, einem Polizisten und einem Suchtberater geführt. Unter anderem hat sie Altbundesrätin Ruth Dreifuss, die heute die Weltkommission für Drogenpolitik leitet, befragt.

Auch mit grossen Werken der Fachliteratur, etwa vom Schweizer Historiker Jakob Tanner, hat Jamie Moser sich auseinandergesetzt. Das Buch: «Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges» des Briten Johann Hari bezeichnet sie als augenöffnend.

Sie erklärt, mit Blick auf die reduzierte Gewalt, verminderte Gefahren für Konsumenten und zusätzliche Einnahmen, die in Versuchsländern für Prävention und Suchtbehandlung eingesetzt werden können, mache ein regulierter Markt auch in der Schweiz Sinn. Naheliegend sei, dabei mit Cannabis zu beginnen.

Zum nationalen Wettbewerb der Stiftung «Schweizer Jugend forscht» wurden in einer ersten Selektion 105 Projekte ausgewählt. Im Mai dürfen die Forschenden ihre Arbeiten dann an der Hochschule für Technik in Rapperswil ausstellen. Nachdem Jamie Moser von ihrem Betreuer Marc Caduff zur Anmeldung motiviert wurde, durfte sie sich an einem Workshop mit Gleichgesinnten austauschen, was sie als sehr spannende Erfahrung beschreibt. Damit wurde ihre Arbeit bedingt für den Wettbewerb selektioniert.

Diese bedingte Auswahl setzt voraus, dass Moser ihre Arbeit in den kommenden Wochen noch einmal überarbeitet und weitere Aspekte hinzufügt. Unterstützt wird sie dabei von Hallie Batschelet, Doktorandin in Psychologie mit Schwerpunkten im Bereich Sucht. Wenn Moser ihre Arbeit mithilfe der Expertentipps genügend ausbaut, wird sie danach definitiv für den Wettbewerb zugelassen. Sie meint, diese Hürde sei aufwendig, aber machbar. Ihr erklärtes Ziel ist es, so viele Leute wie möglich über die Lage und Probleme in der Drogenpolitik hinzuweisen, wofür die Aufmerksamkeit, die ihre Arbeit bekommt, ein erster Schritt sei.

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