Die Suche nach magischen Momenten

Roman Schmid ist begeisterter Naturfotograf. Ob in der Wildnis Alaskas, im tropischen Regenwald des Amazonas oder in der Bergwelt des Himalayas: Auf seinen Abenteuern sucht er stets den perfekten Fotomoment, den er später mit allen teilt.

Benjamin Schmid
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Der Guide von Roman Schmid ging auf Tuchfühlung mit dem Grizzlybären. (Bild: Roman Schmid)

Der Guide von Roman Schmid ging auf Tuchfühlung mit dem Grizzlybären. (Bild: Roman Schmid)

Es ist 8 Uhr. Roman Schmid wandert durchs Dickicht des Waldes. Von Bartflechten und Geissbart umgeben, will er sich durch laute Rufe bemerkbar machen. Er kraxelt zwischen rotem Holunder, Lachs- und Büffelbeeren durch. Über ihm kreisen Weisskopfseeadler auf der Suche nach laichenden Lachsen, es röhren Elche.

Schmids Aufmerksamkeit gilt jemand anderem. 60 Meter entfernt schlendert ein Grizzlybär dahin. Knapp 600 Kilo, auf eine Länge von 2,5 Meter verteilt. Ein magischer Moment für den Hobbyfotografen. Weder summende Insekten noch krähende Vögel sind zu hören. Nur das Klicken der Spiegelreflexkamera. Plötzlich dreht sich der Bär und blickt ihn an. Mit gesenktem Kopf läuft er auf den Fotografen zu. «Ich versuchte mich laut sprechend so selbstbewusst wie möglich zu präsentieren, was allen Mut gebraucht hat, der in mir war», sagt Schmid.

Weltenbummler und Abenteurer

Wegen dieser Momente zieht es den Physiotherapeuten immer wieder an abgelege Orte. Wenn Licht, Motiv und Komposition passen, entstehen magische Momente. Schmid sagt: «Ich bin bereit, gewisse Risiken einzugehen. Doch dank seriöser Vorbereitung, disziplinierter Arbeitsweise und kompetenter Partner kann ich die Gefahren auf ein Minimum reduzieren.»

Um magische Momente auf die Speicherkarte zu bringen, bedarf es nicht nur der richtigen Ausrüstung, des fotografischen Blickes und technischen Wissens, sondern auch Kenntnisse über die Tiere, sehr viel Geduld und etwas Glück. «Ich bin weder lebensmüde noch Extremabenteurer», sagt der Wolfhaldener mit bayrischen Wurzeln. «Ich bin ein Naturliebhaber, bewege mich gern in ihr – und die Erkenntnisse der Wissenschaft machen sie noch bestaunenswerter.»

Magische Momente finde man nicht nur am anderen Ende der Welt. Auch im Appenzeller Vorderland könne man phänomenale Augenblicke erleben. Meistens wählt Schmid die Reiseziele nach fotografischen Aspekten: Es sind Extremlandschaften und Vegetationszonen, Tierarten und besondere Fortbewegungsmittel.

Ausgehend von der Naturfotografie habe er sich in den letzten Jahren auf Wildlife-Fotografie, besonders Grosstiere wie Orcas und Buckelwale im antarktischen Gewässer, Schneeleoparden im Himalaya, Tiger in Indien oder Braun- und Eisbären in Alaska fokussiert. Auch wenn die Reisen strapaziös sind, Unannehmlichkeiten bereithalten und er an physische und psychische Grenzen stösst: «Bisher wurde ich auf jeder Reise mit besonderen Erlebnissen und Bildern belohnt und habe keine Reise bereut. Ich werde das noch lange Zeit weiter machen.»

Hört man den Schilderungen Schmids zu, spürt man die Leidenschaft. Die funkelnden Augen, das Lächeln auf den Lippen und die flammende Sprache, wenn er von seinen Erlebnissen erzählt. So etwa von 300 Buddhisten, die im indischen Ladakh das «Nam-myoho-renge-kyo» singen. Von Eisbären, die zwischen Eisschollen herumturnen und miteinander spielen, von Flügen über zerklüftete Vulkane oder endlose Hochebenen, von Fussmärschen durch den Amazonas. Von Klettereien in den Alpen, lustig-fröhlichen und elektrisierenden Begegnungen mit Tieren, den Anstrengungen und Gefahren und den Wundern der Welt.

Die Betrachter in den Bann ziehen

Diese Freude gibt er seit Jahren weiter, indem er multimediale Präsentationen zusammenstellt und dem Publikum zeigt. Meistens referiert er an seinem Arbeitsort im Hotel Heiden. Dafür opfert er viel Freizeit, schliesslich muss er Tausende Fotos sichten, aussortieren und thematisieren, um eine Show zu komponieren, die die Zuschauer mit Bild, Musik, Film und Live-Kommentaren in den Bann zieht. «Die Vorträge sollen begeistern und ein tolles Erlebnis sein. Ich möchte allen die Schönheit und die Wunder der Natur näher bringen», sagt der 49-Jährige.

Während er im Versteck sitzt und auf die Chance wartet, magische Momente zu erleben, geniesse er die Stille. «Weit weg von der Geschäftigkeit des Alltags finde ich Ruhe und Ausgleich.» Geduld sei dabei unabdingbar. Ob er nun in eisiger Kälte zwischen Eisbergen ausharrt, sich vorsichtig watend an Bären herantastet oder in der Savanne Sambias auf einen Angriff eines Löwenrudels wartet: Ohne Geduld gebe es keine magischen Momente.

Und doch erlebt Schmid Situationen, in denen nicht geduldiges Warten gefordert ist, sondern entschlossenes Handeln – wie etwa dann, wenn ein Grizzlybär im Begriff ist, anzugreifen. «Vielleicht war es einfach Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Ich bin froh, hat sich der Bär von mir erschrecken lassen und ist davongezottelt.»

Informationen und Bilder gibt es unter www.roman-schmid.com.