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Abschied eines Vokalensembles: Die Seelen hören auf zu singen

Marcel Sieber ist Gründungsmitglied und musikalischer Leiter der Singing Souls. Ende März schliesst sich letztmals der Vorhang nach einem Konzert des Vokalensembles, das fast nur aus Lehrpersonen besteht.
Monika von der Linden
«Da kommt jetzt doch ein wenig Wehmut auf», sagt Marcel Sieber beim Durchblättern der Plakate des Vokalensembles Singing Souls. (Bild: vdl)

«Da kommt jetzt doch ein wenig Wehmut auf», sagt Marcel Sieber beim Durchblättern der Plakate des Vokalensembles Singing Souls. (Bild: vdl)

Marcel Sieber sitzt am Konzertflügel in seiner Stube. Einen grossen Teil des Raumes füllt das Instrument aus. Auf dem Notenpult hat sich der Pianist eine Partitur zurechtgelegt. Er greift in die Tasten und ein paar Töne später erahnt die Zuhörerin sein Befinden. «Tears in heaven» erklingt. Eric Clapton schrieb die melancholische Ballade im Jahr 1993. Sie war das Abschiedslied für seinen verstorbenen vierjährigen Sohn.

Marcel Sieber trauert nicht. Abschied nehmen muss er dennoch. Als Gründungsmitglied, musikalischer Leiter und Pianist der Singing Souls gibt er bekannt, dass sich das Vokalensemble per Ende März auflöst. Nach fast 22 Jahren sei die Zeit dazu gekommen, sagt er. «Wir sind eine Gemeinschaft, die einem Hobby frönt. Die Jüngeren unter uns haben ihr halbes Leben im Ensemble verbracht.» Die Interessen in der Freizeitgestaltung haben sich gewandelt. «Wir gestalten in aller Freundschaft ein schönes Ende», – mit einem Abschiedskonzert in der Bühne Marbach. Der Kreis schliesst sich. Dort hatte das Ensemble seinen ersten Bühnenauftritt.

Die Stammsänger fand er im Lehrerzimmer

Rückblende: Ende der 1990er-Jahre. Marcel Sieber verbringt den Bildungsurlaub in London und erhält Zugang zu englischer Vokalliteratur. «Ich bin schon damals ein Fan dieser Art Ensembles gewesen», sagt er.

Wieder zurück im Lehrerzimmer realisiert Marcel Sieber: Alle Lagen eines vierstimmigen Satzes sind im Kollegium der Primarschule Heerbrugg und der Oberstufe Mittelrheintal vereint. Kurzerhand schliessen sich Christine Schurig, Marianne Oberle, Bettina Seiz, Jürg Lutz, Markus Waser, Michel Bawidamann, Björn Wiget, Rita Sieber und er zu den Singing Souls zusammen. Heute gehören dem achtköpfigen Ensemble noch fünf der Gründungsmitglieder an.

Zur ersten Probe formieren sich die Vokalsängerinnen und -sänger im Jahr 1998. Ein Jahr später singen sie vor kleineren Gesellschaften und drei weitere Jahre danach öffnet sich zum ersten Mal ein Bühnenvorhang für ein abendfüllendes Programm. Zunächst der in der Bühne Marbach und bald der des Kinotheaters Madlen. «Anfangs war unser Repertoire geprägt von englischsprachigen Liedern», erzählt Marcel Sieber. «Ich war zu Beginn dominant und prägte das Programm.» Mit der Zeit dehnen die Singing Souls ihr Repertoire in demokratischer Manier auf deutsche Titel aus. Mit Liedern der Prinzen aus Leipzig und der A-cappella Band Wisi Guys aus Köln vermag es das Publikum besser, die oft witzigen Texte zu verstehen. Das erübrigt sich bei der ebenfalls oft verwendeten Scat-Technik (Singen von rhythmisch und melodisch aneinandergereihten Silben – ohne Text).

«Unser Publikum möchten wir unterhalten und nicht nachdenklich in den Abend entlassen», erklärt Marcel Sieber. «Wir bringen zwar auch kritische Passagen, sind aber keineswegs schulmeisterlich.»

Auf kleinen Bühnen die schönsten Auftritte

Die Singing Souls haben auf vielen Bühnen gestanden. Das grösste Publikum sass in der Tonhalle St. Gallen. «Am liebsten singen wir in kleinen Theatern, wo wir kein Mikrofon benötigen», sagt der pensionierte Primarlehrer. «Der Kontakt zum Publikum ist dort unmittelbar.» Ein Auftritt am Balgacher Weihnachtsmarkt bleibt ihm in guter Erinnerung: «Es dunkelte schon ein, als wir spontan in einem Garten ein paar Lieder sangen. Es fuhr uns allen unter die Haut, wie Menschen stehen blieben und sich berühren liessen.»

Einmal schlug Kuno Bont den Singing Souls vor, in einer seiner Musicalproduktionen den Chor zu bilden. «Das hat uns gereizt. Die Proben und Aufführungen hätten wir aber zeitlich nicht mit unserem Beruf vereinbaren können.»

Bevor sich der Vorhang zum letzten Mal schliesst, hat das Vokalensemble 98 Titel erarbeitet, sie an 474 Proben einstudiert und an etwa 100 Auftritten vorgetragen. «Ausgepfiffen worden sind wir nie», sagt der Pianist. Ihn begleitet das Klavier, seit er neun Jahre alt war. Er spielt es seit 61 Jahren, davon drei Jahre professionell in seinem Studium in Winterthur.

Die Freude an der Musik bleibt den Singing Souls. Auch sind Freundschaften gewachsen, die wohl weitergepflegt werden. «In der Royal Albert Hall in London oder der Elb-Philharmonie in Hamburg haben wir nicht gesungen», sagt Marcel Sieber und lächelt unternehmungslustig. «Vielleicht fahren wir einmal gemeinsam hin und besuchen dort ein Konzert.»

Ihren Abschied von der Bühne geben die Singing Souls am Freitag, 29. März, um 20.15 Uhr, in der Bühne Marbach: «Wir hatten eine gute Zeit!» Sie singen das aktuelle Programm «Altes Fieber» und einen Querschnitt aus den drei älteren Programmen.

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