Die Seele Altstättens im Rathaus

Ein Wandbild Ferdinand Gehrs zierte während 50 Jahren den Eingangsbereich des alten Rathauses. Nun fand es auch im neuen Rathaus einen Ehrenplatz. Gestern feierte man die geglückte Versetzung.

Max Tinner
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Ferdinand Gehrs Bild ziert wieder eine Wand im Eingangsbereich des Altstätter Rathauses. Ein Grund zum Anstossen. Von links: Franziska Gehr (Tochter des 1996 verstorbenen Künstlers), Stadträtin Margrit Mattle-Lindegger (Präsidentin der Kulturkommission), Karl Segmüller (Leiter Unterhaltsdienste der Technischen Betriebe der Stadt Altstätten), Ortsbürgergemeinde-Präsident Jacques Sinz, Stadtschreiberin Yvonne Müller, Andreas Jung (städtischer Leiter Städtebau und Projekte), Restaurator Oskar Emmenegger, Stadtpräsident Ruedi Mattle, Stadtrat Ruedi Dörig (Mitglied der Kulturkommission). (Bild: Max Tinner)

Ferdinand Gehrs Bild ziert wieder eine Wand im Eingangsbereich des Altstätter Rathauses. Ein Grund zum Anstossen. Von links: Franziska Gehr (Tochter des 1996 verstorbenen Künstlers), Stadträtin Margrit Mattle-Lindegger (Präsidentin der Kulturkommission), Karl Segmüller (Leiter Unterhaltsdienste der Technischen Betriebe der Stadt Altstätten), Ortsbürgergemeinde-Präsident Jacques Sinz, Stadtschreiberin Yvonne Müller, Andreas Jung (städtischer Leiter Städtebau und Projekte), Restaurator Oskar Emmenegger, Stadtpräsident Ruedi Mattle, Stadtrat Ruedi Dörig (Mitglied der Kulturkommission). (Bild: Max Tinner)

ALTSTÄTTEN. Die Reben am Forst und am Lüchinger Burghügel zur Linken und zur Rechten, ein Türggenacker am Fuss, gleich darüber Bauern beim Heuet, im Hintergrund die Wälder und Wiesen am Korn- und am Stossberg und mitten drin das schöne Städtli mit seinen zwei Kirchen. Ferdinand Gehr hatte 1960 im Foyer des damals gerade erst fertig gewordenen Rathauses die Seele Altstättens auf die Wand gemalt.

Von 20 Tonnen auf 320 Kilo

Seit längerem stand fest, dass dieses Bild auch im neuen Rathaus wieder einen Ehrenplatz bekommen soll. Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten hat man das Bild Mitte dieser Woche nun an seinem neuen Bestimmungsort montiert. Es hierhin zu bekommen, war allerdings fast so kompliziert wie der Ausbau aus der Wand des alten Rathauses. Zwar wiegt es nur noch 320 Kilo und keine 20 Tonnen mehr, nachdem der Grossteil des Betons hinten am Bild weg gearbeitet worden ist. Damit ist es aber immer noch schwerer als jedes Bild auf Leinwand, und die Rathaustüren sind auch am Neubau keine Stadttore, durch die ein paar Mann ein Bild mit solchen Dimensionen einfach so hindurch tragen könnten. Die Unterhaltsdienste der Stadt fertigten dazu eigens ein Holzgerüst an, auf dem sich das Bild auf die Seite gekippt hinein schieben liess – mit wenigen Zentimetern Abstand zu den Türrahmen.

Die Kulturkommission überzeugte sich gestern, dass das Bild einen würdigen Platz bekommen hat. Für Kulturkommissionspräsidentin Margrit Mattle-Lindegger rechtfertigt sich dies schon durch die Bedeutung Gehrs als wichtigster sakraler Maler der Schweiz im 20. Jahrhundert. Das Wandbild sei ausserdem das einzige Gehr-Bild im Besitz der Stadt (wenn auch nicht das einzige auf Stadtgebiet: an Schulen und in der einen oder anderen Kirche finden sich weitere Werke Ferdinand Gehrs).

Ein Geschenk der Ortsbürger

Das Wandbild war damals ein Geschenk der Ortsgemeinde und der Rhoden, was der Künstler auch auf dem Bild festgehalten hat. Zehn Jahre später verliehen die Ortsbürger Ferdinand Gehr ausserdem das Ehrenbürgerrecht Altstättens – als einem von nur sieben Persönlichkeiten, die sich um Altstätten verdient gemacht haben, wie Ortsgemeindepräsident Jacques Sinz gestern betonte.

Die Ortsbürger wissen das Vermächtnis Gehrs noch heute zu schätzen, weshalb sie sich auch mit einem namhaften Betrag an der Versetzung des Bildes beteiligen.

Ein Stein vom Herzen gefallen ist gestern Franziska Gehr, der die Werke ihres Vaters viel bedeuten. Sie habe sich lange um das Bild gesorgt, meinte sie. Nun, da es wieder im Rathaus ist, hofft sie, dass es den Leuten, die hier ein- und ausgehen, noch lange Freude bereiten wird.