Die Schule öffnen und weiterentwickeln

Seit gut einer Woche ist Judith Mark die neue Rektorin der Kantonsschule Heerbrugg. Die ehemalige Prorektorin hat sich während eines halben Jahres mit einer Weiterbildung im Ausland auf ihre neue Aufgabe vorbereitet.

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Frau Mark, das Rektoratsamt ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Haben Sie sich darauf vorbereitet?

Judith Mark: Ja, ich habe mich im letzten Semester darauf vorbereitet, indem ich während meiner Auszeit an die Ostküste der USA und nach Indien gereist bin. An beiden Orten habe ich viele Schulen besucht, mir ein Bild vom Unterricht gemacht und mit Schulleitungen gesprochen. Im Zentrum stand die Frage, auf welche Weise die Unterrichtsstätten die Kriterien einer guten Schule erfüllen.

Wurde diese Frage auf Ihren Reisen beantwortet?

Mark: Ja. Ich habe sehr professionell geführte Schulen in den USA und in Indien besichtigt, aber auch einige Schulen in Indien, die mit sehr wenigen Mitteln auskommen müssen.

Probleme, die man in der Schweiz nicht kennt.

Mark: Nein, in diesem Ausmass kennen wir das nicht. In Indien habe ich Klassenzimmer gesehen, in denen bis zu 48 Schüler unterrichtet werden. Ein einziges Lehrbuch wird teilweise von vier Personen benutzt. Die Lehrer versuchen zwar, das Beste aus der Situation zu machen, doch fehlende Ressourcen sind immer mit einer Qualitätseinbusse des Unterrichts verbunden.

Mit knapper werdenden Mitteln werden Sie sich aber auch als Rektorin der KSH beschäftigen, oder?

Mark: Leider ist das so. Wir müssen uns in Zukunft mit der Umsetzung verschiedener Sparmassnahmen auseinandersetzen. Dazu gehört beispielsweise die Reduktion von Unterrichtslektionen oder die Einführung des Referate-Systems, das das Unterrichten von vielen Schülern gleichzeitig ermöglicht. Wir werden alle Sparmassnahmen so umsetzen, dass der Unterricht so wenig wie möglich zu Schaden kommt.

Also sind Ihre Aufgaben für die nächste Zeit als Rektorin zu einem grossen Teil schon gegeben?

Mark: Der Um- und Neubau wird uns noch bis zu seiner Fertigstellung, die spätestens im Mai 2014 erfolgt, beschäftigen. Zu organisieren sind auch die Veranstaltungen zum vierzigjährigen Bestehen unserer Schule, die von 2014 bis 2015 stattfinden. Persönlich liegt mir die noch stärkere Öffnung der Kantonsschule nach aussen sowie deren Weiterentwicklung am Herzen.

Sie sind bereits seit acht Jahren Prorektorin der KSH. Unterscheidet sich das Rektorat stark von Ihrem bisherigen Amt?

Mark: Natürlich erleichtert meine bisherige Arbeit den Einstieg ins Rektorat. Dennoch kommen viele neue Aufgaben dazu, die für mich eine spannende Herausforderung bedeuten. Da sind beispielsweise die Personalführung, die Finanzen und die Verantwortung für die Gesamtführung der Schule. Deshalb beginne ich auch erst ab dem Sommer wieder mit dem Unterrichten.

Bleibt Ihnen als Rektorin überhaupt noch genügend Zeit, um Schulstunden vorzubereiten und zu unterrichten?

Mark: Es geht darum, die nötigen Freiräume dafür zu schaffen. Es sind sechs Lektionen, die ich noch unterrichten werde. Ich finde es sehr wichtig, dass ich nicht ganz aus dem Lehrberuf aussteige. Den Kontakt zu den Schülern und den Bezug zum Unterricht darf man als Rektorin nicht verlieren, da sonst das Verständnis für Lehrer und Schüler darunter leidet.

Herr Mogg möchte sich nach seiner fast sechsjährigen Amtszeit als Rektor nochmals ganz auf das Unterrichten konzentrieren. Denken Sie, das Lehren als Haupttätigkeit wird Ihnen bald fehlen?

Mark: Das weiss ich jetzt noch nicht. Ich habe schon als Prorektorin zu einem kleineren Pensum als Lehrperson gearbeitet. Eigentlich habe ich die grosse Aufgabenvielfalt in meinem Beruf immer geschätzt. Auf das Unterrichten im Sommer freue ich mich aber sehr, da ich dann genau ein Jahr nicht mehr im Klassenzimmer gearbeitet haben werde.