«Die Schule muss für alle da sein»

In jeweils einem Interview stellen wir beide Kandidatinnen für das Präsidium der Primarschule vor. Karin Hasler sagt, sie sei jung und gebildet und verfüge über den nötigen Weitblick für das Amt.

Remo Zollinger
Merken
Drucken
Teilen

Frau Hasler, Sie wollen Präsidentin der Primarschule Balgach werden. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Karin Hasler: Die Kombination daraus, Mutter zu sein, in der Heimat zu wohnen und meine Ausbildung in die Primarschule Balgach zu investieren. Ich bin hier im Dorf aufgewachsen und wollte mich schon immer auf Gemeindeebene für die Gesellschaft engagieren. Mit meinen Qualifikationen könnte ich auch Karriere machen und mein Kind in einer Krippe unterbringen. Das mache ich bewusst nicht, weil ich Familie und Job unter einen Hut bringen will. Das Pensum des Schulratspräsidiums würde dies erlauben.

Was verstehen Sie unter Leitung?

Die Führung der Schulgemeinde mit allem, was dazugehört: Schulrat, Lehrerschaft, Eltern, und vor allem Kinder. Es geht darum, Visionen zu realisieren, Prozesse und Strukturen zu optimieren. Dies geht nur, wenn man ein Gespür für die Bedürfnisse und Anliegen der Schulgemeinde hat und ein Ansprechpartner ist, nicht von oben herunter blickt. Sympathie und Professionalität müssen da sein.

Warum kandidieren Sie so jung schon für das Präsidium der Schule und nicht erst für den Schulrat?

Ich bin ja nicht einfach eine Hausfrau und Mutter. Ich bin eine gut gebildete Berufsfrau mit Weitblick. Ich stehe jetzt zur Verfügung, habe jetzt Zeit und bin motiviert. Das Alter spielt für mich dabei keine Rolle, zumal ja häufig darüber geklagt wird, dass sich zu wenig Junge für ein Amt dieser Art interessieren.

Beschreiben Sie bitte den Ist-Zustand der Schule aus Ihrer Sicht?

Die Schule hat eine gute Infrastruktur, die Schulgemeinde legt viel Wert auf die Qualität. Es gibt keine Not-Prioritäten, die grösste Herausforderung ist die Umsetzung des Lehrplans 21. Ich höre viel Gutes darüber, Reto Wambach scheint gute Arbeit geleistet zu haben.

Ist Ihnen irgendetwas besonders aufgefallen, positiv oder negativ?

Nein. Ich glaube, die Balgacher sind mit ihrer Schule grundsätzlich ganz zufrieden.

Kann die Schulgemeinde bei all den Vorschriften des Kantons noch selbst entscheiden?

Ich habe in den Gesprächen in den letzten Wochen gemerkt, dass die Lehrer den Lehrplan 21 befürworten. Die Schule hat ja trotzdem noch Spielraum, viele Dinge selbst zu entscheiden. Wir müssen alle an das gleiche Ziel kommen; wie wir das aber tun, dabei können wir doch recht flexibel sein.

Nennen Sie bitte Ihre Vision von einer guten Schule.

Ich will nicht hier ankommen und gleich eine Menge neuer Visionen entwerfen. Mit den gegenwärtigen Herausforderungen ist auch Kontinuität gefragt. Es ist wichtig, dass die Schule stets am Puls der Zeit bleibt, gleichzeitig aber den Anliegen der Bevölkerung nachkommt. Dass die Schule eine Gemeinschaft ist, die Freude und Kreativität versprüht. Wichtig ist auch, dass Musik- und Integrativer Unterricht erhalten bleiben und weiterentwickelt werden. Auch Angebote wie Schülerhort und Aufgabenhilfe werden von den Eltern sehr geschätzt. Die Schule muss für alle da sein.

Warum sollten die Schulbürger Sie und nicht die andere Kandidatin wählen?

Ich habe eine klare Botschaft, was ich erreichen will und was ich repräsentiere. Ich stehe für eine Schule, die alle Bedürfnisse befriedigt. Sie soll für Kinder und Lehrer ein stressfreier Entfaltungsraum sein. Als junge Mutter repräsentiere ich ausserdem viele Eltern und weiss, was Kinder brauchen.

Ihre Kandidatur traf nach der von Gaby Eigenmann ein. Hat das etwas mit ihr zu tun?

Nicht mit ihr persönlich, sie hat ihre Kandidatur einfach sehr früh lanciert. Ich war damals im Bewerbungsprozess und entschied, meinen Sohn nicht in die Krippe zu geben, sondern zu Hause zu bleiben. Es ist mir als Politologin und Demokratin zudem wichtig, das Feld nicht kampflos einer Kandidatin zu überlassen.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus in einer Kampfwahl gegen eine Kandidatin, die von SVP, FDP und CVP unterstützt wird?

Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Es grenzt an ein Wunder, wenn ich gewählt werde. Es ist nicht einfach, gegen eine Kandidatin zu kämpfen, die solch eine breite Unterstützung hat. Zumal ich einiges nicht nachvollziehen kann: Die Familienpartei CVP hat sich beispielsweise für meine Konkurrentin entschieden, weil ich zu jung sei. Trotzdem habe ich die Zuversicht, dass sich viele Leute noch für mich entscheiden werden.

Was sagen Sie zur Initiative «Ja zum Ausstieg aus dem HarmoS-Konkordat»?

Ein Ausstieg brächte noch weniger Autonomie, wäre also sinnlos und kontraproduktiv. Die Mehrheit hatte HarmoS befürwortet und die meisten sind damit zufrieden. Wenn die Kantone keine Entscheidungsmacht mehr haben, hat sie dafür der Bund – das ist nicht besser.