Die Schöne im Osten

Dresden ist Provinz – und kulturverwöhnte Grossstadt. Ein äusserst liebenswerter Widerspruch, wie die Teilnehmer der Leserreise von «Rheintaler» und «Rheintalischer Volkszeitung» herausfanden. Ein Besuch im Osten Deutschlands.

Andreas Rüdisüli
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DRESDEN. Dass die sächsische Hauptstadt über 500 000 Einwohner zählt, wird dem Besucher lange nicht bewusst. Die Stadt an der Elbe wirkt etwas verschlafen, sieht man einmal ab von der weltbekannten Altstadt mit ihren eindrucksvollen historischen Bauten. Doch hinter der beschaulichen Fassade wartet eine urbane Schönheit darauf, entdeckt zu werden.

Der historische Bogen

Fast 40 Leserinnen und Leser unserer Zeitungen hatten sich genau das vorgenommen. Und es wurde ihnen leicht gemacht: Die viertägige Städtereise in den Osten Deutschlands war vom Auer Touristikunternehmen Köppel Reisen bestens vorbereitet worden. Grundlage für die Annäherung an die im Zweiten Weltkrieg zu einem grossen Teil zerstörte Altstadt der sächsischen Metropole war eine mehrstündige Stadtführung – teils per Car, teils zu Fuss. Die einheimische Reiseführerin schlug den historischen Bogen vom Mittelalter über den in der Stadt omnipräsenten Potentaten August den Starken aus dem 18. Jahrhundert bis zu jenen Schicksalsnächten im Februar 1945, in denen alliierte Bomber die Altstadt Dresdens fast vollständig zerstört hatten.

Die sozialistische Realität in der DDR liess später kaum Spielraum für einen stilgerechten Neuaufbau der zerstörten Kulturdenkmäler der Stadt.

Zwar wurde schon damals hier und da schüchtern renoviert, doch erst als nach der deutschen Wiedervereinigung Investoren mit fast unbegrenzten finanziellen Mitteln die Stadt stürmten, erblühte die Kulturmetropole wieder. Haus für Haus, Wahrzeichen für Wahrzeichen wurde getreu den Originalen neu errichtet.

Wer heute von der Elbe her kommend über den Theaterplatz spaziert, rechter Hand die Semperoper, links die Hofkirche, vor sich den Zwinger mit seinen Kunstschätzen, ahnt denn auch nichts mehr von den Schutthalden und Absperrzäunen der Nachkriegszeit.

Dresden, die Schöne im Osten Deutschlands, bezauberte die Besucher aus dem Rheintal. Nach der (Ein-)Führung erkundeten die Teilnehmer der Leserreise die Stadt auf eigene Faust – Museen, Kirchen, prachtvolle Plätze und wunderbare Restaurants stillten nicht nur den Kulturhunger. Am folgenden Tag führten kürzere Exkursionen aus der Stadt heraus. Die Porzellanmanufaktur in Meissen oder die Moritzburg, ein eindrucksvolles Jagdschloss unweit von Dresden, erweiterten den Horizont der drei Dutzend Reisenden. Die Ausflüge zeigten, wie nah Stadt und Land in diesem Teil Deutschlands zusammenliegen. Dank unzähliger Eingemeindungen besteht Dresden zu einem überraschend grossen Teil aus Dörfern mit erhaltenem Kern und hübschen Quartieren.

Hinter dem Steuer

Die viertägige Reise war ein Erlebnis. Für einmal musste sich niemand um Verkehr, Zeit, Termine oder ähnlich Einschränkendes kümmern. Denn dies tat ein anderer für die «Rheintaler»- und «Volkszeitungs»-Leser: Carchauffeur Toni Kobler machte die unbeschwerte Reise erst möglich. Seine Pünktlichkeit, sein Detailwissen zu den Ortschaften am Weg und sein souveräner Fahrstil beeindruckten die Rheintaler fast ebenso sehr wie die neu erstandene Architektur der sächsischen Grossstadt.

Dresden lässt staunen.

Dresden lässt staunen.

Kunstmaler Josef Ebnöther.

Kunstmaler Josef Ebnöther.

Hort der Kunst: Der Zwinger.

Hort der Kunst: Der Zwinger.

Chauffeur Toni Kobler war gefragt.

Chauffeur Toni Kobler war gefragt.

Die Häuser im Hintergrund sind erst zwanzig Jahre alt.

Die Häuser im Hintergrund sind erst zwanzig Jahre alt.

Die Dresdner Altstadt ist komplett autofrei. Im Hintergrund eines der Wahrzeichen, die Frauenkirche.

Die Dresdner Altstadt ist komplett autofrei. Im Hintergrund eines der Wahrzeichen, die Frauenkirche.

Die Teilnehmer der Leserreise spazieren über den Dresdner Theaterplatz und hören den Erklärungen der Stadtführerin zu – hinter ihnen die Semperoper. (Bilder: Andreas Rüdisüli)

Die Teilnehmer der Leserreise spazieren über den Dresdner Theaterplatz und hören den Erklärungen der Stadtführerin zu – hinter ihnen die Semperoper. (Bilder: Andreas Rüdisüli)

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