Die schiefe Veranda von Heerbrugg

Weil Stützpfähle morsch sind, könnte das Provisorium P1 der Kanti Heerbrugg einknicken. Die Schulleitung schloss den Trakt diese Woche. «Wir wollen kein Risiko eingehen», sagt Rektorin Judith Mark. Sie musste nun Platz schaffen für neue Schulzimmer.

Samuel Tanner
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Ein starker Kontrast: Hinten die Bauarbeiten an der neuen Kanti, vorne die schiefe Veranda und das Provisorium P1. Es musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. (Bilder: Samuel Tanner)

Ein starker Kontrast: Hinten die Bauarbeiten an der neuen Kanti, vorne die schiefe Veranda und das Provisorium P1. Es musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. (Bilder: Samuel Tanner)

HEERBRUGG. Wie man denn festgestellt habe, dass das Provisorium P1 ein Sicherheitsrisiko ist, lautet eine der ersten Fragen an Kanti-Rektorin Judith Mark. Sie lächelt wissend und sagt dann: «Wenn Sie vor dem Provisorium stehen, merken sie das rasch.»

Mark hat recht, das P1 sieht nicht mehr aus wie ein Schultrakt, die Veranda ist so schräg, dass man darauf einen drittklassigen Western drehen könnte. Zudem liegen morsche Holzpfähle unter dem Container; sie wurden im Lauf der Zeit durch solche aus Backsteinen ersetzt. Dreizehn Jahre lang fand in diesem Provisorium Unterricht statt, seit Montagnachmittag ist es gesperrt.

Die Schüler erfuhren per Mail von Judith Mark davon – es liegt unserer Zeitung vor. Liebe Schülerinnen, liebe Schüler. Und dann: «Der Zustand des Provisoriums hat sich in den letzten Tagen verschlechtert. (…) das Provisorium könnte leicht einknicken. Deshalb sind die Schulräume ab sofort geschlossen. (…) Wir bitten um Entschuldigung für die kurzfristige Mitteilung, die Sicherheit aller Schulangehörigen hat oberste Priorität.» Freundliche Grüsse.

Mark: «Keine Gefahr»

Auf Anfrage sagt Judith Mark: «Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Schüler. Wir haben lediglich das Absinken der Veranda festgestellt und einen Ingenieur mit einer Analyse betraut. Anschliessend entschied sich die Schulleitung zu diesem Schritt. Er ist als reine Sicherheitsmassnahme zu verstehen.»

Im Mail an die Schüler heisst es, die Situation habe sich «in den letzten Tagen» verschlechtert. Weshalb reagierte die Schule also nicht schon früher? Mark sagt: «Wir reagierten, sobald wir Kenntnis hatten.» Den Grund für die morschen Pfähle sieht sie in der langen Provisoriums-Zeit begründet. «Wir hatten ursprünglich mit einem früheren Einzug in den Neubau gerechnet.»

Das P1 mit seinen vier Klassenzimmern steht seit dem Jahr 2000 auf einem Fundament aus Holzpfählen – und dient in der Umbauphase der Kantonsschule als Entlastung; noch bis im Januar des nächsten Jahres, so lautete der Plan. Dann sollten sämtliche Umbauten am Kanti-Gebäude abgeschlossen sein.

Mathe im Kraftraum

Weil sich die Schulleitung nun aber dazu entschloss, das P1 per sofort zu schliessen, musste sie in den letzten Tagen andernorts Platz schaffen für Schulzimmer. Judith Mark sagt: «Der Gymnastik- und der Kraftraum, die im neuen Gebäude stehen, fungieren während der nächsten Monate als Schulzimmer. Zudem kommt es zu einigen kleinen Stundenplan-Anpassungen. Anders geht es leider nicht.» Finanzieller Aufwand entstehe nur marginal, sagt die Rektorin. Fürs Zügeln oder für die Einrichtung in den neuen Zimmern. Das P1 wird hingegen nicht mehr renoviert.

Wie denn die Schüler reagiert hätten, lautet die letzte Frage an Judith Mark. Sie berichtet von keinerlei Rückmeldungen. Überrascht können die Schüler nicht gewesen sein, sie konnten die Entwicklung der Veranda vom Vorbau zum schiefen Holzverschlag Tag für Tag beobachten.