Die Salami-Attacke

Von den Männern als starkem Geschlecht redet ja inzwischen fast niemand mehr. Der Spruch taugt höchstens noch als Lacher unter Hebammen. Aber vielleicht sind Adams Nachkommen ja sogar noch verletzlicher als die Hebammen ahnen.

Ida Sandl
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Von den Männern als starkem Geschlecht redet ja inzwischen fast niemand mehr. Der Spruch taugt höchstens noch als Lacher unter Hebammen. Aber vielleicht sind Adams Nachkommen ja sogar noch verletzlicher als die Hebammen ahnen.

Ein Fall, mit dem sich das Bezirksgericht Weinfelden vor Kurzem befassen musste, legt diese Vermutung nahe. Da hat sich eine Thurgauerin, 41 Jahre alt, der «Tätlichkeit» gegenüber ihrem Lebenspartner schuldig gemacht.

Zur Erklärung für die schwindende Minderheit der Nichtjuristen: Eine Tätlichkeit ist zwar noch keine Körperverletzung, es gibt auch keine bleibenden Schäden. Aber es ist doch ein körperlicher Angriff, der in der Regel mit einer Busse bestraft wird.

Der erwähnte Fall passierte im April dieses Jahres – an einem Sonntag. Sonntage sind ideal für Familienstreitigkeiten, weil man da ein bisschen mehr Zeit füreinander hat als während der Woche.

Am Nachmittag eines solchen Sonntages passiert es. Den genauen Tathergang gibt der Strafbefehl leider nicht wieder. Irgendwie wollte die Beschuldigte wohl in das Zimmer ihres Lebenspartners. Worauf der Mann aber offensichtlich keine Lust hatte.

Die Frau tritt die Tür ein

Die Frau gibt sich nicht damit zufrieden, brav an die Tür zu klopfen und wieder zu verschwinden, wenn nicht aufgemacht wird. Nein, sie tritt kurzerhand die Tür ein. Was darauf schliessen lässt, dass sie entweder schon von Natur aus kräftig ist oder sich im Fitnessstudio die entsprechenden Muskeln antrainiert hat.

Eine eingetretene Tür und eine wütende Frau reichen aus, um einem Mann einen gehörigen Schrecken einzujagen. Es kommt aber noch schlimmer. Die Rasende greift sich den nächstbesten Gegenstand und wirft ihn nach dem Opfer. Es ist ein Stück Salami.

Salami trifft Mann an der Hand

Salamis galten bei Gewalttaten bisher als unverdächtig. Auch in Videospielen oder in Actionfilmen kommen sie so gut wie gar nicht vor. Dabei können sie – weil meistens luftgetrocknet – ganz schön hart sein.

Die Salami trifft den Mann an der Hand. Die Hand zählt zu den am meisten verkannten Körperteilen. Sie hat den Ruf, robust zu sein. Wie sensibel sie tatsächlich ist, wissen nur die Handchirurgen.

Er habe einen Schmerz empfunden, gibt der gepeinigte Mann später gegenüber der Polizei zu Protokoll. Der Staatsanwalt stellt der rabiaten Dame daraufhin einen Strafbefehl aus: 300 Franken Busse, 240 Franken Geldstrafe bedingt. Zwei Jahre Probezeit. Dazu kommen 1598 Franken Untersuchungs- und Polizeikosten sowie eine Verfahrensgebühr.

Das ist der Frau zu viel. Sie legt Rekurs ein. Zum Gerichtstermin erscheint sie dann aber doch nicht. Damit tritt der Strafbefehl in Kraft und es kommen nochmals 200 Franken Gerichtskosten dazu.