Die Riesenwelse sind zurück

Erneut ein Sommer der spektakulären Welsfänge im Bodensee: Vor der Rheinmündung wurde ein Rekordexemplar mit einer Länge von über zwei Metern gefangen.

Gernot Grabher
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Der Rekordfisch hielt beim Fototermin mit den Fischern David King und Felix Fink geduldig still und durfte dann wieder abtauchen. (Bild: Gernot Grabher)

Der Rekordfisch hielt beim Fototermin mit den Fischern David King und Felix Fink geduldig still und durfte dann wieder abtauchen. (Bild: Gernot Grabher)

100 Pfund schwer und 2,10 Meter lang war der Wels, den der Harder David King mit Hilfe seines Kollegen Felix Fink vor der Rheinmündung aus dem See zog. «Schon et- was Herzklopfen» bekomme man, wenn man so einen kapitalen Fisch nach einem halbstündigen Kampf erstmals an der Oberfläche neben dem Boot sehe, sagt der 18-jährige Welsspezialist King.

Immer älter und grösser

Nach wie vor scheinen sich grosse Welse vor der Rheinmündung zu versammeln. «Besonders wenn der Fluss ansteigt, erhoffen sich die Fische eingeschwemmte Nahrung», wissen die Fischer, die sich auf «Kapitale» spezialisieren. Kurz nach dem Rekordfang konnte auch David Kings Bruder Oliver ein kräftiges Petri Heil verbuchen: Sein Wels war allerdings «nur» 1,90 Meter lang.

Welse bis zu 1,50 Meter wurden heuer an der Rheinmündung bereits über ein Dutzend gefangen. Auch Schleppfischer sind mit grossen Kunstködern – «Löffeln» – erfolgreich. Die Zwei-Meter-Marke wird jedoch selten durchbrochen. «Man muss Glück haben und zur rechten Zeit an der richtigen Stelle sein», sagen die Fischer. Sie sind aber überzeugt, dass sich im Bodensee noch grössere Exemplare tummeln.

«Die Zahl der Welse hat in den letzten Jahren, warum auch immer, zugenommen, logischerweise werden sie älter und damit noch grösser.»

Der Fang der gewaltigen Fische ist für Angler, die allerdings Geduld aufbringen müssen, ein besonderes Erlebnis. Als Köder werden meist grosse Bündel Tauwürmer verwendet.

Wallerholz und kräftige Ruten

Damit die nachtaktiven Welse auch bei Tag Interesse zeigen, setzen die Angler das «Wallerholz» ein – ein Holzbügel mit einer pilzförmigen Kappe, die rhythmisch ins Wasser gestossen wird.

Dabei entsteht ein Geräusch, das die Laute der Welse nachahmt. Die sind nämlich nicht stumm, sondern stossen eine Art «Bellen» aus. Ob die Fische durch das Geräusch des Holzes einen Partner oder Konkurrenten in ihrem Revier vermuten, können die Fischer nicht sagen. «Jedenfalls kommen sie nachschauen und damit in die Nähe des Köders.» Kräftige Ruten sind eine weitere Bedingung für Erfolge, leichtes Zeug wird in Auseinandersetzungen mit Welsen oft zu Kleinholz. Reissen kann die Schnur kaum mehr; man verwendet geflochtene Mikrofaserleinen mit hoher Bruchlast.

«Zuerst flüchten sie in die Tiefe und ziehen unwiderstehlich Schnur ab», so die Kings. «Wenn man sie aber einmal oben hat, geben sie auf und lassen sich ohne Zappeln und Schlagen ins Boot heben.»

«Ausstopfen» kommt teuer

In die Pfanne wandern allenfalls kleinere Exemplare – die grossen sind zu fett. Die grössten Welse werden meist wieder freigelassen.

Wenige werden zur Erinnerung präpariert, was sich die Fischer aber zweimal überlegen, da das «Ausstopfen» eines Giganten mehrere tausend Euro kostet.

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