Die Rheintaler Wirtschaft umbauen

HEERBRUGG. Die zunehmende Automatisierung und Vernetzung verändern die Welt zurzeit tiefgreifend. Diese vierte industrielle Revolution wird die Rheintaler Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen, zeigten sich Politiker und Wirtschaftsvertreter an einem Anlass in der Kantonsschule überzeugt.

Max Tinner
Drucken
Teilen
Fordern liberale gesetzliche Rahmenbedingungen, damit die Wirtschaft den Wandel zur Industrie 4.0 bewältigen kann. Von links: Regierungsratskandidat Marc Mächler, Ständerätin Karin Keller-Sutter, Moderator Sven Bradke, Kantonsratskandidatin Sarah Peter Vogt, SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich Spoerry, Abacus-Entwicklungsleiter Daniel Senn. (Bild: Max Tinner)

Fordern liberale gesetzliche Rahmenbedingungen, damit die Wirtschaft den Wandel zur Industrie 4.0 bewältigen kann. Von links: Regierungsratskandidat Marc Mächler, Ständerätin Karin Keller-Sutter, Moderator Sven Bradke, Kantonsratskandidatin Sarah Peter Vogt, SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich Spoerry, Abacus-Entwicklungsleiter Daniel Senn. (Bild: Max Tinner)

Zuerst die Mechanisierung, später die Nutzbarmachung der Elektrizität und dann die Erfindung des Fliessbands veränderten die Wirtschaft grundlegend. Die Automatisierung, die damals ihren Anfang nahm, war und ist ein fortwährender Prozess. Zurzeit nehmen die damit einher gehenden Veränderungen aber ein Ausmass an, dass von einer vierten industriellen Revolution gesprochen wird. Treiber der aktuellen Entwicklung ist die Vernetzung, die immer mehr Lebensbereiche immer tiefer durchdringt. Dies spiegelt sich nicht nur im Kühlschrank mit Internetanschluss, sondern auch in immer nahtloser und automatisierter werdenden Abläufen über alle Unternehmen hinweg, die an der Wertschöpfungskette eines Produkts beteiligt sind.

Rheintal besonders betroffen

Als hoch industrialisierte Wirtschaftsregion ist das Rheintal besonders betroffen. Davon zeigten sich gestern Politiker und Wirtschaftsvertreter an einem Anlass in der Aula der Kantonsschule überzeugt. Zu diesem eingeladen hatte das Wahlkomitee der Balgacher FDP-Kantonsratskandidatin Sarah Peter Vogt.

Für SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich Spoerry ist dieser Wandel hin zur Industrie 4.0 Voraussetzung dafür, dass die Wirtschaft im Hochpreisland Schweiz auch künftig produzieren kann. Ohne diesen Prozess wäre es seiner Ansicht nach auch nicht möglich gewesen, den Währungsschock zu überstehen. Allerdings fehle es an Automatikern, Informatikern und anderen speziell qualifizierten Fachleuten: «Wir haben Leute, die uns zu diesem Wandel befähigen – aber zu wenige», meinte Spoerry. Die Förderung der so genannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) an den Schulen begrüsst er darum.

Ohne Fachhochschulen verloren

Daniel Senn, Leiter Entwicklung bei der Wittenbacher Software-Schmiede Abacus, ist zudem der Ansicht dass man gar nicht früh genug beginnen kann, die Kinder für solches zu begeistern: «Am besten schon im Kindergarten», meint er und verweist auf England, wo Kinder bereits in diesem Alter spielerisch an das Programmieren herangeführt würden. Senn ist auch froh um die Fachhochschulen: «Ohne sie hätten wir längst verloren.» FDP-Regierungsratskandidat Marc Mächler ist es zudem wichtig, dass der Kanton sich selbst nach zweimaliger Abfuhr durch den Bund weiterhin für einen Innovationspark der ETH in der Ostschweiz einsetzt. Unterstützen kann der Bund die Unternehmen auch, indem er in einer weiteren Unternehmenssteuerreform die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung abzugsfähig macht, erklärte Ständerätin Karin Keller-Sutter.

Der Wandel der Wirtschaft berge aber auch Risiken, verhehlte Sarah Peter Vogt nicht. Es seien nicht nur Arbeitskräfte gesucht, es seien auch Jobs gefährdet, nämlich alle, die sich automatisieren lassen. Dazu gehörten auch solche, die bislang als sicher galten, beispielsweise Buchhalter, Steuer- oder Finanzberater. «Umso mehr darf man nicht stehen bleiben, sondern muss sich Gedanken machen, wie man sich weiterbilden kann», betonte Sarah Peter Vogt.

Auch der Gesetzgeber sei gefordert – mit Zurückhaltung. Mehr denn je brauche es liberale gesetzliche Rahmenbedingungen, die möglichst wenig reglementieren: «Es braucht mehr Vertrauen, nicht mehr Gesetze», meinte Karin Keller-Sutter.

Aktuelle Nachrichten