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«Die Revitalisierung hat uns stark gefordert»

Am 3. Mai 1999 nahm Christa Köppel ihre Arbeit als Widnauer Gemeindepräsidentin auf. In den letzten 20 Jahren ist viel passiert. Wo immer möglich setzt sich Christa Köppel dafür ein, das Potenzial der Wirtschaftsregion Alpenrheintal adäquat darzustellen.
Christa Köppel: «Die neu gestaltete Bahnhofstrasse ist eine tolle Bühne, auf der in Zukunft Zentrumsentwicklung passieren kann.» (Bild: pd)

Christa Köppel: «Die neu gestaltete Bahnhofstrasse ist eine tolle Bühne, auf der in Zukunft Zentrumsentwicklung passieren kann.» (Bild: pd)

Was hat Christa Köppel in der äussersten Provinz verloren?, wunderte man sich vor zwei Jahrzehnten in Zürich. Die neue Gemeindepräsidentin wunderte sich ihrerseits: «Aus wirtschaftsgeschichtlicher Perspektive ist das Rheintal als früh industrialisierte Gegend seit rund 150 Jahren eine hochspannende, dynamische Region. Ich habe Widnau nie als provinziell empfunden.» Dass das Rheintal häufig unterschätzt wird, merkte sie erst nach dem Amtsantritt. Seither setzt sie sich wo immer möglich dafür ein, das Potenzial der Wirtschaftsregion Alpenrheintal adäquat darzustellen. «Gerade in Widnau haben wir doch den ‹Fünfer und das Weggli›», sagt sie. «Wir leben in einer herrlichen Landschaft und müssen moderne Infrastrukturen, Urbanität, Hightech, interessante Arbeitsplätze und einen modernen Lebensstil nicht missen.»

Viele florierende Firmen auf Viscose-Areal

Wirtschaftlich sah es zu Beginn ihrer Amtszeit nicht ganz so rosig aus: Mit der Viscose verabschiedete sich gerade ein Industrieunternehmen, das die Gemeinde seit 1924 geprägt hatte. Die Chemiefaserfabrik zählte einst zu den grössten Steuerzahlern im Kanton und drohte eine riesige Industriebrache zu hinterlassen. Die Revitalisierung des Geländes, das grössenmässig 54 Fussballfelder umfasst, forderte Christa Köppel fast 15 Jahre lang heraus – auf konzeptioneller, strategischer und technischer Ebene. «Ich war froh um die Risikobereitschaft und den Mut des Gemeinderates.» Die Espenstrasse wurde gebaut, das Viscose-Areal revitalisiert. Inzwischen hat sich auf dem ehemaligen Fabrikareal eine Vielzahl florierender Firmen angesiedelt. 20 Prozent der Widnauer Steuereinnahmen werden heute von örtlichen Unternehmen generiert. Ein überdurchschnittlicher Wert und einer der Gründe, warum die Gemeinde finanziell gut dasteht.

Widnau hat als erste Rheintaler Gemeinde die Einheitsgemeinde eingeführt. Und seit dem Bezug des neuen Schulhauses Schlatt gehen alle Kinder mitten in Widnau zur Schule, wo sich auch die Kindertagesstätte, der Schülerhort mit Mittagstisch und der Jugendtreff befinden. Was heute als Selbstverständlichkeit gilt, musste erkämpft werden. Christa Köppel und die ehemalige Gemeinderätin Marlen Hasler haben sich für den Auf- und Ausbau der Kinderbetreuung im Mittelrheintal stark gemacht. Bald wird auch die ältere Generation von der Peripherie ins Zentrum ziehen – ins neue Alters- und Pflegezentrum. Die Bahnhofstrasse hat sich von einer grauen Durchgangsstrasse zur begrünten Zentrumsachse gewandelt. Köppel sieht sie als Bühne, auf der in Zukunft Zentrumsentwicklung passieren kann. Die Sportanlagen dürfen sich ebenso sehen lassen wie das gemeindeeigene Glasfasernetz, das Widnau in die digitale Zukunft führt. Der Friedhof, der sich zur Parklandschaft gewandelt hat, wird als Ort der Stille geschätzt. Christa Köppel: «Wir gestalten unsere Bauvorhaben mit Überzeugung und Herzblut. Als Wertschätzung für alle, die den öffentlichen Raum und die öffentlichen Bauten nutzen.»

Viel investiert und den Steuerfuss massiv gesenkt

Trotz reger Investitionstätigkeit konnte der Steuerfuss schrittweise von 140 auf 86 Prozent gesenkt werden. Was freut die Gemeindepräsidentin besonders? «Da gibt es ganz vieles», sagt sie. Nebst den gelungenen Ansiedlungen im Viscose-Areal ist es die neu gestaltete Bahnhofstrasse mit den blühenden Kirschbäumen. Die Verwaltung ist jünger und weiblicher als vor 20 Jahren. Die Gemeindepräsidentin lacht: «Als ich hier anfing, war ich praktisch die Jüngste und jetzt bin ich fast die Älteste.» Sie ist stolz auf die Mitarbeitenden der Verwaltung und der Gemeindebetriebe: «Sie sind sehr versiert, hoch motiviert und gut vorbereitet für die Herausforderungen der Zukunft.»

Die Digitalisierung habe die Arbeitsprozesse ganz erheblich verändert. Wertvolle Daten, die über die Staatsebenen hinweg ausgetauscht würden, seien zu bewirtschaften. Auch das Tempo habe enorm zugenommen. Und die Gesetzgebung sei heute viel komplexer. Im Alleingang gehe gar nichts mehr: «Als Gemeindepräsidentin brauche ich eine effiziente Verwaltung, damit ich mich den politisch und strategisch wichtigen Themen zuwenden kann. Es gilt, den Ortsplanungsprozess gut zu gestalten und für die Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte eine taugliche Grundlage zu erarbeiten. Wichtig ist mir auch, dass das neue Alters- und Pflegezentrum baulich und betrieblich ein Leuchtturm wird.»

Mit einer Ausnahme alle Vorlagen durchgebracht

Sehr herausfordernd sei die internationale Zusammenarbeit beim Rhesi-Projekt oder beim Agglomerationsprogramm. «Wir leben hüben und drüben in rechtlich und politisch unterschiedlich strukturierten Räumen.» Die Rheintaler Gemeinden, die in diese grenzüberschreitenden Projekte eingebunden sind, seien eine recht heterogene Willensgemeinschaft und keine Staatsebene. «Als Stadt Mittelrheintal hätten wir sicher mehr Gewicht, aber die Gemeindefusion ist 2007 abgelehnt worden. Da gibt es nichts zu rütteln.» In Widnau war die Vorlage der fünf Mittelrheintaler Gemeinden die einzige Ablehnung in 20 Jahren. Alle anderen Vorlagen hat die Gemeindepräsidentin durchgebracht. «Die grosse Zustimmung der Widnauer Bevölkerung freut mich sehr. Ich werte sie als Anerkennung für die geleistete Arbeit und als Ansporn.» Für und mit den Menschen in der Gemeinde die Zukunft zu gestalten, sei eine interessante und kreative Aufgabe. Selbst der alltägliche Ärger zwischendurch kann Köppels Laune nicht nachhaltig trüben. Der gehöre dazu wie das Salz in der Suppe, sagt sie, um sich umgehend den positiven Dingen zuzuwenden: «Ich freue mich jeden Tag über bereichernde Begegnungen und fachliche Inspirationen. Dafür danke ich allen: der Bevölkerung, meinem Team und dem Gemeinderat.» (pd)

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