Die Profis im Kerzenziehen

Das Kerzenziehen im Pfarreisaal gibt es schon länger als den Adventsmarkt. Inzwischen sind beide Events zusammengewachsen – und gehören in der Region zur Weihnachtszeit wie das Christkind zur Krippe.

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Rita Rohner (Mitte) und Erika Ulmann (rechts) haben Jennifer Eichmann die Leitung des Kerzenziehens übergeben. (Bild: seh)

Rita Rohner (Mitte) und Erika Ulmann (rechts) haben Jennifer Eichmann die Leitung des Kerzenziehens übergeben. (Bild: seh)

Erika Ulmann und Rita Rohner haben schon als Kinder eine Tradition nie ausfallen lassen: das Kerzenziehen auf dem Zürcher Bürkliplatz. Dass die beiden Schwestern den Brauch einmal nach Heerbrugg bringen würden, hätten sie damals nicht gedacht. Begonnen hatte alles vor 18 Jahren, als sich Erika Ulmann für den Jugendclub des Heerbrugger Familientreffs engagierte. War die teilweise selbstgemachte Ausrüstung am Anfang noch rudimentär und die Kerzen einzig aus Bienenwachs, kamen schnell Farben und teurere Materialien dazu. Weil der Jugendclub parallel zum Kerzenziehen Adventskränze verkaufte, entstand die Idee, beide Anlässe zusammenzulegen – und der Adventsmarkt Heerbrugg war geboren, der dank der finanziellen Unterstützung beider Kirchgemeinden, der Ortsgemeinde Au und Pro Heerbrugg immer grösser wurde.

Aus dem Hobby wurde ein Beruf

Auch wenn sich die beiden Frauen inzwischen regelrechte Kerzenzieh-Profis nennen dürfen – ganz einfach war die Organisation am Anfang nicht, erinnert sich Erika Ulmann: «Im ersten Jahr haben wir viel zu viel Bienenwachs bestellt, sodass der Anlass ein Verlustgeschäft wurde.» Dafür war das zweite Jahr umso erfolgreicher: Farbwachs hatte damals im Rheintal noch niemand angeboten, und auch das Giessen von Kerzen, das besonders viel Geduld braucht, wurde eingeführt.

Die beiden Schwestern besuchten jedes Jahr Kurse in Zürich, um sich neue Fähigkeiten in der Kunst der Kerzenherstellung anzueignen. Das hat sich nicht nur für den Familientreff gelohnt, sondern auch beruflich: Rita Rohner arbeitet inzwischen bei Hongler Kerzen in der Produktion und leitet Workshops, und auch Erika Ulmann war mehrere Jahre im Altstätter Unternehmen tätig.

Weil die eigenen Kinder älter geworden sind, haben die Schwestern das Engagement für den Familientreff nach und nach reduziert und auch das Kerzenziehen im Heerbrugger Pfarreiheim aufgegeben – Rita Rohner vor drei Jahren, Erika Ulmann 2015. Natürlich nicht ohne eine Nachfolgerin einzuarbeiten: Jennifer Eichmann, die den Event mit dem Team vom Familientreff weiterführen wird.

Ob die beiden Frauen dieses Jahr der alten Zeiten willen doch Kerzen im Pfarreiheim ziehen werden, lassen sie offen; zu Hause sind nämlich noch «tonnenweise» vorhanden, die meisten von den Kindern, die während der Einsätze der Mütter kreativ waren.

Nostalgiekarussell, Blockhütte, Besinnung

Das Kerzenziehen ist nur eine Attraktion am Adventsmarkt, der am Samstag, 26. November, von 13 bis 20 Uhr stattfindet. Zu sehen und zu kaufen gibt es Selbstgemachtes: Geschenke, Adventskränze, Kulinarisches und vieles mehr.

Neben den Ständen gibt es wie in den letzten Jahren eine beheizte Blockhütte mit Festwirtschaft. Für Kinder steht anstelle des Eselreitens ein Nostalgiekarussell bereit, auf dem die kleinen Marktbesucher gratis fahren dürfen. Die beiden Hauptorganisatoren, die katholische und die evangelische Kirchgemeinde, haben den familiären Marktbetrieb auf dem Kirchplatz durch ein besinnliches Programm zum Adventsbeginn ergänzt. Unter dem Titel «Momente für dich und mich» werden um 15 Uhr im Kirchenraum eine Viertelstunde lang Kindergeschichten erzählt und Lieder gesungen.

Jeweils um 18 und um 19 Uhr gibt es auch für die Erwachsenen Adventsgedanken mit besinnlicher Panflötenmusik, ebenfalls für 15 Minuten. (seh)

Das Kerzenziehen im Pfarreiheim findet am Samstag von 13 bis 18 Uhr und unabhängig vom Markt am Sonntag von 10 bis 14 Uhr statt.