Die Polizei ist bereit für Halloween

An Halloween hat es in den vergangenen Jahren statt Süsses mehr Saures gegeben. Denn nicht selten wüten Ostschweizer Jugendliche in der Nacht vom 31. Oktober als Vandalen. Die Polizei setzt auf mehr Personal und Aufklärung.

Samuel Koch
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ST. GALLEN. «Süsses oder es gibt Saures!», schreit ein verkleidetes Kind, dessen Gesicht hinter einer gruseligen Maske versteckt ist. Was von einem jahrhundertealten keltischen Brauch stammt, bereitet den Polizeikorps in der Ostschweiz seit Jahren vermehrt Probleme. Unter dem Deckmantel von Halloween ziehen Jugendliche in der Nacht vom 31. Oktober auf Allerheiligen durch die Strassen und neigen zu Vandalismus und Sachbeschädigungen.

Eier und Tomaten an Hausfassaden, ein Gemisch aus Rasierschaum, Mehl und Ketchup auf Autos und Bussen, eingeschlagene Fensterscheiben, brennende Robidoc-Container, Knallkörper in Briefkästen oder in Abfallkübeln – die Liste der Vandalen und Sachbeschädigungen rund um Halloween ist lang. «Dieses Phänomen hat in den vergangenen fünf bis sechs Jahren zugenommen», sagt etwa Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Alleine im letzten Jahr gingen bei der Notrufzentrale über 30 Meldungen wegen Halloween ein. Nebst verkleideten Kindern, die auf der Suche nach Süssigkeiten von Haustür zu Haustür gehen, «halten sich vermehrt auch Jugendliche im Alter zwischen etwa zwölf und 22 Jahren draussen auf und hinterlassen Spuren».

Auch die Kantonspolizei Thurgau verzeichnet in den vergangenen Jahren während der Halloween-Nächte häufiger Einsätze. In den beiden Appenzeller Kantonen hat sich die Lage hingegen «eher gebessert», heisst es auf Anfrage. Zwar sei das Datum im Kalender angestrichen, doch mit kantonalen Massnahmen wie der Jugendkontaktpolizei im Ausserrhodischen will die Polizei «Vandalen und Beschädigungen direkt vor Ort vorbeugen».

Warmes Wetter begünstigt

In den Kantonen St. Gallen und Thurgau hingegen stehen während Halloween mehr Polizisten im Einsatz, wie deren Mediensprecher unisono bestätigen. «Wir teilen vor allem in den Nachtschichten mehr zivil patrouillierendes Personal ein», sagt Hanspeter Krüsi. Trotzdem sei schwierig zu erahnen, wo die Jugendlichen zuschlagen. Ein Muster zwischen ländlichen und städtischen Gemeinden kann Krüsi nicht erkennen.

Mitentscheidend sei aber auch das Wetter. «Bei diesen warmen Herbst-Temperaturen befinden sich jeweils vermehrt junge Leute im öffentlichen Raum», sagt Krüsi. Zudem verschärfe der Alkoholkonsum in zunehmendem Alter das Problem zusätzlich.

Empfehlung an Verkäufer

Im Kanton Thurgau setzt die Polizei seit 2012 nebst mehr Polizeipräsenz auch auf die Sensibilisierung der Ladenbetreiber. «Wir halten sie an, im Vorfeld von Halloween Artikel wie Eier oder Rasierschaum zurückhaltend an Jugendliche zu verkaufen», sagt Mediensprecher Daniel Metzler. Leider könne die Polizei diesbezüglich aber nur eine Empfehlung abgeben. «Die Verkäufer sind frei, auf diesen Vorschlag einzugehen», sagt Metzler.

Hoffen auf Ruhe

Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen appelliert derweil an die Gesellschaft, an die Eltern und an die Vernunft der Jugendlichen. «Wir suchen den Konsens und wollen aufklären, so gut es geht», sagt er. Dass sich in einer Gruppe hie und da ein schwarzes Schaf befindet, sei halt nicht zu verhindern.

Sollte es in der Halloween-Nacht trotz der Massnahmen zu Vandalismus kommen, blüht den Tätern vor allem Saures. Sobald jemand seinen Schaden zur Anzeige bringt, ermittelt die Polizei und der Fall gelangt zur Jugend- oder zur Staatsanwaltschaft. Der Täter muss dann finanziell für den Schaden aufkommen. Zwar ist die Höhe der Schäden jeweils «schwer zu beziffern», doch handle es sich nicht nur um Bagatellen. «Falls ein Täter nicht gefasst wird, muss der Steuerzahler für Schäden an öffentlichen Gebäuden aufkommen», so Krüsi.

Entgegen aller Befürchtungen im Vorfeld des diesjährigen Halloween ist Mediensprecher Hanspeter Krüsi optimistisch. «Wir hoffen, dass es dieses Jahr etwas ruhiger bleibt als auch schon», sagt er. Der keltische Brauch sei ja per se nichts Schlimmes und dürfe nicht als Plattform für Vandalismus missbraucht werden.