Die Orgel als Königin der Instrumente: Der Altstätter Konzertzyklus präsentierte an drei Abenden Organisten, die das Publikum in den Bann zogen

Damit beschenkt er ein fachkundiges Publikum mit hochstehenden klassischen Programmen.

Theodor Looser
Merken
Drucken
Teilen

Obwohl die Orgel seit Urzeiten als Königin der Instrumente gilt, wird sie von der Öffentlichkeit oft als das Instrument betrachtet, das vor allem bei kirchlichen Anlässen eine Rolle spielt. Dass sie in der Region auch als profanes Konzertinstrument wahrgenommen wird, ist dem Konzertzyklus zu verdanken. Er lädt für die traditionellen Forstkonzerte im Juni und die Feierabendmusiken im August seit mehr als 20 Jahren bekannte Organisten ein. Der Konzertzyklus beschenkt damit ein fachkundiges Publikum mit hochstehenden klassischen Programmen.

Inoffizielle Hymne Englands gespielt

Franz Pfab

Franz Pfab

Bilder: PD

Die Forstkonzerte waren allerdings wegen Corona ausgefallen. Bei der ersten Feierabendmusik in der evangelischen Kirche konnte Präsident Hanspeter Küng nach einem halben Jahr Stillstand wieder einmal einen Künstler vorstellen. Der Organist Franz Pfab begann mit kraftvoll akzentuiertem Spiel, einer Komposition von Johann Sebastian Bach. Die folgenden Stücke stellte er selbst vor. «Melodia» von Franz Reger präsentierte sich lyrisch getragen. Die folgende Triosonate, wiederum von Altmeister Bach, hatte einen ganz anderen Charakter als das erste Stück.

Das Werk von Christian Heinrich Rinck, der zu seiner Zeit ein sehr gefragter Komponist und Orgelspieler war, stand am Übergang von der Klassik zur Romantik. «March of Pomp and Circumstance», die inoffizielle Hymne von England, die bei der «Last Night of the Proms» in London jedes Jahr gespielt wird, bildete den sinnreichen Abschluss des Programms.

Von Warschau nach Altstätten

Bernhard Loss

Bernhard Loss

Eine Woche später, diesmal in der katholischen Kirche, trat ein wohlbekannter Organist vor das Publikum. Bernhard Loss spielte ein dichtes, zeitgemässes Programm und erwies sich auch als Improvisationstalent. Mit einer «Fanfare» von Jacques Lemmens eröffnete er seinen Vortrag, leitete mit einem elegisch- poetischen Stück von César Franck über zu den «Heures mystiques» von Leon Boellman. Mit der Improvisation über das Kirchenlied «Erde singe, dass es klinge» füllte Bernhard Loss den Kirchenraum mit fantastischen Klängen.

Zur dritten Feierabendmusik, wieder in der evangelischen Kirche, hatte der Konzertzyklus einen jungen polnischen Organisten engagiert, der mit seinem Orgelspiel die halbe Welt begeistert hatte.

Ein Meiser der Improvisation

Mateusz Rzewuski

Mateusz Rzewuski

Mateusz Rzewuski war extra für dieses eine Konzert von Warschau nach Altstätten gekommen. Er eröffnete seinen Vortrag mit einem Werk von Johann Sebastian Bach, das er konzen­triert und grandios interpretierte. Auch er erwies sich als Meister der Improvisation.

Nach eigenen Angaben musste er schon als Student improvisieren und lernte in Paris diese Kunst offiziell an der Musikhochschule. Er improvisierte bei der Feierabendmusik im französischen Stil über «Andante» und anschliessend im modernen Stil über «Scherzo» mit Melodien, die den meisten Zuhörern bekannt waren. Sein eindrückliches Orgelkonzert beendete er mit einer Toccata von Max Reger.