Die Olma-Schererei

Jolanda Brändle ist süchtig nach Scherenschnitten. Einen Tag ohne das Kunsthandwerk kann sich die Gestalterin des Olma-Plakats nicht vorstellen.

Christoph Zweili
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Das fertige Olma-Plakat von Jolanda Brändle. (Bild: Olma)

Das fertige Olma-Plakat von Jolanda Brändle. (Bild: Olma)

Jolanda Brändle nennt ihr Olma-Plakat eine «Schererei». Mit der sprachlichen Eigenkreation kokettiert sie mit ihrem filigranen Hobby, das die 41-Jährige längst zum bäuerlichen Nebenerwerb ausgebaut hat. «Das Wort Kunst habe ich nicht für mich in Anspruch nehmen wollen. Tabu war auch <Scherenschnitt> – so bin ich bei <Schererei> gelandet, eine Sprachspielerei, die sich im Kopf festsetzt.»

Die Welt der Jolanda Brändle

Die Bäuerin, die mit ihrem Mann Stefan einen Biomilch-Betrieb auf 770 Meter Höhe im Mosnanger Ortsteil Dreien führt, hat die Vorlage für das neue Olma-Plakat gestaltet – quasi über Nacht. Denn Abend für Abend, wenn die neunköpfige (!) Kinderschar versorgt ist, hantiert Jolanda Brändle mit dem scharfen Stahl mit dem speziellen Schliff. Meist vor dem Fernseher und zusammen mit ihrem Mann. Scherenschnitt-Zeit ist Paar-Zeit. «Für mich Erholung pur», sagt sie. «Ich bin süchtig danach.»

Seit 13 Jahren sind die Scherenschnitte Teil ihrer eigenen Phantasiewelt, deren Utensilien – Schere, Gummi, Zirkel und Bostitch – in einer Schuhschachtel Platz finden. Freihändig sticht sie in das feine Papier und schneidet dem Bleistiftstrich entlang, den sie auf die weisse Rückseite gezeichnet hat. Kühe erhalten Ohrringe, Sauen werden Glarnertüechli umgebunden, Geissen bekommen Chriesi-Ohrringe: Jolanda Brändle bricht mit den klassischen Scherenschnitt-Motiven, indem sie eine Prise Humor einbringt.

Auch auf dem Olma-Plakat. «Der Auftrag – neben dem Werk zum 1150-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Mosnang im Jahr 2004 der bisher grösste –, war eine Herausforderung», sagt sie. «Ich wollte Neues wagen, dabei meine künstlerische Handschrift behalten, und musste gleichzeitig Anforderungen an ein Plakat erfüllen.»

60 Stunden fürs Olma-Plakat

Der Alpaufzug war diesmal tabu, dafür gibt es leise Anleihen an die Olma-Gastkantone Glarus und Zug. Zwei Scherenschnitte hat sie für die 70. Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung im Oktober entworfen – ein Hoch- und ein Querformat, bis auf ein paar hingestreute Blätter alles an einem Stück geschnitten: in 60 Stunden Arbeit.

Jolanda Brändles Werke hängen in Zürcher, Berner und Basler Wohnungen. Immer mehr Aufträge werden über die Homepage geordert, in letzter Zeit vor allem für Webbänder mit Kuhmotiven. In Korea wird zurzeit abgeklärt, ob Interesse an den Toggenburger Scherenschnitten besteht. «Interesse hätte ich schon», sagt Jolanda Brändle dazu nur. Noch ist es nicht so weit. Den Traum von einem eigenen Laden hat sie sich hingegen vor zwei Jahren erfüllt. Fünfmal schon war die Scherenschnitt-Künstlerin an der Olma dabei. Auch dieses Jahr wird sie präsent sein. An der Eröffnung vom 11. Oktober demonstriert sie ihr Kunsthandwerk allerdings an der Sonderschau «Fensterblicke – Bäuerinnen machen Kunst».

www.schererei.ch