Die Not lehrte zu wirtschaften

WIDNAU. Die Rheintaler Wirtschaft hat sich in den letzten zwei Jahren auf den Frankenkurs von 1.20 gegenüber dem Euro eingerichtet. Gezwungenermassen und nicht ohne Opfer. Man kann mit diesem Kurs leben – und hofft auf Entspannung.

René Schneider
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Bis wann verteidigt die Nationalbank den Wechselkurskurs? (Bild: sc)

Bis wann verteidigt die Nationalbank den Wechselkurskurs? (Bild: sc)

Jeder Einzelne und jede Familie geriete wohl aus der Ruhe, wenn ihr Einkommen ohne Vorwarnung innert weniger Monate um zwanzig Prozent einbräche. Man würde vielleicht lamentieren, die Politik verantwortlich machen, um staatliche Hilfe rufen. Aber jeder für sich würde auch sofort handeln und sich schnell anzupassen versuchen – um den Schaden aufzufangen oder wenigstens zu begrenzen.

Genau so verhielten sich die Unternehmen wie die Wirtschaft als ganzes vor zwei Jahren, als der Franken gegenüber dem Euro immer stärker wurde und der Kurs zuletzt beinahe eins zu eins betrug. Das bedeutete für die Exportwirtschaft (also die meisten im Rheintal) einen Ertragseinbruch von zwanzig Prozent. Sie taten, was jeder privat auch täte: Sparen, länger arbeiten, Zulieferer-Preise drücken, im Ausland einkaufen usw. Manche Rheintaler Unternehmen schlossen sich mit ausländischen Unternehmen zusammen, verlegten Produktionen, eröffneten Produktionsstätten im EU-Raum. Oder sie versuchten, ihre Ausfälle im EU-Raum zu kompensieren, indem sie neue Märkte in den USA und Asien eroberten oder ausbauten.

In seinem Referat vor den Rheintaler Unternehmern schilderte Nationalbank-Direktor Jean-Pierre Jetzer, wie die Nationalbank damals intervenierte, und wie sie bis heute den damals festgesetzten Kurs von 1.20 Franken für einen Euro verteidigt. Die brennendste Frage im Publikum (Wie lang noch?) beantwortete er jedoch nicht. Konnte er nicht beantworten. Denn es liegt in der Natur der Währungspolitik, dass die Nationalbank ihre Entschlüsse nicht ankündigt, sondern mitteilt und sofort umsetzt. Jetzer machte aber klar, dass die «Not- und Extrem-Massnahme» nicht ewig aufrecht erhalten wird».

In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Moderator Gert Bruderer räumten die Gesprächspartner ein, während und aus der Krise viel gelernt zu haben. «Not lehrt wirtschaften» wisse der Volksmund, und das habe sich angesichts der plötzlichen Frankenstärke gezeigt, sagte etwa Klaus Brammertz. Der starke Franken hat (unabhängig von der Betriebsgrösse) alle Manager gefordert, hatte aber nicht in allen Unternehmen die gleichen Auswirkungen. Entsprechend reagierten sie unterschiedlich. Dabei zeigt sich rückblickend, wurde ebenfalls eingeräumt, dass vieles statt nur erwogen, in der Krise beschlossen, gemacht und durchgesetzt wurde, was man auch ohne Not hätte tun können. Insofern habe die Krise die Unternehmen und die Wirtschaft gestärkt, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Vieles habe aber nur umgesetzt und erreicht werden können, weil angesichts der Krise eben auch in den Belegschaften die Opfer-Bereitschaft zunahm.

Noch ist die Währungs-Krise nicht gemeistert, aber die Auswirkungen sind gemildert. Hier die Tips der Podiumsteilnehmenden an ihre Kollegen: Innovation, faire Preise, den Service hoch halten. Der «Geiz-ist-geil-Mentalität» könne nur damit begegnet werden, sagte etwa Erich Weber.

Über Hundert Rheintaler Unternehmer verfolgten gestern im «Metropol» das Referat von Nationalbank-Direktor Jean-Pierre Jetzer und das anschliessende Podiumsgespräch mit (v. l.) Christian Schmid (Leiter Corporate Center St. Galler Kantonalbank) Jean-Pierre Jetzer (Nationalbank), Erich Weber (CEO Mode Weber), Helmut Binder (CEO SFS intec), Klaus Brammertz (CEO Bauwerk, St. Margrethen). Rechts Gesprächsleiter Gert Bruderer, Chefredaktor «Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung». (Bild: Fredy Roth)

Über Hundert Rheintaler Unternehmer verfolgten gestern im «Metropol» das Referat von Nationalbank-Direktor Jean-Pierre Jetzer und das anschliessende Podiumsgespräch mit (v. l.) Christian Schmid (Leiter Corporate Center St. Galler Kantonalbank) Jean-Pierre Jetzer (Nationalbank), Erich Weber (CEO Mode Weber), Helmut Binder (CEO SFS intec), Klaus Brammertz (CEO Bauwerk, St. Margrethen). Rechts Gesprächsleiter Gert Bruderer, Chefredaktor «Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung». (Bild: Fredy Roth)