Die nächste Heimklatsche

FUSSBALL. In einem zwar nur durchschnittlichen, aber torreichen Spiel musste sich der FC Widnau dem in allen Belangen überlegenen FC Uzwil mit 3:6 (1:3) Toren geschlagen geben.

Gerhard Huber
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Die Uzwiler beherrschten Ball und Gegner, wie hier Meissner, der vor Nüesch und Abdoski klärt. (Bild: Ulrike Huber)

Die Uzwiler beherrschten Ball und Gegner, wie hier Meissner, der vor Nüesch und Abdoski klärt. (Bild: Ulrike Huber)

Wieder nichts war es mit Punkten gegen einen Aufsteiger. Vor vier Wochen war Widnau im Heimspiel dem Zürcher Aufsteiger Rüti mit 3:5 Toren ins offene Messer gelaufen. Auch gegen Aufsteiger Uzwil lief es keinen Deut besser. Im Gegenteil: Gleich mit 3:6 Toren gab es für die Weiss-Blauen ein weiteres fussballerisches Desaster.

Nur ein echter Stürmer

Rätselhaft bereits die defensive Ausrichtung der Aufstellung. Mit Abdoski wurde nur ein echter Stürmer aufgeboten, während Bärlocher im Zuge der «Spielerrotation» wohl tatsächlich auf der Ersatzbank innerlich rotierte. Zudem war Irisme leicht angeschlagen und drückte daher ebenso nur die Reservebank. Dafür spielten Sonderegger und Jevtic auf dem Feld eine «Doppelsechs». Widnau stand tief, sehr tief.

Und Uzwil spielte von Beginn an clever und abgebrüht. Vor allem der quirlige und technisch ausgezeichnet beschlagene Ex-Grasshoppers-Spieler und Mittelstürmer Hürlimann stellte die Widnauer Abwehr von Anfang an vor grosse Probleme. Was bereits in der 7. zum Führungstreffer für die Gäste führte. Es war genau dieser Hürlimann, der aus einem Gewürge im Strafraum des Heimteams den Ball abstauben und einnetzen konnte. Wer eine Reaktion der Rankovic-Truppe erwartet hatte, wartete vergebens. Allein die Körpersprache sagte vieles aus. Mit hängenden Köpfen, geneigten Rücken und mässigem Tempo schlurften die Spieler über den Platz. Zeigten nur das Nötigste, spielten vor allem ohne Herz. Und es war keiner da, der das Team aufrüttelte. Zwar konnte Abdoski per Kopf nach einer Flanke von Bösch nach einer halben Stunde Spielzeit den Ausgleich erzielen. Doch wach wurden die Aegeten-Boys davon nicht.

Tiefschlaf der Defensive

Vielmehr gelang den ständig in Bewegung befindlichen Gästen unter gütiger Mithilfe von Liechti, der die Kugel direkt auf den Uzwiler Simeone passte, in Minute 39. der erneute Führungstreffer. Simeone konnte mit dem Ball in aller Ruhe in den Strafraum traben und an Frei vorbei einschiessen. Doch damit war der Tiefschlaf der Heim-Defensive noch nicht vorbei. Eine Minute vor der Halbzeitpause konnte Hürlimann unbegleitet von jedwedem Gegenspieler vor Frei auflaufen und eine Flanke mit dem Kopf regelrecht ins Tor streicheln.

Weiter ging's in derselben Tonart. In Minute 77. verwertete Uzwils Nr. 77, nämlich Cakir, völlig unbedrängt einen Querpass von rechts zum 4:1. Wenige Minuten später fällt Nüesch im gegnerischen Strafraum. Den hierfür verhängten Penalty verwertete Abdoski sicher. Und verhinderte damit den lupenreinen Hattrick durch Cakir, der in den letzten Minuten der Partie noch zweimal reüssierte. Zunächst war es ein Prellball von Bösch, der direkt in den Lauf von Cakir sprang. Frei hatte keine Chance. Allerdings hatte Frei dann wohl das letzte Tor zu verantworten. Das Schlitzohr Cakir setzte einen Freistoss von nahe der Seitenauslinie in spitzem Winkel direkt unten rechts in die Maschen, wobei der ansonsten tadellose Widnau-Goalie keine gute Figur machte.

Herz und Seele des Teams

Dazwischen gab es noch ein Eigentor der Uzwiler durch Meissner zu bestaunen. Endstand damit 3:6. Selten hat Widnau derart ohne Struktur und ohne System gespielt. Selten war so klar zu sehen, dass Irisme das Herz und die Seele der Mannschaft ist. Erst seine Einwechslung zwanzig Minuten vor Schluss brachte Leben in das Widnauer Team, vertrieb die Lethargie und sorgte für Offensivaktionen. Wenn schon vorher so gekämpft und gespielt worden wäre, wie in dieser letzten Viertelstunde, könnte den Sportsfreunden von der Aegeten auch bei einer Niederlage niemand einen Vorwurf machen.

2. LIGA INTER, GRUPPE 6 Widnau – Uzwil 3:6 (1:3) Aegeten – 320 Zuschauer – SR: L. Giulini. Tore: 7. Hürlimann 0:1, 32. Abdoski 1:1, 39. Simeone 1:2, 44. Hürlimann 1:3, 77. Cakir 1:4, 81. Abdoski 2:4 (Penalty), 84. Cakir 2:5, 88. De Simone (Eigentor) 3:5, 93. Cakir 3:6. Widnau: Frei; Faleschini, Lüchinger, Diego Liechti, Hot (68. Irisme); Nüesch, Bösch, Jevtic, Sonderegger (58. Bärlocher), Maliqi; Abdoski. Uzwil: Toplanay; Lanker, Meissner, Simeone, Velickovic; Brunner, Nagel, Jadanza (89. Meyer), Caklir; Hürlimann (69. Meissner), De Simone (57. Keller). Gelbe Karten: 42. Hot (Foul), 45. Nagel (Foul), 73. Toplanay (Spielverzögerung), 80. Nagel (Foul), 82. Irisme (Reklamieren).