"Die Müdigkeit merkt man nicht"

DIEPOLDSAU. Der Grosseinsatz der Feuerwehren beim Brand der ehemaligen Firma Kuster Holzbau in Diepoldsau war der grösste Einsatz in der 24-jährigen Feuerwehrkarriere von Feuerwehrkommandant Marco Köppel. Ihm war schnell klar, dass der Gebäudekomplex nicht mehr zu halten war.

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Das Lagergebäude brannte schnell lichterloh. (Bild: Marco Köppel)

Das Lagergebäude brannte schnell lichterloh. (Bild: Marco Köppel)

Herr Köppel, wie lange dauerte der Einsatz der Feuerwehren in der Brandnacht?
Marco Köppel:
Die Brandwache war bis 8 Uhr im Einsatz und auch heute werden wir den Brandort weiterhin kontrollieren. Der Alarm wurde um 19.05 Uhr ausgelöst, der grösste Teil der Einsatzkräfte konnte um etwa Mitternacht die Arbeit abschliessen.

Haben Sie schon einmal so einen grossen Brand erlebt in Ihrer Zeit in der Feuerwehr?
Köppel:
Seit ich in der Feuerwehr aktiv bin, war das einer der grössten Einsätze vom Gebäudekomplex her mit der Werkstatt, den Autos drin und dem angebauten Wohnhaus. So etwas habe ich tatsächlich noch nicht gerade erlebt und ich bin jetzt seit 24 Jahren in der Feuerwehr, seit 2011 als Feuerwehrkommandant der Feuerwehr Mittelrheintal.

Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
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Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)
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Bild: Janique Weder
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Bild: Marco Köppel
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Diepoldsau - Brand in Diepoldsau Schreinerei brennt (Bild: Ralph Ribi)


So ein Grosseinsatz ist jeweils auch eine logistische und organisatorische Herausforderung.
Köppel:
Ja, das ist so und ich bin sehr erfreut über die gute Zusammenarbeit mit den Feuerwehren Berneck-Au-Heerbrugg, St.Margrethen und Altstätten. Die drei Feuerwehren haben uns mit ihren Hubrettern ausgeholfen. Auch der Regionale Führungsstab wurde sofort aufgeboten. Es handelte sich beim Einsatz um die Alarmstufe 4, das ist die zweithöchste Stufe.

War der Brandort gut zugänglich?
Köppel:
Wir konnten nur von einer Seite her die Fahrzeuge richtig stellen, das erschwerte unseren Einsatz.

Wie wird die riesige Menge an Löschwasser sichergestellt?
Köppel:
Wir hatten zwar genug Wasser zur Verfügung, mussten aber vernünftig damit umgehen. Die Lagerhalle löschen und gleichzeitig die Wasserwand halten, das hätte die Wasserkapazitäten tatsächlich überfordert. Relativ schnell haben wir während des Einsatzes gemerkt, dass wir unsere Priorität auf den Schutz der umliegenden Häuser setzen mussten. Wir waren im Wohnhaus drin, das an die Lagerhalle angebaut war und haben gesehen, dass es einsturzgefährdet und nicht mehr zu retten ist. Wichtig war für uns festzustellen, dass sich keine Personen mehr in diesem Gebäude aufhielten. So haben wir dann entschieden, eine Wasserwand zu erstellen zum Schutz der Nachbarhäuser.

Mussten Personen aus diesen angrenzenden Liegenschaften evakuiert werden?
Köppel:
Ja, in diesen zwei älteren Liegenschaften in Holzbauweise - eines davon ein Mehrfamilienhaus - leben zwölf Personen. Die Bewohner konnten zum Glück später wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Wurde der Einsatz der Feuerwehren von den vielen Schaulustigen behindert?
Köppel:
Es ging relativ gut. Wir haben die Brandstelle schnell abgesperrt und die Leute haben sich gut daran gehalten.

Waren irgendwann bei diesem Brand Menschen gefährdet?
Köppel:
Ganz zu Beginn, als unsere Männer sich in das brennende Wohnhaus begaben, war es sicher nicht ungefährlich. Wir mussten dabei feststellen, ob sich Menschen in dem Haus befanden und ob ein Löschangriff von innen möglich war. Ein Mann hat sich eine Bagatellverletzung an der Hand zugezogen.

Wie hält man diese Hitze aus?
Köppel:
Die Atemschutzgeräte schützen das Gesicht und auch unsere Schutzkleidung hält bis zu einem gewissen Punkt die Hitze ab. Solange man draussen sein kann, ist es gut möglich mit der Hitze umzugehen. Schwierig wird es in einem Gebäude drin.

Kamen Sie in dieser Nacht zu etwas Schlaf?
Köppel:
Ich habe mich irgendwann mal zwei Stunden hingelegt, aber nicht wirklich tief geschlafen. Den Schlafentzug merkt man bei so einem Einsatz nicht, man ist so sehr bei der Sache. Die grosse Müdigkeit wird dann wohl heute Abend kommen.

Interview: Christa Kamm-Sager

Autos in Lagerhalle erlaubt?

Der Brand in der ehemaligen Schreinerei und Zimmerei dürfte gemäss Polizei durch Arbeiten an einem Auto ausgelöst worden sein. Der Mediensprecher der Kantonspolizei, Gian Andrea Rezzoli, verweist auf die laufenden Ermittlungen: "Die Brandursache ist ziemlich sicher. Aber trotzdem werden jetzt die genauen Umstände untersucht." Es werde auch ermittelt, wer alles in der Liegenschaft eingemietet war und wieviele Fahrzeuge sich darin befunden haben und ob das erlaubt gewesen sei. "Die Überprüfung der Einhaltung von feuerpolizeilichen Vorschriften ist Sache der Gemeinde", sagt Rezzoli. Je nachdem könne es durchaus Auswirkungen auf die Versicherungsleistungen haben, falls Vorschriften nicht eingehalten worden seien. Roland Wälter, Gemeindepräsident von Diepoldsau, verweist in der Frage, ob alle feuerpolizeilichen Vorschriften eingehalten worden sind, auf die laufenden Ermittlungen. "Ich möchte diesen Untersuchungen nicht vorgreifen", sagt er. Die Gemeinde sei im Moment mehr damit beschäftigt, ein neues Daheim für die vier Personen zu finden, die wegen des Brandes obdachlos geworden sind. Vorübergehend seien sie bei Angehörigen untergekommen. (chs)



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