Die meisten laden das Auto zu Hause – das zeigt eine Umfrage bei Rheintaler E-Tankstellen

Immer mehr Autofahrer laden an E-Tankstellen – dennoch bleibt die Nutzung noch auf bescheidenem Niveau.

Benjamin Schmid
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Noch sind Schnellladestationen rar. Doch besonders entlang der Nationalstrassen werden es immer mehr.

Noch sind Schnellladestationen rar. Doch besonders entlang der Nationalstrassen werden es immer mehr.

Bild: GoFast

Statt mit Benzin werden immer mehr Autos mit Strom geladen. Eine Umfrage über Rheintaler E-Tankstellen zeigt: Sie werden zwar immer besser frequentiert, der Anstieg erfolgt jedoch auf relativ tiefem Niveau.

Luden in den letzten Jahren nur vereinzelt Automobilisten ihre Kraftfahrzeuge an einer der lokalen Ladestationen, verzeichneten alle Anbieter 2019 fast eine Verdoppelung. Dennoch werden die E-Autos hauptsächlich zu Hause geladen.

Grundsätzlich zufrieden mit den Benutzerzahlen

Ob in Thal, St.Margrethen oder Altstätten – noch hält sich die Monatsfrequenz bei E-Tankstellen im niedrigen zweistelligen Bereich. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Wer zu Hause oder im Geschäft laden kann, tut dies. Die Ladekosten und die Ladegeschwindigkeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie unübersichtliche Bezahlmodelle und Mitgliedschaften. Neben regionalen Garagisten und nationalen Detaillisten kämpfen im Kanton vor allem die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke (SAK), die St.Galler Stadtwerke, die swisscharge.ch sowie die Gottardo Fastcharge (Gofast) um Marktanteile.

Gemäss Romano Ingold, Leiter Mobilität der St.Galler Stadtwerke, gibt es im Winter mehr Ladevorgänge als im Sommer. Zudem: «Bei kostenpflichtigen Ladestationen, wie das in St.Margrethen der Fall ist, muss man grundsätzlich von einer tieferen Auslastung ausgehen», sagt Ingold, «weil sie aber eine Schnellladestation an einer Transitstrasse ist, gehört sie innerhalb des Ost-mobil-Verbundes zu den höher frequentierten Stationen.»

«Nicht nur in Altstätten und Walzenhausen, sondern über das gesamte Netzwerk ist eine Zunahme der Benutzung spürbar», sagt Moritz Fischer, der im Business Development von swisscharge.ch tätig ist. Die Coronakrise und die damit verbundene tiefere Mobilität habe sich negativ ausgewirkt. Aber die Autowelt befinde sich im Umbruch und die E-Mobilität gewinne weiter an Bedeutung.

«Ich bin mit der Frequenz in Thal zufrieden», sagt Domenic Lanz, Geschäftsführer von Gofast. Zusammen mit lokalen, regionalen und nationalen Partnern investiert die Firma in den Aufbau und den Betrieb des Schweizer Schnellladenetzes. «Gofast Oberriet haben wir noch nicht umsetzen können», sagt der Geschäftsführer, «wir sind aber optimistisch, die Station in den nächsten sechs bis zwölf Monaten eröffnen zu können.»

Laden an Rastplätzen und Raststätten

Obwohl sich über die letzten Jahre sowohl die Anzahl von öffentlichen Ladestationen sowie deren Ladetempo stark verbessert haben, sollen die Autos gemäss Urs Schwegler, Projektleiter der Fachgesellschaft e’mobile, vorzugsweise zu Hause geladen werden. «Öffentliche Ladestationen werden überbewertet», sagt Schwegler. Für den lokalen Alltagsgebrauch werde das Auto zu Hause geladen. Für Ferien oder Fernreisen brauche es schnelle und effiziente Ladestationen entlang der Reise- und Fernverkehrsstrassen.

Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra) teilt mit, bis 2029 sollen auf 100 Rastplät- zen des Nationalstrassennetzes Schnellladestationen entstehen. «Um rasch ein flächendeckendes Netz zu gewährleisten, werden die Bewilligungen für den Bau und Betrieb der E-Tankstellen nicht einzeln pro Rastplatz, sondern in fünf Paketen mit jeweils 20 Rastplätzen vergeben», sagt Rohrbach.

Neben einem niederländischen haben vier schweizerische Anbieter den Zuschlag vom Astra erhalten. Das Amt stelle eine ausreichende Stromleistung vor Ort bereit und die Betreiber müssen innerhalb eines Jahres ab Erstellung der Strominfrastruktur je fünf Rastplätze mit E-Tankstellen ausrüsten. Auf der A13 soll der Rastplatz Oberriet in beiden Fahrtrichtungen ausgerüstet werden, sagt Thomas Rohrbach, «allerdings sind 2020 noch keine Arbeiten vorgesehen.» Eine andere Geschichte seien Ladestationen bei Raststätten. Da seien die Standortkantone zuständig.

Ob die Coronapandemie die E-Mobilität beschleunigt, kann noch nicht gesagt werden. Urs Schwegler glaubt nicht daran, dass die aktuell tiefen Benzinpreise einen Einfluss auf die E-Mobilität haben. «Die Elektromobilität wird sich durchsetzen», ist sich Domenic Lanz sicher. Darauf hätten auch Schwankungen im Ölpreis keinen grossen Einfluss. Elektroautos seien «nicht nur besser für die Umwelt und werden immer billiger, sondern sie sind auch angenehmer zu fahren und machen mehr Spass.»

Vorarlberg ist Spitzenreiter bei der E-Mobilität

Auf Onlinekarten, auf denen alle E-Tankstellen eingezeichnet sind, ist sichtbar: In der Region sind schon einige Ladestationen in Betrieb. Besonders im Unteren Rheintal gibt es verschiedene Anbieter und Zapfsäulen. Im Oberen Rheintal finden sich vor allem rund um Altstätten Ladestationen. Auch wenn nicht alle Lademöglichkeiten eingezeichnet sind, fällt auf, dass ennet der Grenze deutlich mehr E-Tankstellen stehen. Das kommt nicht von ungefähr: In Sachen E-Mobilität ist Vorarlberg gemäss dem österreichischen Rundfunk ORF Spitzenreiter. Letztes Jahr wurden 42 Prozent mehr Elektroautos zugelassen als im Vorjahr. In Vorarlberg stehen 204 öffentliche E-Tankstellen mit rund 400 Ladeanschlüssen zur Verfügung. Allein in der Landeshauptstadt Bregenz gibt es 17 E-Tankstellen. Trotz Vorreiterrolle hindern bestehende rechtliche Barrieren einen Ausbau der E-Ladeinfrastruktur in Wohnhäusern.

Urs Schwegler sagt, es sei nicht überall einfach, zu Hause zu laden. Bei Eigentumswohnungen sei je nach Reglement die Zustimmung der Mehrheit oder gar aller Miteigentümer erforderlich. Und in Mietwohnungen kann der Vermieter allein entscheiden, ob er die Installation einer Ladestation zulassen will. «In Deutschland ist zurzeit eine Gesetzesänderung in Ausarbeitung, die das Recht auf eine Ladestation in Tiefgaragen einräumt, in der Schweiz steht dies noch aus», so Schwegler.