Die Mathematik einmal anders erleben

Am Donnerstagabend wurde der Oberstufe Mittelrheintal offiziell das neue Mathe-Lernheft für die Sekundarstufe übergeben. Mathe soll damit mehr in der Natur und vor allem gemeinsam stattfinden.

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Wer bietet mehr? Tabea Mächler (in blau) stellt die Mathematiklehrer vor schwierige Aufgaben: «Wie viele Liter Wasser fasst der Schmittenbrunnen wohl?» (Bild: Sabrina Schmid)

Wer bietet mehr? Tabea Mächler (in blau) stellt die Mathematiklehrer vor schwierige Aufgaben: «Wie viele Liter Wasser fasst der Schmittenbrunnen wohl?» (Bild: Sabrina Schmid)

Am Donnerstagabend besammelten sich beim Rössliplatz 25 geladene Gäste. Darunter befanden sich das Projektteam des neuen Lernhefts, Sponsoren und vor allem Mathematiklehrer der Oberstufe Mittelrheintal (OMR).

«Mathematik hat es bei vielen nicht einfach. Mit dem neuen Lernheft für die Oberstufe wollen wir den Schülern nahebringen, wie wichtig Mathe im Alltag ist und das anhand ihnen bekann­-ter Objekte aus der Umgebung zeigen», sagte OMR-Schulleiter Markus Waser in der Begrüssungsrede. Geri Rüegg, Mitglied des Projektteams, fügte an: «Mathe gehört zum Leben. Deshalb sollen die Studierenden so lernen, wie es Pestalozzi einst formulierte: Mit Kopf, Herz und Hand.» Der OMR wurde das neue Lernheft an diesem Abend offiziell übergeben und vorgestellt. Speziell ist, dass alle Aufgaben ausschliesslich draussen und nicht im Klassenzimmer gelöst werden können.

Acht Lernplätze im Mittelrheintal

In der Blockwoche 2018 haben Studierende der Pädagogischen Hochschule St. Gallen unter der Leitung der Dozierenden Tabea Mächler und Geri Rüegg verschiedene Orte im Mittelrheintal besucht. Dann haben sie für acht ausgewählte Standorte, sogenannte «MathPlätze», Aufgaben verfasst, die von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe gelöst werden können. Pro MathPlatz gibt es zwölf Aufgaben, drei unterschiedliche Themenblöcke und vier Schwierigkeitsstufen.

Rüegg sagte: «Die Aufgaben sind auf alle Mathetypen zugeschnitten. Die Kooperative, also das gemeinsame, handlungsorientierte Erarbeiten von Lösungswegen, steht im Zentrum. Denn es gibt nicht ein Richtig oder Falsch. Viele Wege führen nach Rom. Das, was im Schulzimmer an Theorie vermittelt wird, soll draussen an den MathPlätzen angewendet werden.»

«Hier können sich die Schüler kreativ ausleben»

Nach der Begrüssungsrede wurden zwei Gruppen gemacht und der MathPlatz in Balgach besichtigt. Die Gäste sollten selbst eine Kostprobe einer Aufgabe erhalten. Eine Gruppe versammelte sich unter der katholischen Kirche beim Rebberg, die andere beim Schmittenbrunnen.

Den einzelnen Gruppen wurden Fragen gestellt, die auch im Lernheft aufgeführt sind, wie etwa: «Was schätzt ihr: Wie viele Rebstöcke sind an diesem Hang vorhanden?»

Die Gäste tauschten sich rege aus und haben gute Schätzungen abgegeben. Dann wechselten die Gruppen den Standort.

Markus Waser ist vom Matheheft begeistert: «Aussenunterricht ist sehr beliebt. Die Aufgaben haben den Vorteil, dass man nicht weit weggehen muss. Die MathPlätze sind in unmittelbarer Nähe. So lernen die Schüler ihre Umgebung besser kennen und schauen die Objekte danach ganz anders an. Das finde ich sehr wertvoll.» Auch Mathematiklehrer Oliver Morandi freut sich darauf, mit seiner Klasse rauszugehen: «Dieses Projekt spricht auch die Schüler an, die mit der klas­sischen Mathe sonst zu kämpfen haben. Hier können sich die Schüler auch kreativ ausleben.»

Erfolgreich seit dem Einstand in Gossau

Die Broschüre «Mathematische Lernplätze» wurde im Jahr 2010 das erste Mal für die Stadt Gossau herausgegeben und ist seither stets auf positives Feedback gestossen. Beim Apéro wurde mit Freude über das neue Lernheft diskutiert und auf eine neue mathematische Ära angestossen.