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Die Marktgasse gehört allen

Eine beiläufige Äusserung des Kantons muss die Altstätter Ladenbesitzer gewurmt haben. Ein zwar unscheinbarer, doch in diesem Fall bemerkenswerter Satz. Von Gert Bruderer

Der Satz geht so: «Darüber, wie ein Einkaufsort bestmöglichst zu fördern ist, können verschiedene Vorstellungen bestehen.»

Eine Binsenweisheit!

Und natürlich weiss auch die Igea, die Interessengemeinschaft der Ladenbesitzer, dass es nicht nur eine Meinung gibt. Trotzdem benimmt sie sich seit jeher so, als wüsste niemand ausser ihr die Antwort auf die Frage, wie Altstätten als Einkaufsort eine möglichst gedeihliche Zukunft hat.

Die Äusserung des Kantons entstammt der 25-Seiten-Schrift, in der das Departement des Innern die Zulässigkeit der Altstätter Initiative «Autofreie Marktgasse» begründet. Die Igea wird darin in einem wesentlichen Punkt belehrt: Ihr Einfluss auf die Zukunft der Altstätter Marktgasse ist nicht ganz so gross, wie sie gemeint hatte.

Der gelegentlich vernommenen Parole von Igea-Exponenten (sinngemäss und einmal sogar wörtlich: «Hier bestimmen wir, was geht») wird vom Kanton in aller Klarheit widersprochen.

Schadenfreude ist nun aber fehl am Platz. Dafür macht die Igea für die Stadt zu viel. Sie hat vor allem in den letzten Jahren nie die Hände in den Schoss gelegt, sondern erfreulich viel unternommen, um die Stadt in einem guten Licht erscheinen und mehr Anziehungskraft entfalten zu lassen.

Dass die Igea für Altstätten das Beste möchte, steht ausser Frage!

Die grosse Mehrheit der Ladenbesitzer sieht schwarz bei der Vorstellung, die Autos könnten aus Altstättens Marktgasse verbannt werden. Manche sehen sogar rot. Dagegen halten die Autofrei-Initianten eine Marktgasse ohne motorisierten Verkehr für eine grosse Chance.

Mit dem Gedanken, das Bewährte aufzugeben, ist oft Angst verbunden. Viele Ladenbesitzer in Altstättens Marktgasse fürchten – nein, sind überzeugt –, in einer Gasse ohne Autos wären ihre Läden existenziell bedroht. Womöglich stimmt das ja sogar. Denn eine schöne Gasse ist allein noch keine Garantie, dass die vergnügt in ihr Flanierenden auch Geld ausgeben.

Die Krux besteht darin, dass niemand wirklich wissen kann, wie eine autofreie, ganz neu gestaltete Marktgasse sich auswirken würde. Es gibt zwar Erfahrungswerte aus anderen Städtchen und Städten, aber es ist offen, was sie – bezogen auf Altstätten – taugen.

So lässt sich die Einschätzung, autofrei werde die Marktgasse mittelfristig gewinnen, als Wunschdenken abtun – und die mögliche Schockwirkung bei einer schnellen Umstellung scheuen.

Ein anderer Schock ist uns bestens vertraut. Seit der Franken so stark ist, hat die Wirtschaft sich in einer neuen Wirklichkeit zurechtzufinden. Mustergültig zeigt das Beispiel, wie Unvorstellbares (ein Leben ohne Kursuntergrenze) zu unserem Alltag geworden ist. Das ist natürlich kein Vergleich, sondern lediglich ein Hinweis auf die menschliche Natur.

Und doch: Innovation, wie Industrie- und Gewerbebetriebe sie zu erbringen haben, ist mehr denn je auch in Einkaufsmeilen gefragt. Zumal ein Teil des Umsatzes in grosse Zentren, in das nahe Ausland und ins Netz abwandert, ist mehr als das Festhalten am Status Quo und die Durchführung besonderer Anlässe nötig.

Damit eine Einkaufsstrasse erfolgreich ist, muss viel zusammenpassen. Branchenmix und Warenangebot, die Atmosphäre in den Läden, aber auch im Städtli, eine Kundenfreundlichkeit, die sich in Wichtigerem äussert als in Parkplätzen direkt vor dem Laden, und manches mehr. Gerade Ladenbesitzer als Bedürfnisspezialisten, als Nachfragebefriediger, sollten Wünschen – egal welcher Art – eine positive Grundhaltung entgegenbringen. Dies umso mehr, wenn ein Bedürfnis so breit vorhanden ist wie der Wunsch nach einer autofreien Marktgasse. Über 800 Einheimische haben die Initiative unterschrieben – und bei Facebook haben die Initianten am Montag Abend (mit einem Online-Beitrag von rheintaler.ch zum Thema) innerhalb von wenigen Stunden 2500 Leute erreicht. Ein Rekord!

Zunächst geht es darum, von der Vorstellung Abschied zu nehmen, das Volk habe zur Gestaltung des öffentlichen Raums in einer Einkaufsstrasse nichts zu sagen.

Es geht darum, eine autofreie Marktgasse nicht mehr als Schreckgespenst am fernen Horizont zu sehen, sondern (trotz aller Bedenken) als

einen möglichen Ausgangspunkt für etwas Neues. Die jahrzehntelange Abwehrhaltung (ein Reflex!) hat überhaupt erst dazu geführt, dass der uralten Idee einer autofreien Marktgasse mit einer Initiative (also nicht mehr bloss mit sanftem Druck) Auftrieb verliehen wurde.

Obschon von einer autofreien Gasse nicht begeistert, könnte die Igea sich unvoreingenommen fragen, wie eine autofreie Marktgasse, sofern es sie gäbe, vorzugsweise auszusehen hätte. Sicher ist: Mehr positiver Wandel (wie ihn alle wollen) braucht vereinte Kräfte. Nur eine von allen geteilte positive Grundhaltung selbst einem kühnen Plan gegenüber kann ein überzeugendes Konzept zu Tage fördern.

Am Ende sollen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden.

In ihrem Namen zum Schluss eine wirklich sehr einfache Frage: Wer weiss am besten, was die Kunden wollen?

gert.bruderer@rheintalmedien.ch

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