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Die Märchenstunde ist vorbei

Im September spielte der FC Seuzach im Schweizer Cup gegen GC. Bernard Thurnheer durfte den Höhepunkt «seines» Vereins in der Sendung Sport aktuell von SRF kommentieren. Parteiisch – wie sonst höchstens bei Spielen der Nationalmannschaft. Beim in der 1.
Yves Solenthaler

Im September spielte der FC Seuzach im Schweizer Cup gegen GC. Bernard Thurnheer durfte den Höhepunkt «seines» Vereins in der Sendung Sport aktuell von SRF kommentieren. Parteiisch – wie sonst höchstens bei Spielen der Nationalmannschaft. Beim in der 1. Liga spielenden Verein bekämen die Spieler «keinen einzigen Rappen, nicht einmal Spesen», sagte die Schweizer TV-Reporter-Legende zur Einführung.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Dieser Satz fehlte im Abspann des Berichts – daher mussten die Zuschauer annehmen, dass die Spieler des «FC Seuzi» tatsächlich aus purer Freude ihre Fussballschuhe schnüren.

Beim eine Liga tiefer spielenden FC St. Margrethen ist das anders, wie jeder seit einer Woche weiss: Fünf Spieler – drei Bosnier und zwei Brasilianer – sind verhaftet und vier von ihnen sogleich ausgeschafft worden, weil sie mit Touristenvisum und für angeblich 300 bis 400 Franken im Monat gekickt haben. Der Fünfte verliess die Schweiz aus eigenem Antrieb. Sogar bosnische Onlineportale berichteten darüber.

Andere Rheintaler Vereine, die sonst keine Gelegenheit auslassen, um über den FC St. Margrethen zu schimpfen, sind auffällig ruhig geblieben. Was allerdings nicht verwundert: Viele von ihnen haben ähnliche Modelle auch schon angewandt. St. Margrethen war nicht der erste FC mit «Touristen-Spielern», er hat diese Praxis nur zuletzt wohl am intensivsten betrieben.

Aber die Ruhe täuscht. Für viele hat der Fall die Wirkung einer gelben Karte: Sie wissen nun, dass sie sich nicht in einem rechtsfreien Raum bewegen.

Die Unsicherheit bei den Vereinen ist gross, geht es doch plötzlich nicht nur um gesetzlich korrekte Arbeitsbewilligungen für Spieler aus Nicht-EU-Staaten. Denn das nicht in der Szene verwurzelte Publikum ist verwundert: Viele nahmen an, dass die Amateurspieler im «Dorfverein» ihre Schuhe für eine Wurst und ein Bier (nach einem Sieg auch mal zwei oder drei) schnüren würden, wie es offenbar in Seuzach geschieht.

Folglich tauchen plötzlich Fragen auf, wie denn andere Spieler bezahlt werden. Stefan Häuselmann, Präsident des Ostschweizerischen Fussballverbands, sprach im Interview mit dem «Tagblatt» davon, dass oft «Reiseentschädigungen» bezahlt werden. Hübsch ausgedrückt.

Offiziell erlaubt sind im Amateurfussball 500 Franken Spesen pro Monat. Selbst wenn das tatsächlich das Ende der Fahnenstange ist – wovon wohl niemand ausgeht, der sich im Regionalfussball bewegt – stellt diese Summe eine üppige Entschädigung dar. Denn die Spieler kommen ja nicht aus dem bei Winterthur liegenden Seuzach ins Rheintal – obschon sie dort ja keinen Rappen verdienen sollen. Oft werden Kicker aus dem zwei oder drei Dörfer entfernten Nachbarverein angeheuert. Oder sie kommen aus dem nahen Österreicher Bundesland Vorarlberg.

Ein möglicher Weg in die Legalität ist die Rückbesinnung zum Dorfverein. Der FC Heiden ist der einzige FC im Rheintal und dem Appenzeller Vorderland, der guten Gewissens als solcher zu bezeichnen ist. Die Häädler sind gerade drauf und dran, in die 5. Liga abzusteigen.

Die andere Variante ist, gleich mit der grossen Kelle anzurühren: Wenn sich die Rheintaler Fussballvereine zu einem Club zusammenschliessen, könnten die Strukturen professionalisiert werden, wenn es gelingt, in eine höhere Liga aufzusteigen. Ein Teilzeit-Sekretariat wäre eher in der Lage, sich juristisch einwandfrei um Arbeitsbewilligungen oder eine Lohnbuchhaltung zu kümmern, als es ehrenamtliche Funktionäre sind.

Sonst geht die Märchenstunde weiter. Das erwachsene Publikum möchte aber wahre Geschichten hören.

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