Die Luft im Rheintal verbessert sich

Die Massnahmen zur Eindämmung von Corona führen zu weniger Verkehr. Aber die Schadstoffreduktion ist weit weniger stark als gefühlt.

Benjamin Schmid
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Aktuell sind weniger Autos unterwegs als üblich. Dadurch verbessert sich die Luft – aber nur kurzfristig.

Aktuell sind weniger Autos unterwegs als üblich. Dadurch verbessert sich die Luft – aber nur kurzfristig.

Bild: vdl

Der Lockdown, den der Bundesrat mit der ausserordentlichen Lage vom 16. März verordnet hat, führte zur Einschränkung grosser Teile des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr. «Der Strassenverkehr hat seit Einführung des Lockdowns um 20 bis 40 Prozent abgenommen, der Flugverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen», sagt Markus Keller, Projektleiter Verkehrstechnik des kantonalen Tiefbauamts.

Seit dem Bundesbeschluss könne man beobachten, dass die Belastungsspitzen ausblieben. Der Verlauf über den Tag sei gleichmässiger und auf einem niedrigeren Niveau als sonst.

Am Zollamt in Diepoldsau sank der durchschnittliche Tagesverkehr im Vergleich zu 2019 um 40 Prozent, während in Heerbrugg an der Feuerwehrstrasse nur 17 Prozent weniger Autos passierten. Sowohl an der Stossstrasse in Altstätten als auch in Ruderbach, St.Margrethen, fahren täglich 20 Prozent weniger Kraftfahrzeuge. In der Schweiz sind Mobilität und Wirtschaft für den überwiegenden Teil der Luftschadstoffemissionen verantwortlich.

Der Vergleich vorher und nachher ist schwierig

«Die Verringerung der Aktivitäten wirkt sich unweigerlich auf die Emissionen und damit auch auf die Luftqualität aus», sagt Dominik Noger, Leiter der Sektion Luftqualität vom Amt für Umwelt des Kantons St.Gallen, «weil die verschiedenen Stick­oxidquellen nicht alle im gleichen Umfang durch den Lockdown betroffen sind, werden die Emissionen um einen geringeren Anteil als die Reduktion des Strassenverkehrs sinken.»

Die Entwicklung der Stickoxid­ausstösse, vor und nach dem Lockdown, schlagen sich allerdings auch aus anderen Gründen meistens nicht eins zu eins in den Immissionsverläufen nieder. «Das betrifft zum Beispiel Anreicherung, Abtransport und Verdünnung in der Atmosphäre durch Thermik und Wind oder durch chemische Prozesse, die die Schadstoffe verändern, beziehungsweise wieder aus der Luft entfernen», sagt Dominik Noger.

Durch diese Zusammenhänge könne die Luftqualität selbst bei gleichbleibenden Emissionen doch beträchtlich schwanken. Dies mache einen direkten zeitlichen Vorher/Nachher-Vergleich sehr schwierig.

Längerer Zeitraum ist entscheidend

Eine insgesamt bessere Luftqualität könne aus dieser Momentaufnahme nicht abgeleitet werden, betont Noger. So komme es bei der Stickoxidbelastung auf die Belastung über einen längeren Zeitraum an. Es sei fraglich, ob sich die aktuelle Verringerung auf den Jahreswert auswirken werde.

«Insgesamt hat sich die Luftqualität sicher etwas verbessert», sagt der Experte, «es ist aber nicht so, dass der Verkehr fast zum Erliegen gekommen ist – entsprechend gibt es nach wie vor auch einen Schadstoffausstoss.» Eine kurzfristige Senkung des Stickoxidausstosses habe keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Luftqualität. Langfristige Stickoxidreduktionen aufgrund besserer Technologie hingegen schon. «Mit dem Lockdown wird das Klimaproblem nicht gelöst, aber die reduzierte Mobilität und Produktion führen zu geringerem Schadstoffausstoss», sagt der Leiter Sektion Luftqualität.