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Die letzte Dorfmetzg schliesst

Ende März schliessen Lukas und Anita Zünd ihre Metzgerei an der Staatsstrasse. Vor über 30 Jahren hatte Lukas das Geschäft von Fritz Zünd übernommen, einem Cousin seines Vaters.
Kurt Latzer
Anita und Lukas Zünd freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt. Ab Montag, 1. April, bleibt der Laden an der Staatsstrasse 162 geschlossen. (Bild: Kurt Latzer)

Anita und Lukas Zünd freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt. Ab Montag, 1. April, bleibt der Laden an der Staatsstrasse 162 geschlossen. (Bild: Kurt Latzer)

In den Rheintaler Gemeinden gibt es immer weniger Dorfmetzgereien, abgesehen von denen der Grossverteiler. Nachdem Ende Jahr die Metzgerei Küttel in Berneck den Betrieb eingestellt, hatte, folgt nun Ende März die letzte Dorfmetzg in Oberriet. Dort geht zugleich eine fast 100- jährige Metzgerei-Zünd-Ära zu Ende. «1972 gab es im Ort drei Betriebe, die Metzgereien Baumgartner und Kretz. Als ich die Firma Mitte der 1980er-Jahre von Fritz Zünd übernahm, gab es nur noch unsere», sagt Lukas Zünd. Bis zur Übergabe an Fritz Zünd 1920 führte Gottlieb Gächter die Metzgerei im Unterdorf. Nach Zünds unerwarteten Tod übernahm sein Sohn, ebenfalls namens Fritz, die Metzgerei 1949 in Pacht, vier Jahre später als Käufer. Lukas Zünd war in dem Betrieb an der Staatsstrasse ebenfalls als Lehrling angestellt.

Weitermachen kein Thema, Investitionen zu gross

Der Oberrieter Metzger geht mit 62 Jahren in Pension, Ausschau nach einem Nachfolger hat er nie gehalten. Auch Sohn Marco übernehme das Geschäft nicht, obwohl auch er gelernter Metzger ist. «Er hat eine gute Anstellung. Zudem müsste man zu viel in den Betrieb investieren, das lohne sich nicht mehr. Ein Teil der Maschinen ist über 50 Jahre alt», sagt Lukas Zünd. Er sei in der glücklichen Lage, aufzuhören, solange er noch fit sei. Nun könnten seine Frau und er Dinge unternehmen, für die bisher die Zeit fehlte. Mit der Metzgerei, dem Laden und dem Partyservice habe man in der Hauptsaison teils vier bis fünf Wochen keinen freien Tag gehabt. «In unserem Geschäft kann man das Arbeitspensum nicht so ohne Weiteres auf 60 Prozent reduzieren», sagt der Metzgermeister.

Lehrmeister folgt dem ehemaligen Lehrling

«Im Sommer konnten wir weder wandern, noch Velo fahren oder sonst was unternehmen», sagt Zünd, «man hat halt von morgens um 5 bis abends um 18.30 Uhr in Metzgerei und Laden gestanden.» Als die Rede auf die Bernecker Metzgerei Küttel fällt, die Ende 2018 den Betrieb einstellte, lächelt Lukas Zünd und sagt: «Werner Küttel war mein erster Lehrling.» Das heisst, mit der Schliessung des Betriebes tut es der Meister dem Lehrling gleich. Die Freude auf den neuen Lebensabschnitt ist bestimmt gross – oder? Anita Zünd: «Er freut sich mehr als ich. Noch einmal vier Jahre mehr so arbeiten wollte ich aber auch nicht.» Für die Zeit nach der Schliessung haben die beiden keine Pläne geschmiedet. «Langweilig wird uns bestimmt nicht, wir lassen alles auf uns zukommen.»

Leute wollten immer weniger Fett

Ausser dem Konsumverhalten der Leute habe sich in den vergangenen 20 Jahren nicht viel geändert. «Die Kundschaft wollte immer weniger fettes Fleisch, mehr Poulet als anderes», sagt Lukas Zünd. Sich auf neue Produkte spezialisieren habe er sich nie müssen. «Unser grosser Vorteil war, dass wir selbst schlachten.» Er habe praktisch ausschliesslich Tiere aus der Gemeinde verarbeitet. So könne man anders rechnen und besser auf die Qualität achten. Und jammern zum Abschluss des Arbeitslebens wollen beide nicht. «Wir hatten gute Zeiten, dürfen uns nicht beklagen. Das haben wir auch der treuen Stammkundschaft zu verdanken», sagt Anita Zünd. Letzteren windet das Ehepaar ein grosses Kränzli. Bis Ende März sollte die Kundschaft die Gutscheine einlösen, ab Montag, 1. April, ist der Laden zu.

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