Die Krux mit dem Konsens

ALTSTÄTTEN. Dass das Städtli zur Begegnungsstadt weiterentwickelt werden soll, darüber ist man sich einig. Nicht aber über den Weg dahin. Ergebnis der zweiten Veranstaltung zur Altstadtentwicklung ist: Es wird weitere solcher Veranstaltungen brauchen.

Max Tinner
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Geschäftsinhaber, Gastronomen, Hauseigentümer und weitere Interessierte an einem Tisch. Gemeinsam will man die Zukunft der Altstadt aufgleisen. (Bild: Max Tinner)

Geschäftsinhaber, Gastronomen, Hauseigentümer und weitere Interessierte an einem Tisch. Gemeinsam will man die Zukunft der Altstadt aufgleisen. (Bild: Max Tinner)

Der Stadtrat wünscht sich ein belebtes Zentrum. Er will das Städtli als Ort der Begegnung und als Einkaufs- und Wohnort stärken und hat darum einen Prozess zur Entwicklung der Altstadt angestossen. Am Donnerstag fand im «Sonnen»-Saal eine zweite öffentliche Veranstaltung statt, die den Weg für das weitere Vorgehen ebnen sollte.

Überall die gleichen Probleme

Seit der ersten Veranstaltung im Mai und zwei Arbeitstreffen mit engagierten Hauseigentümern und Geschäftsinhabern im September hat eine Altstätter Delegation auch Rheinfelden, Lenzburg und Sursee besucht, drei in ihrer Grösse mit Altstätten vergleichbare Kleinstädte mit ebenfalls alten Stadtzentren. «Die Probleme sind überall ähnlich», stellte Stadtpräsident Ruedi Mattle fest, «eine Patentlösung, die man einfach übernehmen könnte, gibt es aber offenbar nicht.»

Als weiteres Beispiel zeigten Paul Hasler und Martin Beutler vom Beratungsbüro Netzwerk Altstadt Bilder von Lienz in Osttirol. Die Stadt ist von der Einwohnerzahl her vergleichbar. Sie liegt aber isolierter und hat darum ausgeprägter als Altstätten die Funktion eines regionalen Zentrums. Probleme stellten sich aber auch dort ähnliche. Nach langen Diskussionen wurde die Durchfahrt durch die Kernstadt stillgelegt und die Hauptgasse zur Fussgängerzone umgebaut.

Teil-autofrei als Pilotversuch

Dies wird es in Altstätten trotz verschiedener Vorstösse womöglich nicht so schnell geben. In den Gruppendiskussionen sprach sich nämlich eine Mehrheit der anwesenden Geschäftsinhaber und Liegenschafteneigentümer gegen eine autofreie Marktgasse aus. Allenfalls würde man sich für einen Pilotversuch auf dem Abschnitt beim «Frauenhof» durchringen. Damit gingen zwar Parkplätze verloren, wurde eingewandt, möglicherweise liesse sich so aber der reine Durchgangsverkehr durchs Städtli reduzieren.

Andere im Raum stehende Ideen kamen besser an. So könnte man sich vorstellen, aus den schönsten Ecken im Städtli noch mehr zu machen. Dabei denkt man an den Engelplatz. Oder auch an die Prestegg, wo sich manch einer neben dem Museum statt einer Bar ein Restaurant mit historischem Ambiente wünscht, eventuell sogar mit einem Kinderspielplatz im Museumspärkli.

Einig ist man sich, dass manch ein Altstadthaus renoviert werden müsste. Man wünscht sich dafür aber eine Lockerung der Bauvorschriften und mehr Entgegenkommen von Heimatschutz, Denkmalpflege und Ortsbildkommission, so dass einfacher ein zeitgemässes Wohnen ermöglicht werden kann.

Läden über mehrere Häuser

Mancher Geschäftsinhaber wünscht sich ausserdem grössere Verkaufsflächen. Die Rede war von Wanddurchbrüchen und Ladenflächen, die sich über mehrere Häuser erstrecken.

Stadtpräsident Ruedi Mattle dämpfte die Euphorie. Ein Investor für ein solches Vorhaben würde man sicher finden, meinte er, weniger wahrscheinlich sei, dass gerade drei, vier nebeneinander stehende Häuser gleichzeitig zum Verkauf stehen.

Ursprünglich hatte man damit gerechnet, dass nach der Veranstaltung von dieser Woche erste Massnahmen definiert sind, die bereits während der nächsten Monate hätten umgesetzt werden sollen. Ruedi Mattle zeigte sich ein wenig ernüchtert. Diese Massnahmen habe man noch nicht. «Über das Ziel sind wir uns – trotz der vielen Anspruchsgruppen – alle einig», stellte er fest, «nicht aber über den Weg dahin.» Es werde darum wohl noch weitere solcher Veranstaltungen geben, bis man zu einem Konsens findet.

Einen Burgfrieden schliessen

Das war im osttirolischen Lienz nicht anders. Dort reichten zwei Workshops auch nicht – 42 waren nötig, bis man soweit war. Paul Hasler ermunterte trotzdem zum Weitermachen: «Es geht darum, einen Burgfrieden zu schliessen.» Die Konkurrenz sei nicht im Städtli, sondern ausserhalb. Letztlich sei jeder Schritt mit Risiken behaftet; «macht man aber nichts, geschieht eben auch nichts».