Die Krise als Chance nutzen

Viele Firmen sorgen sich um die Zukunft. Es gibt aber auch solche wie WüTech und Kühnis Solutions, die jetzt investieren.

Max Tinner
Merken
Drucken
Teilen
Noch dieses Jahr soll der Neubau bezogen werden. Daniel Kühnis (links) von Kühnis Solutions und Christoph Wüst von WüTech wollen für den Aufschwung nach der Bewältigung der Coronakrise gerüstet sein.

Noch dieses Jahr soll der Neubau bezogen werden. Daniel Kühnis (links) von Kühnis Solutions und Christoph Wüst von WüTech wollen für den Aufschwung nach der Bewältigung der Coronakrise gerüstet sein.

Bild: Max Tinner

Es ist nicht so, dass die WüTech CNC-Fertigungstechnik AG und die Kühnis Solutions AG die ­Corona-Restriktionen nicht zu spüren bekämen. Im Gegenteil. Der WüTech wurden viele Aufträge storniert, mehrere der teuren CNC-Maschinen in der Halle stehen momentan still. Wie viele andere Unternehmen war auch die WüTech gezwungen, Kurzarbeit anzumelden. Der Kühnis Solutions AG wiederum ist bis auf Weiteres eines ihrer Hauptkundensegmente weggebrochen, nachdem der Bundesrat die Gastrobranche nahezu ganz stillgelegt hat (halt abge­sehen von Betrieben, die sich mit Take-away-Angeboten über Wasser zu halten versuchen).

Sich jetzt für den Start nach Corona gut positionieren

Beide Unternehmen nutzen die Zeit aber, um sich neu aufzustellen. Daniel Kühnis, der Inhaber der Kühnis Solutions, hat seine Angebotspalette um Produkte erweitert, die in der Zeit, bis Corona überstanden ist, besonders gefragt sind. Beispielsweise solche, die helfen, den Kundenfluss in Geschäften zu regulieren, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, oder Gesichtsschutzschilder, die Töffhelmvisieren ähneln und an­- stelle von Hygienemasken getragen werden können. «Wir wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen», sagt Kühnis mit Nachdruck. Die Sortimentsausweitung gleicht zwar den Verlust aus der Gastrosparte nicht vollständig aus. Dank der neuen Produkte können die Angestellten aber im bisherigen Pensum weiterbeschäftigt werden, ohne dass öffentliche Gelder aus Kurzarbeit beansprucht werden müssen.

Christoph Wüst, Gründer und Inhaber der WüTech, nutzt die Zeit, um momentan still­stehende Fertigungszentren zu warten und Verbesserungen an ihnen vorzunehmen. Es stehen allerdings nicht alle Maschinen still. Einzelne laufen praktisch rund um die Uhr, um Aufträge abzuarbeiten, die teils gerade wegen der Coronakrise hereingekommen sind. WüTech ist nämlich einer von vielen Zulieferern eines Herstellers von Beatmungsgeräten, die momentan weltweit gefragt sind. In diese werden auch Teile verbaut, die von der WüTech in Eichenwies gefertigt werden.

Diese zusätzlichen Aufträge kompensieren die von anderer Seite stornierten aber nicht vollständig. «Jetzt ist deshalb die richtige Zeit, sich strategisch neu aufzustellen», sagt Christoph Wüst, «wir wollen bereit sein, wenn die Wirtschaft wieder anläuft.»

Wüst hat deshalb die Bauarbeiten an der neuen Halle, die er direkt an die bestehende anbauen lässt, nicht gestoppt. Bedarf nach zusätzlicher Fläche bestand schon länger. Die heutige Fertigungshalle ist bis auf den hintersten und letzten Quadratmeter belegt. Und Christoph Wüst ist überzeugt, dass die neue Halle bald benötigt wird, nachdem die Coronakrise gemeistert ist.

Ein Neubau ermöglicht zwei Unternehmen, zu wachsen

Sich lediglich auf eine Werkhalle zu beschränken, schien Wüst aber nicht sinnvoll. Wenn schon gebaut wird, dann sollte das zulässige Volumen genutzt werden, dachte er sich und baut deshalb auf der Grundfläche von 720 Quadratmetern nicht nur ein-, sondern dreigeschossig. Nebst Arbeitsflächen im Erd- und ersten Obergeschoss entstehen im zweiten Obergeschoss ein Büro und eine Wohnung.

Einen Mieter für die Hälfte der nicht selbst benötigten Fläche im ersten Obergeschoss und für das Büro fand Christoph Wüst in Daniel Kühnis. Der laufende Sortimentsausbau während der letzten Jahre führte dazu, dass die heutigen Räume der Kühnis Solutions AG an der Bahnhofstrasse längst nicht mehr genügen und bereits zusätzliche Lagerflächen in Oberriet angemietet werden mussten. Im Neubau der WüTech führt Kühnis Lager und Büros wieder zusammen. Ausserdem bietet sich Gelegenheit, einen grossen Schauraum und eine Werkstatt einzurichten.

Mittlerweile sind die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten. Beziehen wollen die beiden Unternehmen ihre neuen Räume noch dieses Jahr.