«Die Kontrolle funktioniert nicht»

OBERRIET. Einwohner der Gemeinde Oberriet können ihre Grünabfälle im Ökoville gratis entsorgen. Doch das Angebot wird missbraucht. Der Gemeinderat hinterfragt die geltende Regelung und prüft die Einführung mengenabhängiger Gebühren.

Max Tinner
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Gefragte Gratisentsorgung: An schönen Samstagen herrscht im Ökoville Hochbetrieb. Diesen Sommer allerdings nur noch vormittags. (Archivbild: Max Tinner)

Gefragte Gratisentsorgung: An schönen Samstagen herrscht im Ökoville Hochbetrieb. Diesen Sommer allerdings nur noch vormittags. (Archivbild: Max Tinner)

Die Gemeinde Oberriet bietet ihren Einwohnern eine Grünabfuhr. Jedes Bündel und jeder Kübel, der an die Strasse gestellt wird, muss mit der nötigen Anzahl Gebührenmarken versehen werden, damit das Grüngut mitgenommen wird. Wenn sie die Grünabfälle aber selber zur Sammelstelle Ökoville bei der Kläranlage zwischen Eichenwies und Montlingen bringen, können Einwohner der Gemeinde Oberriet sie dort gratis entsorgen. Finanziert wird der Service aus den 50 Franken Grundgebühr, die pro Haushalt erhoben wird.

«Sicher bis von Rebstein»

Diese Quasi-gratis-Entsorgung nutzen viele Garteneigentümer gerne und dies in zunehmendem Masse. Wurden 2007 noch 1273 Tonnen im Ökoville entsorgt, waren es 2010 bereits 1619 Tonnen. Der Gemeinderat vermutet aber schon seit längerem, dass die günstige Entsorgungsmöglichkeit auch von Auswärtigen genutzt wird und zwar nicht nur aus den nächstliegenden Gemeinden: «Es kommen Leute sicher bis von Rebstein», sagt Gemeindepräsident Rolf Huber.

Bereits vor zwei Jahren hat der Gemeinderat darum strikte Kontrollen angeordnet. Jeder Haushalt in der Gemeinde hat einen Ausweis im Visitenkartenformat zugestellt bekommen, der beim Grüngutentsorgen im Ökoville vorzuweisen wäre. Manche Einwohner zeigten aber kein Verständnis für diese Kontrolle. Sie beschimpften das Personal der Rhy Biogas AG, die Betreiberin der Anlage ist, weil sie erwarteten, als regelmässige Ökoville-Besucher erkannt zu werden. Das ging so weit, dass kaum mehr jemand bereit war, die Ausweise zu kontrollieren. Mittlerweile hat die Rhy Biogas AG das Ökoville dem Entsorgungsunternehmen Georges Bleiker AG verpachtet.

Kosten nicht mehr gedeckt

Gelöst ist das Problem damit nicht. Auch letztes Jahr wurden im Ökoville 1650 Tonnen Grüngut entsorgt. «Die Kontrolle funktioniert nicht», stellte Gemeinderätin Helena Kobler an der Vorversammlung in Kobelwald fest. Bei solchen Mengen Grünabfall decken die Einnahmen aus der Grundgebühr die Kosten längst nicht mehr.

Mengengebühr wäre gerechter

Der Gemeinderat zieht nun die Notbremse. «Wir überlegen uns, wie wir's anders machen könnten», sagt Rolf Huber. Denkbar ist im Besonderen, auch für die Grüngutentsorgung im Ökoville mengenabhängige Gebühren zu erheben. «Diese Lösung wäre immerhin gerechter als die heutige, bei der für die Grüngutannahme im Ökoville auch mitbezahlt, wer den Service selber nicht nutzt», betont Huber. Entscheiden will der Gemeinderat noch vor den Sommerferien. Eingeführt würde eine allfällige Änderung auf 2014.

Neu samstags nur bis Mittag

Als problematisch hat der Oberrieter Gemeinderat auch die hobbygärtnerfreundlichen Öffnungszeiten des Ökoville erkannt. Bislang war dieses im Sommerhalbjahr auch samstagnachmittags geöffnet, wenn die Entsorgungshöfe im benachbarten Altstätten geschlossen sind. Der Gemeinderat erachtet dies als Grünabfalltourismus-förderlich und hat darum beschlossen, die Öffnungszeiten zu reduzieren. Diesen Sommer ist das Ökoville samstags nur noch am Vormittag offen.

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