Die Kiebitze fühlen sich wohl im Riet

Das obere und untere Schweizer Riet sind die beiden wichtigsten Brutgebiete für Kiebitze in Vorarlberg. Im österreichischen Bundesland leben über 100 Kiebitz-Paare – etwa genauso viele wie in der ganzen Schweiz.

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Ein Kiebitz-Küken auf einem Soja-Acker im südlichen Schweizer Riet. (Bild: Manfred Waldinger)

Ein Kiebitz-Küken auf einem Soja-Acker im südlichen Schweizer Riet. (Bild: Manfred Waldinger)

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, hundert Kiebitze aber vielleicht schon? Die charakteristisch schwarz-weiss gefärbten Vögel mit ihrer auffälligen Federholle scheinen jedenfalls keine Probleme mit dem verregneten Wonnemonat Mai gehabt zu haben. Früher fast ausschliesslich in Streuwiesen verbreitet, brüten die meisten Kiebitze in Vorarlberg heute in der Kulturlandschaft.

Mais-, Wintergetreide- und Zuckerrübenäcker haben es ihnen besonders angetan, vor allem dann, wenn sie vernässte Mulden und Senken aufweisen, in denen sich das Regenwasser ansammeln kann und nur langsam abläuft.

Unscheinbare Nester

Was dem Landwirt herbe Verluste bringt, gefällt dem Kiebitz. Auf solchen Äckern legt er gerne seine unscheinbaren Bodennester an. Rund vier Wochen dauert es, bis die hervorragend getarnten Küken aus den meist vier Eiern schlüpfen.

Vom ersten Lebenstag an können sie laufen und selbständig nach Nahrung suchen, werden vom Weibchen zunächst aber noch häufig «unter die Fittiche genommen» und so vor Nässe und Unterkühlung geschützt. Vor jeder möglichen Gefahr, egal ob Traktor, Fuchs, Greifvogel oder Krähe, warnen die Altvögel ihren Nachwuchs mit lauten, durchdringenden Rufen. Bis die Jungen fliegen können, dauert es etwa fünf bis sechs Wochen.

Über 100 Kiebitz-Paare konnten die Ornithologen Alwin Schönenberger, Jürgen Ulmer und Anne Puchta im Rahmen des Naturschutzbund-Projektes «Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg» in diesem Jahr in Vorarlberg zählen – etwa genauso viele, wie in der ganzen Schweiz beheimatet sind.

Rücksicht genommen

Das obere und untere Schweizer Riet sind die beiden wichtigsten Brutgebiete.

Nicht zuletzt der besonderen Rücksichtnahme der Bewirtschafter beim Bestellen der Äcker ist es zu verdanken, dass bereits ein grosser Teil der Jungvögel das flugfähige Alter erreicht hat. Aber auch jeder Einzelne kann einen Beitrag zu einem guten Bruterfolg des Kiebitzes leisten, indem er oder sie die Wege nicht verlässt und Hunde an die Leine nimmt. Denn voraussichtlich bis Mitte Juli dieses Jahres werden sich noch überall kleine Kiebitzküken auf den Äckern tummeln. Und Störungen können sich fatal auswirken. (pd)