«Die jungen Leute sind die Stars»

ALTSTÄTTEN. «Einander achten und schätzen»: Das ist der vierte Leitsatz der Altstätter Erklärung, den die ida-Arbeitsgruppe gestern zum Thema machte. In den Institutionen des Josefsheim ist dies Alltag. Gestern einmal bei nicht verschlossenen Türen.

Monika von der Linden
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Eileen Aigbe serviert einen frisch gemixtes Cocktail: «Heute sind wir hier im Jugendtreff die Gastgeber. Damit zeige ich Respekt.» (Bild: Monika von der Linden)

Eileen Aigbe serviert einen frisch gemixtes Cocktail: «Heute sind wir hier im Jugendtreff die Gastgeber. Damit zeige ich Respekt.» (Bild: Monika von der Linden)

Gestern schlossen die Türen des Josefsheims für einmal nicht um 17 Uhr. Um diese Zeit kehrte aussergewöhnlich viel Betriebsamkeit und Fröhlichkeit ins Haus ein. Während es sonst nur im Jugendtreff üblich ist zu feiern, war es diesmal so im ganzen Haus und auf dem Vorplatz. Die Altstätter ida-Arbeitsgruppe (interreligiöse Dialog- und Aktionswoche) hatte zum Begegnungsfest eingeladen. Alle Institution öffneten ihre Türen, stellten sich vor und zeigten Räume, die sonst der Diskretion dienen.

Das soziale Haus

«Das Josefsheim ist das soziale Haus in Altstätten», sagte Ruedi Gasser. Der Leiter der Jugendarbeit hatte zwar frei, wollte den ida-Anlass aber nicht versäumen. «Ich arbeite schon einige Jahre hier, war aber noch nie in allen Räumen. Ich finde es schön, dass es einmal einen geselligen Anlass gibt.» Die Initiative zu dem Begegnungsfest ergriff der Jugendtreff. «Wir sind ein wenig der Motor der ida-Woche, insofern, dass wir jedes Mal aktiv dabei sind.» Im Jugendtreff habe er sehr viel mit verschiedenen Religionen und Kulturen zu tun. «Uns ist eine offne Haltung wichtig. Jeder ist willkommen, der sich an die Hausordnung hält – als Besucher oder um aktiv mitzuarbeiten.» Vor zwei Jahren habe die Jugendarbeit Altstätten beim Respect-Camp mitgearbeitet und letztes Jahr einen Jugendaustausch mit Serbien begleitet.

Respekt und Gastfreundschaft

«Für mich sind die jungen Leute die Stars», sagte Jugendarbeiter Jürgen Kratzer. «Sie zollen den Gästen Respekt mit all den Projekten, die sie vorbereitet haben.» Ein Beispiel hierfür war die Kennidi-Bar im Jugendtreff: Hinter der Theke stand Eileen Aigbe und mixte einen Cocktail. «Ich habe schon einmal Cocktails gemacht», sagte die Vierzehnjährige. «Heute mache ich es an der ida-Woche, weil ich den Gästen damit Respekt zeigen kann.» Sie respektiere die Wünsche der Besucher und schenke ihnen ein Cocktail. «Wir möchten den Jugendlichen zeigen, es gibt auch leckere Getränke ohne Alkohol», sagte die gastfreundliche Barkeeperin.

Es gab weitere Projekte, die die Jugendlichen unter Anleitung ihrer Lehrkräfte für das Fest umsetzten. Sie zimmerten Gartenmöbel, präsentierten eine Diaschau und gestalteten künstlerische Objekte. Auf jeder Treppenstufe – auf dem Weg zu die übrigen Institutionen – notierten die Schülerinnen und Schüler ein Schlagwort. So gaben sie den Besucherinnen und Besuchern Denkanstösse für ein achtungsvolles Verhalten.

«Ich wünsche mir, dass Menschen verschiedener Kulturen im Dialog bleiben und einen gemeinsamen Nenner suchen. Man muss sich immer wieder gegenseitig abholen, auch wenn es Konflikte gibt», sagte Kratzer.

Respekt behalten

«Einander achten und schätzen». Das Motto des ida-Tages wird in den Beratungsstellen im Josefsheim täglich angewandt. «Es gilt, den Respekt für den Menschen gegenüber zu behalten, auch wenn es schwer wird», sagte Theres Affolter von den Sozialen Diensten Oberes Rheintal. «Zu uns kommen Menschen zur Beratung, wenn sie eigenes Einkommen haben. Im Sozialamt erhalten sie Geld zur Existenzsicherung», sagte Diego Malacrida (Stellvertretender Leiter).

«Stellen Sie sich vor, ein Kind versteht nicht, was seine Mutter sagt. Es ist dann nicht bockig sondern hat ein Problem mit der Kommunikation», sagte Daniela Ruess von der Logopädischen Vereinigung Oberrheintal. Anhand dieses Beispiels verdeutlichte die Logopädin, jeder Dialog sei wichtig für die Verständigung. Das gelte bei einem Kind, das sprechen lerne, und beim Dialog zwischen fremden Kulturen gleichermassen.

«Heute ist Tag des offenen Hauses. Da geben wir den Leuten gerne die Gelegenheit, unsere Räume anzuschauen», sagte Christoph Wild (Stellenleiter Suchtberatung Oberes Rheintal). «In der Sozialarbeit geht es – wie im interreligiösen Dialog – immer auch um Sinnfragen und Werte.»

Abschluss heute in St. Gallen

Den Abschluss der ida-Woche bildet die Kantonale Schlussveranstaltung «Interreligiöse Feier zum Eidgenössischen Bettag» auf dem Klosterplatz in St. Gallen. Sie findet heute Samstag, von 17.30 bis 19 Uhr statt zum Thema: «Ich höre Dein Gebet»