Die Hausaufgaben gemacht

Die Zünd Systemtechnik AG in Altstätten setzt nach dem Einbruch des Euro auf Währungsrabatte (rund 60 Prozent der Produkte werden in den Euroraum exportiert) und auf ihre starke Nischenpolitik.

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Oliver Zünd, Geschäftsführer Zünd Systemtechnik AG, präsentierte die Geschäftszahlen 2014 und formulierte klare Ziele für 2015. (Bild: Manfred Noger)

Oliver Zünd, Geschäftsführer Zünd Systemtechnik AG, präsentierte die Geschäftszahlen 2014 und formulierte klare Ziele für 2015. (Bild: Manfred Noger)

ALTSTÄTTEN. «Wir können das neue Jahr mit Optimismus und Gelassenheit angehen», so hatte Geschäftsführer Oliver Zünd seine Belegschaft in die Weihnachtsferien verabschiedet. Der Umsatz hat 2014 erstmals klar die 100-Millionen-Grenze überschritten. Inzwischen ist der Euro markant eingebrochen. «Optimismus und Gelassenheit sind rapide gesunken, aber sie sind immer noch vorhanden», konstatierte er beim Jahresessen Ende Januar.

Das Familienunternehmen mit weltweit 240 Mitarbeitenden verdient 95 von 100 Franken im Ausland. Im vergangenen Jahr wurden gut 60 Prozent seiner im Rheintal produzierten Anlagen in den Euroraum und 30 Prozent in den Dollarraum exportiert. «Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank machte die Zünd-Cutter im Ausland auf einen Schlag über 15 Prozent teurer», konstatierte Verwaltungsratspräsident Karl Zünd.

Sofortmassnahmen

Als Sofortmassnahme beschloss die Eigentümerfamilie, vorderhand auf einen erheblichen Teil der Gewinnmarge zu verzichten. Um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer ausländischen Vertretungen und Wiederverkäufer zu sichern, werden diesen, je nach Wechselkurs, grosszügige Währungsrabatte gewährt. Die wichtigsten Zulieferbetriebe hätten sich solidarisch gezeigt und seien ebenfalls zu Währungsrabatten bereit, sagte der Firmengründer und ergänzte: «Die Solidarität der Lieferpartner ist nicht selbstverständlich; sie ist das Resultat unseres jahrzehntelangen Bekenntnisses zur Region und zu unseren lokalen Zulieferbetrieben.» Und so forderte er auch die Belegschaft auf, die Dorfläden und örtlichen Betriebe zu berücksichtigen, um diese zu erhalten. Diese müssten ihrerseits die Importgüter vergünstigen, damit die regionalen Kunden zu ihnen stehen.

Zukunft aktiv mitgestalten

Verharre der Eurokurs deutlich unter 1.10 Franken, werde es für viele KMUs schwierig, aus der Schweiz zu exportieren. Karl Zünd ist trotzdem zuversichtlich: «Wir bewegen uns in Nischenmärkten, deren Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.» Und: «Durch den modularen Aufbau sind unsere Cutter sehr vielseitig einsetzbar. Auch können wir schneller und flexibler auf die sich stets ändernden Marktbedürfnisse reagieren als unsere Mitbewerber.» Es gelte nicht die Zukunft vorauszusagen, sondern diese aktiv mitzugestalten.

Klare Ziele

«Dazu brauchen wir als Fundament unsere Wurzeln und Werte, das wache Wissen und die Erfahrung, aber auch den Willen, dass wir auch dieses Währungsproblem meistern werden.» Die Zünd Systemtechnik hat sich für 2015 klare Ziele gesetzt: Mit der eigenen Softwarelösung konnte sie 2014 den Umsatz im Verpackungsmarkt um über 50 Prozent steigern. Nun wird Zünd auch im Ledermarkt ein Gesamtsystem mit eigener Softwarelösung lancieren. Die Zünd-Ledercutter kommen in der Automobil- und Polstermöbel-Branche, aber auch in der Schuhindustrie zum Einsatz. Noch ist das Unternehmen voll ausgelastet und nimmt im April zusätzliche Montageflächen von 1250 Quadratmetern in Betrieb – die Aufstockung des Minergie-P-Gebäudes ist im Bau.

Angesichts der sehr ungünstigen und schwankenden Wechselkurse wünscht sich Oliver Zünd vor allem Stabilität und Planungssicherheit. Seinen vorsichtigen Optimismus schöpft er aus der Bewältigung der letzten Wirtschaftskrise, als der Umsatz um 30 Prozent einbrach. Seit 2009 hat sich der Umsatz verdoppelt: «Wir haben unsere Hausaufgaben in der Vergangenheit gemacht und werden sie auch in Zukunft machen.» (js)

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