Die Grippewelle rollt wieder

Die Zahl der Grippepatienten steigt seit Wochen stark an. Fast alle Ostschweizer Kantone empfehlen eine Grippeimpfung. Die Impfung ist in diesem Winter aber weniger wirksam als in anderen Jahren.

Ruth Frischknecht
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ST. GALLEN. Seit zwei Wochen ist der Schwellenwert für eine Epidemie überschritten. Allein in der vergangenen Woche gab es in der Ostschweiz 329 grippebedingte Arztkonsultationen pro 100 000 Einwohner. Prognostiziert wird zudem, dass die Zahl der Erkrankten in den nächsten Wochen schweizweit noch weiter ansteigen wird. «Die Grippe dauert meistens etwa zwölf Wochen, mit einem Höhepunkt in der sechsten Woche», sagt der St. Galler Kantonsarzt Markus Betschart. Er schätzt, dass die Welle nun in der zweiten oder dritten Woche steht.

Impfung empfohlen

Die Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden empfehlen eine Impfung gegen die Grippe. Sie dient einerseits als Selbstschutz vor der Krankheit. Andererseits dient sie auch den Risikogruppen, weil es so weniger Ansteckungsmöglichkeiten gibt. Zu den Risikogruppen gehören Personen ab 64 Jahren, Schwangere, Säuglinge und chronisch Kranke. «Die Häufigkeit ist aber in der Altersklasse der 5- bis 14-Jährigen am höchsten – rund dreimal höher als in der Altersklasse der über 64-Jährigen», sagt Betschart.

Besonders nahegelegt wird eine Impfung nicht nur den Risikogruppen, sondern auch ihren Familienangehörigen sowie Personen aus Gesundheitsberufen. Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden beispielsweise führt eine Gratis-Impfaktion für Ärzte und Pflegepersonal durch. Dort lassen sich etwa zehn Prozent der Belegschaft impfen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann eine Impfung die Wahrscheinlichkeit eines Arztbesuches um 50 bis 60 Prozent verringern. Damit der Schutz optimal ist, erfolgt sie idealerweise vor Beginn der Grippesaison, also im Oktober oder November. Sie kann aber problemlos nachgeholt werden. Wer sich jetzt impft, ist aber nicht sofort geschützt, wie Kantonsarzt Betschart sagt. «Wenn man in den nächsten 14 Tagen angesteckt wird, nützt die Impfung wenig. Da die Grippewelle aber noch mehrere Wochen dauert, kann die Impfung nützen. Man weiss ja nicht, wann man angesteckt wird.» Wer geimpft ist und trotzdem angesteckt wird, hat laut WHO dennoch Vorteile: Die Krankheit heilt schneller ab, verläuft milder und führt seltener zu Komplikationen.

Dieses Jahr ist anders

Das Grippevirus kann sich vor oder während der Krankheitswelle verändern. Dann schützt die Impfung nicht mehr optimal vor der Krankheit. Laut WHO ist das dieses Jahr der Fall. Die Impfung senkt die Wahrscheinlichkeit einer Arztkonsultation nur um 23 Prozent.

Weil eine Grippe ähnliche Symptome verursacht wie eine Erkältung, werden diese Krankheiten häufig miteinander verwechselt. Allerdings beginnt die Grippe plötzlicher und verursacht heftigere Symptome als eine Erkältung. Die meisten Personen erholen sich gut von einer Grippe. Für die Risikogruppen kann sie gefährlich sein. Sie sind besonders anfällig für Komplikationen wie etwa Lungenentzündungen. Laut Bundesamt für Gesundheit müssen in der Schweiz jährlich bis zu 5000 Personen deswegen ins Spital. Bis zu 1500 sterben an der Grippe oder ihren Komplikationen.

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