«Die Gesundheit gebe ich weiter»

«Mit einer Spende kann ich drei Kindern helfen», sagt Peter Schaffhauser. Bis vor wenigen Wochen spendete er regelmässig Blutplättchen. Aus Altersgründen ist ihm das nun untersagt. Deshalb macht er Werbung für diese Art Spende.

Monika von der Linden
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«Ich bin gesund. Also kann ich die Gesundheit weitergeben», sagt Peter Schaffhauser. Er spendet seit Jahrzehnten Blut und bis vor Kurzem auch Blutplättchen (Thrombozyten). (Bild: Monika von der Linden)

«Ich bin gesund. Also kann ich die Gesundheit weitergeben», sagt Peter Schaffhauser. Er spendet seit Jahrzehnten Blut und bis vor Kurzem auch Blutplättchen (Thrombozyten). (Bild: Monika von der Linden)

AU. Ein schöner Sommernachmittag. Peter Schaffhauser lädt zu einer Tasse Kaffee ein. Ein fröhlicher Mann sitzt im Gartenrestaurant und berichtet von seinen Erfahrungen, die er als Blutspender gesammelt hat. Dabei blickt er auf 45 Jahre zurück. «Zum ersten Mal spendete ich in der Rekrutenschule Blut», sagt er. «Damals setzten die Vorgesetzten sanften Druck auf: Wer spendete, durfte einen Tag früher in die Ferien.»

Ebenso wie 1968 werden heute dringend Blutspender gesucht. Deshalb nutzte Peter Schaffhauser bisher jede Gelegenheit zur Blutspende. So kamen im Laufe der Jahre 282 zusammen. «Diese hohe Zahl kommt zustande, weil ich Vollblut und Thrombozyten spende.» Weil der Körper bei der Thrombozyten-Spende (siehe Kasten) stärker belastet wird, entspricht sie zwei Vollblutspenden.

Altersgrenze erreicht

«Nun bin ich 65 Jahre alt und darf keine Thrombozyten mehr spenden.» Dies sei eine internationale Verordnung zum Schutz des Spenders. «Mit zunehmenden Alter könne man vermehrt geschwächt reagieren. «Ein junger und gesunder Körper baut das Blut locker innerhalb von sechs Wochen wieder auf. Blut darf ich nach Absprache mit dem Arzt weiter spenden.»

Er habe nie gesundheitliche Einschränkungen gespürt. «Mein Arzt hat mich manchmal zurückgepfiffen, sonst wäre ich öfter als viermal im Jahr gegangen. «Mir ist immer wohl, ich fühle mich dort gut aufgehoben.» Gut aufgehoben ist er im regionalen Blutspendezentrum SRK im Kantonsspital St. Gallen. «Ich fahre dorthin, weil es zum Beispiel in Altstätten nicht die nötige Infrastruktur gibt.»

Die Thrombozyten sind drei Tage haltbar. Erhält ein Patient verdorbene Blutplättchen, kann er sterben.» Deshalb zählt Peter Schaffhauser zu den Spendern auf Abruf. «Ich vertrage die Spende gut und gehe aus Überzeugung regelmässig.» Es gebe so viele Patienten – vor allem Kinder – sagt er. Die fünf Stunden Zeit, die er pro Spende aufbringt, tun ihm nicht weh: «Für mich ist die Zeit gezahlt. Mein Arbeitgeber, die Grabher-Indosa Maschinenbau AG in Au, stellte mich immer frei.» Deshalb habe er nie absagen müssen. Wenn Schaffhauser für anderthalb Stunden an der Maschine angeschlossen ist, entspannt er sich. «Mir wird Blut mit wenig Plasma entnommen und in eine Zentrifuge geleitet. Darin werden die Plättchen separiert und das Blut in meinen Körper zurückgeführt.» In dieser Zeit denke er häufig an die Empfänger der Spende. Sie leiden entweder an Leukämie oder erhalten eine Chemotherapie. Er sei aber froh, ihnen nicht zu begegnen. Einmal sei ihm ein Patient vorgestellt worden: «Das ist Ihr Spender.» Diese Begegnung habe bei ihm ein beklemmendes Gefühl ausgelöst. «Ich bin gesund, der Patient ist auf meine Spende angewiesen. Ihm einmal in die Augen zu schauen, hat mir gereicht.» Er könne nach fünf Stunden normal weiterleben, sagt Schaffhauser. «Während der Empfänger längere Zeit an der Maschine liegt, muss er doch darüber nachdenken, wie lange ihm diese Spende wohl helfen wird.»

Selbstdisziplin ist nötig

Ein Spender auf Abruf zu sein, verlange hohe Eigenverantwortung. «Die Termine werden zwar ein bis drei Wochen im Voraus geplant, aber nach einer Reise in ein Risikoland (Malaria, Hepatitis) ist man für sechs Monate gesperrt.» Ihm falle dies nicht schwer. Während zwanzig Jahren sei er Buschauffeur gewesen. «Dort habe ich genug gesehen.» Der Kreis der möglichen Spender ist beschränkt. Wer Blutverdünner nehme oder sich nicht gesund fühle, sei ebenfalls ausgeschlossen. Weil Schaffhauser nun nicht mehr zu den Thrombozyten-Spendern zählt, ist es ihm ein Anliegen, mit seinen Erfahrungen eine Entscheidungsgrundlage für einen möglichen Spender zu geben. «Ich bin gesund und will diese Gesundheit weitergeben», sagt er.