Die Füsse oder den Kopf waschen

«Jesus hat seinen Jüngern die Füsse gewaschen und nicht den Kopf.» Dieses geflügelte Wort ist ein Kerngedanke vom Hohen Donnerstag.

Reinhard Paulzen Pfarreibeauftragter In Heerbrugg
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«Jesus hat seinen Jüngern die Füsse gewaschen und nicht den Kopf.» Dieses geflügelte Wort ist ein Kerngedanke vom Hohen Donnerstag. Für uns ist es manchmal umgekehrt: Wir sind schnell einmal der Meinung: «Dem gehört einmal gehörig der Kopf gewaschen!» Oder man beginnt sofort mit dem Kopfwaschen, ohne überhaupt nachzudenken Und handkehrum wissen wir, dass es manchmal nicht hilfreich sondern unangenehm ist, wenn uns der Kopf gewaschen wird.

Als Petrus vor dem letzten Abendmahl dann quasi ganz gewaschen werden will, da antwortet ihm Jesus: «Wer vom Bad kommt, ist ganz rein … Auch ihr seid rein.» In diesen Worten steckt der ganze Respekt, den Jesus – so wie hier – immer wieder den Menschen geschenkt hat, und die Würde, die er den Menschen entgegengebracht hat, selbst den Verachteten und Ausgegrenzten. Wenn ich alle Menschen mit so viel Respekt und Würde behandeln könnte, dann würde ich ihnen auch nicht so leicht den Kopf waschen.

Die Füsse waschen – das würden wir vielleicht heute «die Drecksarbeit» nennen, und wer will die schon gerne übernehmen? Aber genau das verlangt Jesus von seinen Freunden: «Wenn nun ich euch die Füsse gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füsse waschen.»

Wenn wir selbst zurückstecken, uns für andere klein machen, die Drecksarbeit machen, anderen «die Füsse waschen», dann fragen wir uns: Und was wird aus mir? Wo bleibe ich? Soll ich mich etwa kaputtmachen lassen?

Tatsächlich ist es ja genau das, was Jesus am Tag danach mit sich machen lässt. Er ist sich bis zum Äussersten treu geblieben, damit wir Menschen das Leben haben, wie wir Christen sagen. – Aber wir möchten doch beides miteinander in Einklang bringen: Wenn wir anderen die Drecksarbeit tun, dann möchten wir uns damit aber doch nicht kaputtmachen lassen. Eine Hilfe dafür hat Jesus seinen Freunden und Freundinnen am selben Abend und durch alle Jahrhunderte hinweg gegeben: Er gibt ihnen Brot und Wein als reale Zeichen für sein Leben. So bleibt er bei ihnen als reale Kraftquelle für Lebenskraft und Lebensmut, für Lebensfreude und Liebeskraft.

Dann wird Jesus verraten von seinem Freund Judas und in der Einsamkeit verlassen von seinen schlafenden Freunden im Garten Getsemani. Jesus hat die Tiefen teilen und miterleben müssen, bevor er den Himmel für uns aufschliessen konnte.

In keinem Leiden sind wir Menschen allein. In jedem Leiden ist Christus und ist so Gott selbst bei uns. Aber kein Leid der Welt wird das letzte Wort behalten.