Die Freaks in der Bike-Szene

Dieses Jahr nahmen sechs Rheintaler erstmals am fünf Rennen umfassenden Swiss-Cup der Downhill-Biker teil. Der Spass am Fahren ist der Antrieb, um die anspruchsvollen Strecken möglichst gut zu meistern. Dass die Einsteiger keine Anfänger sind, zeigten sie mit Plätzen im Mittelfeld.

Reto Wälter
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Sandro Ender aus Widnau mag es schnell. Der 15-Jährige wechselte vom normalen Mountainbike aufs Downhill-Bike, dass auch in schwierigstem Gelände hohe Geschwindigkeiten zulässt. (Bild: pd)

Sandro Ender aus Widnau mag es schnell. Der 15-Jährige wechselte vom normalen Mountainbike aufs Downhill-Bike, dass auch in schwierigstem Gelände hohe Geschwindigkeiten zulässt. (Bild: pd)

DOWNHILL-BIKE. «Von der Schwierigkeit her war Disentis das anspruchsvollste Rennen», sagt der 15-jährige Sandro Ender, der Benjamin der Gruppe. Die Piste sei extrem steil, überall mit Wurzeln bepackt, und mehrere Absprünge würden die Fahrer regelrecht in Steinfelder hineinkatapultieren. Zum Schluss wartet noch eine Rampe, bei der Sprünge um die 20 Meter keine Seltenheit sind.

Intensive Rennvorbereitung

Solche Downhill-Pisten kann nicht jeder fahren, und auch für geübte Downhill-Biker gehört es dazu, dass man sich vor dem Rennen intensiv mit der Piste auseinandersetzt. Die Streckenbesichtigung und mehrere Trainings gehören dazu. «Man prägt sich haargenau ein, wie man eine Passage fahren will. Verfehlt man die Linie, ist ein Sturz nicht selten die logische Folge», sagt Ender. Keine angenehme Sache, erreichen die Fahrer doch Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h. «Es ist schon so, dass Unfälle in unserer Sportart oft vorkommen», meint Sandro Ender, der ebenfalls schon Rippenprellungen und eine Hirnerschütterung davontrug.

Downhill-Biken ist sozusagen die extremste Spielart im Mountainbike-Sport. Durch den Durchbruch dieser Sportart in den 80er-Jahren wurden die Fahrräder technisch immer ausgeklügelter und auf die verschiedenen Disziplinen ausgerichtet. Das Downhill-Bike, überhaupt die Ausrüstung, hat nicht mehr viel zu tun mit den Gerätschaften, die ein Fahrer an Cross-Country-Rennen fährt oder mit denen ein Freizeit-Biker durch Wald und Wiesen fährt. Das Downhill-Bike ist mit einem Gewicht von rund 20 Kilo doppelt so schwer wie ein normales Bike und auf Extrem-Belastungen ausgelegt. Auch der Federweg von Gabel und Rahmen entsprechen mit 20 bis 25 Zentimetern dem Zweifachen eines Cross-Country-Fully.

Stehend fahren

Die Geometrie mit dem tiefen Schwerpunkt ist darauf ausgelegt, dass der Fahrer während des Rennens aufrecht steht. «So kann man aktiver agieren, ist beweglicher und kann aggressiver fahren», erklärt Sandro Ender.

Für einen Downhill-Biker ist Schnellkraft wichtig, um starke Schläge mit den Oberarmen abfangen zu können und auf ruhigen Passagen Tempo machen zu können. Lange Aufstiege wären schon allein von der Ausrüstung her nicht möglich: Die Fahrer tragen immer spezielle Schutzkleidung, wie Integralhelm, Brust-, Schulter-, Arm-, Genick, Rücken- und Beinprotektoren sowie verstärkte Hosen und Handschuhe. Entsprechend der materialintensiven Ausrüstung wird der individuelle Stil grossgeschrieben.

Eine eigene Szene

Da Downhill-Biker an ausgewählten Strecken trainieren und sich mit Tips und Tricks gegenseitig helfen, kennt man sich untereinander. Auch die sechs 15- bis 23-jährigen Rheintaler Peter Wettmer, Marco Schlegel, Raphael Heule, Pascal Schmid und Sandro Ender lernten sich an solchen Plätzen kennen. Dass sie ihre Maschinen beherrschen, zeigen die Klassierungen im Mittelfeld, die sie in ihrer ersten Saison an den einzelnen Rennen erreichten. Dabei unterscheiden sich auch die Rennen stark, vor allem was den Schwierigkeitsgrad betrifft. Zudem gibt es auch im Downhill Fahrer, die sehr professionell arbeiten und für Teams fahren und entsprechend trainieren.

Spass steht im Vordergrund

Die Rheintaler sind diesbezüglich als Einzelstarter unterwegs. Laut Ender wird die Zukunft zeigen, ob der eine oder andere sein Hobby etwas professioneller betreiben wird.

Klar ist, dass die sechs auch nächstes Jahr wieder am Swiss-Cup starten wollen und weiter miteinander trainieren. «Die Hauptsache ist der Spass am Fahren», sagt Sandro Ender, und diesbezüglich würden sie sich nicht von den Weltcup-Fahrern unterscheiden, denn: «Auch bei den Cracks steht der Fun-Faktor im Vordergrund.»

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