«Die Fortschritte genügen nicht»: Weshalb die SP unzufrieden mit dem Kinderbetreuungs-Angebot im Rheintal ist

Die SP fordert ein besseres Angebot der Kinderbetreuung im Rheintal. Ohne Willen der Gemeinden geht es aber nicht.

Hildegard Bickel
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Karin Hasler (links) und Michèle Zutter ziehen Zwischenbilanz, nachdem sie in der SP-Arbeitsgruppe mit Laura Bucher und Remo Maurer eine Kita-Offensive lancierten.

Karin Hasler (links) und Michèle Zutter ziehen Zwischenbilanz, nachdem sie in der SP-Arbeitsgruppe mit Laura Bucher und Remo Maurer eine Kita-Offensive lancierten.

Bild: hb

Eine Arbeitsgruppe der SP Rheintal beschäftigte sich letzten Herbst intensiv mit dem schulergänzenden Kinderbetreuungsangebot in den Gemeinden. Die Sozialdemokraten hofften, der Region Impulse geben zu können. Seither hat sich zwar einiges getan, doch die Fortschritte sind der SP-Gruppe noch zu wenig konkret.

In St.Margrethen etwa fehlt ein Schülerhort, manche Familien warten schon länger auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind, für Schüler ab acht Jahren und in den Schulferien gibt es keine Angebote. Die Gemeinde erkannte nach dem Informationsanlass der SP, dass sich die Bevölkerung ein verbessertes Angebot wünscht. Die neu geschaffene Fachstelle für Familie- und Gesellschaftsfragen erhielt den Auftrag, eine Analyse vorzunehmen und die Weiterentwicklung des Angebots anzugehen. Auch in Altstätten, Rheineck und Rebstein erörterte die Arbeitsgruppe der SP die Forderung nach flächendeckenden und bezahlbaren Betreuungsplätzen. Karin Hasler, SP-Präsidentin Rheintal, und Michèle Zutter, SP-Vorstand Thal-Rheineck, betonen, dass es den politischen Willen der Gemeinde braucht, wenn sich das Angebot der Kinderbetreuung verbessern soll. Sie verstehe Kinderbetreuung als Service public, sagt Karin Hasler. «Entsprechende Angebote sollten fester Bestandteil im Gemeindebudget sein.»

An der Einsicht fehlt es nicht

In Rebstein ist man sich bewusst, dass künftig ein Ausbau des schulergänzenden Betreuungsangebotes nötig wird. Doch habe die Frühförderung von Vorschulkindern bis anhin Priorität, damit die Kinder bei Schuleintritt eine grössere Chancengleichheit haben, sagt Gemeinderätin Gaby Hartert. Die Gemeinde beteiligt sich an einer Spielgruppe und übernimmt die Kosten der Rebster Kinder für einen Besuch pro Woche. Zudem wird ab Mai die Kita Freiland in Marbach ihren Betrieb aufnehmen. Rebsteiner Familien, die ihr Kind dort betreuen lassen, sollen von der Gemeinde finanziell und einkommensabhängig unterstützt werden. Allerdings muss zuvor das ent­sprechende Budget an der Bürgerversammlung im Frühling verabschiedet werden. Die Nachfrage nach weiteren Betreuungsplätzen für Klein- und Schulkinder würden zudem Tagesfamilien abdecken.

Die Gemeinde beruft sich damit auf das Betreuungsan­gebot von Privaten. Eigene Anstrengungen sind derzeit nicht vorgesehen, um das schulergänzende Angebot zu erweitern. Die Schule müsste mit diesem Anliegen auf die Gemeinde zukommen, sagt Gaby Hartert. Eine Aufbauarbeit wäre mit einem längeren Prozess verbunden. Sie nennt als Schwierigkeiten die dezentrale Lage der Schulhäuser und Kindergärten, die Suche nach geeigneten Lokalitäten und qualifiziertem Personal. Im Schulrat hat sich eine interne Arbeitsgruppe gebildet, die sich gemäss Schulratspräsident Roland Schönauer mit Fragen zu geeigneten Betreuungsange­boten befasst, besonders wie sich diese umsetzen und finanzieren lassen. Zu gegebener Zeit soll die Gemeinde für nächste Schritte eingebunden werden.

Das Beispiel zeigt, weshalb die Weiterentwicklung der Angebote nur zögerlich voranschreitet. Kantonsrätin Laura Bucher sagte bereits nach der Recherche zur Kita-Offensive letzten Herbst: «Das Problem liegt meist bei den Ressour­- cen und Zuständigkeiten zwischen Schul- und politischer Gemeinde.»

Mit Nachdruck mitgestalten

Michèle Zutter glaubt: «Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um in Kinderbetreuungsangebote zu investieren». Das zeige sich auch am Engagement des Kantons. Gemäss Gesetzesentwurf sollen im nächsten Jahr erstmals insgesamt fünf Millionen Franken für die Förderung und Vergünstigung von Betreuungsplätzen an die Gemeinden ausgeschüttet werden. Vorausgesetzt, eine Gemeinde engagiert sich für ein bestehendes Angebot.

Deshalb sei es entscheidend, sich einzubringen, sagen Michèle Zutter und Karin Hasler. Eltern sollen sich an Behörden wenden und ihre Bedürfnisse ausdrücken oder sich politisch engagieren, um Kinderbetreuungsprojekte aufzubauen. Es brauche die Erkenntnis, dass solche Angebote zu einer sich verändernden, modernen Gesellschaft gehören.