Die Ferien für Flüchtlinge geopfert

Es ist kalt, unfreundlich an diesem Dienstagmorgen in Gams. Vor der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Höfli dreht ein Flüchtlingskind mit dem Trottinett seine Runden, junge Männer rauchen Zigaretten neben der Eingangstür. Neugierige Schulkinder beobachten die Szene.

Remo Zollinger
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Mittagessen in der Notunterkunft Gams – Markus Ribi und der Zivilschutz im Einsatz. (Bilder: Seraina Hess)

Mittagessen in der Notunterkunft Gams – Markus Ribi und der Zivilschutz im Einsatz. (Bilder: Seraina Hess)

Es ist kalt, unfreundlich an diesem Dienstagmorgen in Gams. Vor der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Höfli dreht ein Flüchtlingskind mit dem Trottinett seine Runden, junge Männer rauchen Zigaretten neben der Eingangstür. Neugierige Schulkinder beobachten die Szene.

Arbeit im Dreischichtbetrieb

An die hundert Flüchtlinge finden in Gams für einige Tage Unterschlupf. In einem Schutzraum ohne Fenster und mit stickiger Luft verbringen sie ihre langen Tage. Glücklich über die Sicherheit, die sie hier erleben.

Rund um die Uhr betreut der Zivilschutz die Flüchtlinge in Gams, arbeitet im Dreischichtbetrieb.

Markus Ribi wirkt müde, abgekämpft vom Einsatz der vergangenen Tage. Ribi ist als Chef Schutz und Betreuung der Dreh- und Angelpunkt des Einsatzes. Er hat eine Ferienwoche geopfert, um den Einsatz gemeinsam mit Kommandant Robert Brocker zu leiten. Bei ihm laufen die Fäden zusammen; er kontrolliert den Bestand der Anlage, leitet die täglichen Vorbereitungen und Übergaben.

Eine kleine Gemeinschaft

Ribis Augen erzählen nicht nur von Müdigkeit, sondern auch von Elan, von Einsatzwille. Der Balgacher spricht auffällig oft von der «Gemeinschaft»; unterstreicht, dass in Notsituationen ja jeder von uns froh sei um Hilfe. «Wenn es einen Ernsteinsatz gibt, ist jeder von uns parat. Es ist schön, etwas bewirken zu können», sagt er. Hinter ihm beginnen die Zivilschützer mit dem Anrichten des Mittagessens, auch die Flüchtlinge legen Hand an und beteiligen sich am Schleppen der schweren Kisten. «Hier ist eine Art kleine Gemeinschaft zusammengewachsen.»

Dolmetscher brechen das Eis

Besonders froh waren die Zivilschützer um die Dolmetscher, die ihnen vom Staatssekretariat für Migration zur Verfügung gestellt wurden. Die Kommunikation ist trotz vorhandener Englischkenntnisse schwierig, sie schafften dem Problem Abhilfe. Seither hat sich vieles verändert, die Atmosphäre ist freundlich. «Das Bild, das man gemeinhin von Flüchtlingen hat, hat sich in der Realität nicht bestätigt», sagt Ribi.

Hinter der Garderobe hängt eine Holztafel mit der Aufschrift «Zum barmherzigen Samariter». Es ist wohl schon länger da als die Flüchtlinge und auch etwas gar kitschig, beschreibt die Situation in Gams aber trotzdem treffend. Dorfbewohner haben ganze Säcke voller Winterkleider vorbeigebracht.