Die erste Schoggi wieder geniessen

WIDNAU. Sie hat es geschafft und durchgehalten: Sandra Sieber aus Widnau hat während der Fastenzeit keine Schokolade und keinen Kuchen gegessen. Sie hat an der Aktion «40 Tage ohne» teilgenommen und erzählt, wie es ihr ergangen ist.

Monika von der Linden
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Sandra Sieber hat durchgehalten. Seit Aschermittwoch hat sie keine Schokolade mehr gegessen. Noch widersteht sie dem süssen Osterhasen. Schon morgen Ostersonntag wird sie ihn «schlachten» und ein erstes Stück auf ihrer Zunge zergehen lassen. (Bild: Monika von der Linden)

Sandra Sieber hat durchgehalten. Seit Aschermittwoch hat sie keine Schokolade mehr gegessen. Noch widersteht sie dem süssen Osterhasen. Schon morgen Ostersonntag wird sie ihn «schlachten» und ein erstes Stück auf ihrer Zunge zergehen lassen. (Bild: Monika von der Linden)

Sechs Wochen sind vergangen, seitdem Sandra Sieber in dieser Zeitung über ihren Vorsatz gesprochen hat, in der Fastenzeit auf Süssigkeiten zu verzichten. Sie ist eine von hundert teilnehmenden jungen Erwachsenen der kirchlichen Aktion «40 Tage ohne».

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es eine christliche Pflicht, zwischen Aschermittwoch und Ostern zu verzichten. Es war selbstverständlich, keine Süssigkeiten oder kein Fleisch zu essen. Schlicht gab es nicht genug. Heute ist es nicht mehr so. Versuchungen lauern überall, und es ist viel Durchhaltewillen nötig.

«Ich habe es geschafft»

Es interessiert uns, ob es Sandra Sieber gelungen und wie es ihr ergangen ist. «Ich habe es geschafft», sagt sie bei einem erneuten Treffen in der Karwoche. Sie erzählt sofort, wie sie der grössten Versuchung widerstanden hatte. Es war am zwanzigstem Geburtstag ihres Freundes. «Er bekam eine mega-feine Torte», sagt sie und korrigiert sich gleich: «Ich weiss nicht, ob sie fein war, aber sie war sehr schön gestaltet.» Die Geburtstagstorte des Autofans zierte ein Zuckergussbild eines Ferraris.

«Mein Freund fragte mich nur einmal, drängte mich aber nicht, zu kosten.» Die neunzehnjährige Widnauerin war bewusst nicht hungrig zum Fest gegangen. «Zu meinem Geburtstag wünsche ich mir auch so eine Torte.» Auf ihren Zwanzigsten wartet sie aber nicht, bis sie sich wieder etwas Süsses erlaubt. Morgen Ostersonntag ist ein Familienfest. «Den Osterhasen werde ich noch dort schlachten und das erste Stück Schokolade essen, es auf der Zunge zergehen lassen.»

Andere sind eingeknickt

«Ja, ich bin stolz, weil ich so durchgehalten habe, wie ich es mir vorgenommen hatte», sagt sie. Das gelang nicht allen, die sie zum Mitmachen animiert hatte. Eine Kollegin widerstand einem Stück Kuchen bereits am vierten Tag nicht mehr. Der Familie wurde die Zeit bis Ostern zu lang, sie knickte ein, und schon bald gab es am Mittag wieder das übliche Dessert. «Es wäre schön gewesen, hätten wir das Ziel gemeinsam erreicht», sagt Sandra Sieber. Sie hat sich allein durchgeboxt. «Ich bin der Verlockung aus dem Weg gegangen und habe den Familientisch vor dem Dessert verlassen, um es nicht mit ansehen zu müssen. Immer wenn die Lust auf Schoggi aufgekommen ist, hat sie etwas Sättigendes gegessen oder sich am Klavier oder beim Sport abgelenkt. «Dann habe ich nicht mehr daran denken müssen.»

Heisshunger auf Schoggi hat sie nicht gehabt, sie isst auch sonst nicht viel Süsses, geniesst lieber. Ganz auf Zucker zu verzichten hat die junge Frau nicht gewollt, um in der Leistung nicht abzufallen. Aber die Autoprüfung hat sie ohne den sonst bei Prüfungen bewährten Energieschub aus Traubenzucker bestanden und ihre Konzentration kurzfristig mit Kaffee erhöht.

Platz für gute Taten sollte der Verzicht auf Süsses bringen. «Ich habe bewusster als sonst nette kleine Gesten gezeigt und mich nicht hundertmal auffordern lassen, im Haushalt zu helfen.» Ausgenutzt hat das niemand in der Familie, aber anerkannt.

Es kommt auf das Ziel an

Sandra Sieber empfiehlt jedem, sich einmal selbst herauszufordern und im Verzicht zu üben. «Viele denken, es wäre ihnen nicht möglich. Man muss sich nur das Richtige aussuchen und ein erreichbares Ziel setzen», sagt sie. Es sei klar, dass es nicht funktioniere, vierzig Tage nicht zu rauchen. Aber jeder habe wohl eine Gewohnheit, gegen die es sich lohne, einmal anzukämpfen. «Vierzig Tage lang weniger fernzusehen ist auch ein Verzicht.» Ein Versuch sei es allemal wert. Selbst wer nach zwanzig Tagen abbreche, habe es solange geschafft.

Sandra Sieber weiss heute, das Fasten hilft ihr, ihre Persönlichkeit zu stärken. «Ich muss immer wieder Nein sagen und mich nicht überreden lassen.»

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