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Die Erschaffung des Adam

Nur ganz wenig passt zwischen Gott und Mensch. Die Bedeutung dieser Worte legt Jürgen Kaesler, Pfarreibeauftragter von Rüthi, zum Bild von Michelangelos «Die Erschaffung des Adam» aus.
Hände von Gott Vater und Adam – diese Bleistiftzeichnung vom Deckenfresko des Michelangelo zeigt, dass nur ganz wenig Platz ist zwischen Gott und Mensch. (Bild: pd)

Hände von Gott Vater und Adam – diese Bleistiftzeichnung vom Deckenfresko des Michelangelo zeigt, dass nur ganz wenig Platz ist zwischen Gott und Mensch. (Bild: pd)

Auf dem Deckenfresko von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom ist die Erschaffung Adams im Bild festgehalten. Wie wenig nur zwischen die Hand Gottes und die Hand Adams passt, beschäftigt Jürgen Kaesler, Pfarreibeauftragter in Rüthi: Die ausgestreckte Hand Gottes und die Hand des Menschen. Millimeter zwischen Gott und Mensch. Dieser Zwischenraum in Michelangelos Deckenfresko «Die Erschaffung des Adam» beschäftigt mich. Ein über 500 Jahre altes Bild geht noch immer um die Welt: «Die Erschaffung des Adam». Dieses weltberühmte Deckenfresko befindet sich in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan in Rom. Michelangelo hat es gemalt.

Fast eine Berührung

Gott und Adam in einiger Entfernung voneinander, und doch einander zugewandt: Von Angesicht zu Angesicht. Jeder streckt eine Hand nach der des anderen aus. Fast berühren sich die Zeigefinger. Doch sie berühren sich nur fast. Man meint, der zündende Funke müsste jeden Augenblick überspringen, die Berührung zustande kommen. Doch es bleibt ein kleiner Zwischenraum, ein winziger Abstand zwischen der ausgestreckten Hand Gottes und der Hand des Menschen: Nur Millimeter zwischen Gott und Mensch. Dieser Zwischenraum wirft Fragen auf: Warum berühren sie sich nicht, Gottes und des Menschen Finger? Haben sie die Berührung schon wieder gelöst? Will Gott das so, weil er uns ernst nimmt und mit einem ungeheuren Vorschuss an Vertrauen loslässt? Oder hat sich der Mensch selbst losgemacht? – Zwar erinnert er sich seines Schöpfers, aber die Freiheit ist ihm in den Kopf gestiegen. Gottes Nähe: Ja. Aber von ihm berührt werden: Eher nein. Vielleicht bedeutet diese Freiheit auch Nähe und Distanz zugleich.

Abstand kann Angst machen

Michelangelos Bild und der unheimlich-kleine Abstand zwischen der ausgestreckten Hand Gottes und der Hand des Menschen. Dieser Abstand kann Angst machen und die Ungewissheit schüren: Vielleicht ist es wahr, dass Gott für uns unerreichbar bleibt. Vielleicht nicht. Vielleicht ist auch alles anders (Martin Buber, Joseph Möller, Joseph Ratzinger). In diesem Abstand liegt aber auch unsere tiefe Sehnsucht nach Gott verborgen. Freigelassen, aber nicht verlassen. Michelangelo hat es selber kommentiert: «Gott hat uns nicht erschaffen, um uns zu verlassen». Es gibt einen, bei dem dieser unheimlich-kleine Abstand zu Gott hin weg ist: Es ist Jesus von Nazareth. Wenn ich mir vorstelle, die beiden wären abgebildet, dann würden sich ihre Hände und Finger berühren. Wahrscheinlich ist in dieser Gottes-Berührung Jesu Ausstrahlung und die Faszination begründet, die bis heute von ihm ausgeht. Jesu Worte und Taten, sein Schicksal lassen ahnen, was es heisst, von Gottes Hand berührt zu werden. Was passiert, wenn dieser kleine Abstand von beiden Seiten aus und in aller Freiheit geschlossen wird.

Jürgen Kaesler, Pfarreibeauftragter, Rüthi

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