Die Einheit in der Vielfalt suchen

Vor kurzem ist mir folgender Text von Hanns Dieter Hüsch begegnet – er hat mich recht nachdenklich gestimmt. Vielleicht geht es Ihnen ebenso, angesichts der politischen Grosswetterlage von Hetze, Mord und Terror im Namen der Religion und im Namen Gottes.

Armin Scheuter Pfarreibeauftragter In Balgach
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Im Zusammenleben ist es wie bei einem Puzzle: Verbindendes ist bedeutender als Trennendes. (Bild: depositphotos)

Im Zusammenleben ist es wie bei einem Puzzle: Verbindendes ist bedeutender als Trennendes. (Bild: depositphotos)

Vor kurzem ist mir folgender Text von Hanns Dieter Hüsch begegnet – er hat mich recht nachdenklich gestimmt.

Vielleicht geht es Ihnen ebenso, angesichts der politischen Grosswetterlage von Hetze, Mord und Terror im Namen der Religion und im Namen Gottes.

Der Text spricht am Ende von Grosszügigkeit, die letztlich im Heiligen Geist und in Gott wurzelt. Der theologische Begriff «Gnade» meint etwas Ähnliches. Wir leben in der Gnade Gottes – wir würden heute eher Güte sagen – und können deshalb auch gütig und tolerant sein, gerade gegenüber allem, was anders ist, als wir es kennen. Denn Gott hat dieses Vertrauen auch in uns.

Ein schönes Zeichen dafür durfte ich letzte Woche erleben:

Am Sonntag feierten wir in der römisch-katholischen Kirche in Balgach, im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen, einen wahrhaft ökumenischen Gottesdienst. Anwesend waren Vertreter der Christkatholiken, so auch ihr Bischof Harald Rein, sowie Vertreter der Evangelisch-reformierten, der Evangelisch-Methodistischen, der Baptistischen und der Neuapostolischen Kirche. Alle kamen zusammen im Sinne Jesu – der seinen Vater für die Glaubenden bittet, wie es im Johannesevangelium heisst: «damit sie alle eins seien […], damit die Welt glaube» (vgl. Joh. 17: 21). Der Gottesdienst wurde organisiert von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Ostschweiz und wird in über 70 Ländern gefeiert. Bei der Feier geht es darum, das Verbindende des Glaubens aller christlichen Konfessionen zu betonen.

Wenn man aus dieser Perspektive aufeinander zugeht, bemerkt man schnell, dass es alles Trennende an Bedeutung bei weitem übersteigt.

In allen Diskussionen über den Islam, denke ich, sollten wir diese Brille ebenfalls aufsetzen – schon allein darum, damit nicht Hass geschürt wird, sondern letztlich Vertrauen – auf dem jedes Zusammenleben in einer Gesellschaft aufbaut. Ständiger Argwohn schürt die Feindseligkeit und führt zu Ausgrenzung und zu einem Klima der Unterdrückung.

Hier das «Gebet» von Hüsch, aus dem Buch: «Ich stehe unter Gottes Schutz: Psalmen für Alletage»:

«Was den Heiligen Geist betrifft / Gott ist nicht leicht / Gott ist nicht schwer / Gott ist schwierig / Ist kompliziert, ist hochdifferenziert / Aber nicht schwer / Gott ist das Lachen nicht das Gelächter / Gott ist die Freude nicht die Schadenfreude / Das Vertrauen nicht das Misstrauen / Er gab uns den Sohn, um uns zu ertragen / Und er schickt seit Jahrtausenden / Den Heiligen Geist in die Welt / Dass wir zuversichtlich sind / Dass wir uns freuen / Dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut / Dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken / Und im Namen Gottes Kinder sind / In allen Teilen der Welt / Eins und einig sind / Und Phantasten dem Herrn werden / Von zartem Gemüt / Von fassungsloser Grosszügigkeit / Und von leichtem Geist / Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein / Was den Heiligen Geist betrifft / So wahr mir Gott helfe / Amen.»