«Die Ehre, dem Papst zu dienen, kann ich auch für mich empfinden»: Walzenhauser eifert Bruder nach und wird Schweizer Gardist

Eine Woche vor dem 21. Geburtstag fährt Claude Frei nach Rom. Der Walzenhauser schliesst sich der Päpstlichen Schweizergarde an.

Iris Oberle
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Ein sanfter Riese: Der Walzenhauser Claude Frei wird Schweizergardist.

Ein sanfter Riese: Der Walzenhauser Claude Frei wird Schweizergardist.

Bild: Iris Oberle

Im Herbst 2015 trat Yves Frei, Claudes grosser Bruder, in die Schweizergarde ein. Die 25 Monate in Rom prägten den heute 25-Jährigen, nie hat er diesen Schritt bereut. «Seit Yves in Rom war, habe ich daran gedacht, ebenfalls der Garde beizutreten», sagt der 1,95 Meter grosse junge Mann begeistert.

Mehrmals hatte er seinen Bruder in Italiens Hauptstadt besucht. Nach einer Schnupperreise im Oktober 2017, wo er und weitere Interessierte hinter die Kulissen des Vatikans schauen durften, verstärkte sich sein Wunsch. In der Rekrutenschule hatte er dann viel Zeit zum Nachdenken – und der Walzenhauser mit Rheintaler Wurzeln entschied, sich zu bewerben.

«Das Militär ist mir leichter gefallen, als ich erwartet hatte. Zudem ist das Timing perfekt.»

Grosse Unterstützung erhielt er sowohl von der Armee als auch von der ganzen Familie.

Es braucht viel, um ausgewählt zu werden

Um der Schweizergarde beizutreten, müssen viele Bedingungen erfüllt sein. Bewerber müssen männlich, zwischen 19 und 30 Jahre alt und bei Eintritt ledig sein. Zudem werden das Schweizer Bürgerrecht, gute Gesundheit und eine hohe Belastbarkeit vorausgesetzt. Eine abgeschlossene Berufslehre oder Matura, ein einwandfreier Leumund sowie eine abgeschlossene Rekrutenschule sind ebenfalls Pflicht.

Die wichtigste Voraussetzung ist aber wohl, dass jeder Schweizergardist praktizierender Katholik sein muss. All diese Kriterien erfüllt der gelernte Polymechaniker. So bekam er im November letzten Jahres einen positiven Entscheid.

Viel Vorfreude und Stolz kurz vor der Abreise

Auf die Frage, worauf er sich besonders freue, antwortet Claude Frei: «Ich war so stolz auf meinen Bruder, als er als Schweizergardist in Rom war. Die Ehre, dem Papst zu dienen, kann ich nun auch für mich empfinden. Zudem freue ich mich riesig auf die Kameradschaft mit meinen neuen Kollegen, auf die Stadt, ihre Kultur, die Sprache und die Lebenserfahrung, die ich sammeln werde. Am aufregendsten wird aber natürlich sein, den Papst persönlich kennen zu lernen.»

Von seinem Bruder wisse er, dass die Gardisten dem Heiligen Vater sehr nah kommen. Claude Frei kann die Momente, dieses Glück mit Menschen aus der ganzen Welt zu teilen, kaum erwarten. Der katholische Glaube wurde in Claude Freis Familie schon immer gross geschrieben, als aktiver Ministrant praktiziere er diesen noch immer.

Auf die grosse Reise vorbereitet

Noch während der RS durfte der angehende Schweizergardist einmal wöchentlich frei nehmen, um Italienisch zu lernen. Um sich schnell zurecht zu finden, lehrt ihn sein grosser Bruder seit einiger Zeit Grundwissen und die Gepflogenheiten in den heiligen Wänden. Vorgesehen war der Eintritt für September. Kürzlich erhielt Claude Frei dann einen Anruf, dass ein Platz im Zwischenstart Ende Mai – zusammen mit vier weiteren – frei geworden sei. Sein Bruder riet ihm, gleich zu gehen.

«Das ist eine tolle Ausgangslage. Wir werden in dieser kleinen Gruppe viel mehr von der Einführung profitieren.» Eigentlich war vorgesehen, dass er nach der Ausbildung zum Unteroffizier den Grad des Hauptfeldweibels erwerben sollte.

«Die Vorgesetzten im Militär begrüssten meinen Entscheid, früher nach Rom zu fahren. Sie boten mir an, nach meiner Rückkehr den Dienst fortzuführen, wenn ich das wolle.»

Dass er den Papst notfalls mit seinem Leben bewachen muss, bereitet dem sanften Riesen keinen Kummer. Sorgen macht ihm höchstens der Abschied von Familie und Freunden. Gern hätte er noch eine kleine Abschiedsfeier gemacht, diese fällt wegen Corona aber ins Wasser. Bestimmt wird es jedoch ein Willkommensfest geben – in frühestens 26 Monaten.