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Die Dampflok und der grosse Lupf

Die alte Dampflok ist revisionsbedürftig. Am Montag wurde sie auf einen Lastwagen gehoben und Richtung Thüringen abtransportiert. Ein grosser Moment für die Männer, die fürs Rheinbähnle ihr Herzblut geben.
Kurt Latzer

Es ist ein nebliger Montagmorgen. Längst stehen die Bernecker Reto Segmüller und Hansjörg Lässig sowie Claude Baltes und Jürgen Piuk bei «ihrer» Lok. Die 108-Jährige Dampflok St. Gallen-Widnau steht etwas abseits des Haupteingangs zum Museum Rheinschauen.

Das «Widnau» hat die Lok bekommen, als sie in den 1990er-Jahren aus dem Ruhestand hinter dem Widnauer Rathaus geholt wurde. Dort stand das Stück Rheintaler Geschichte mehrere Jahre als Erinnerung an die Zähmung des Grenzflusses und den Bau des Binnenkanals.

Jahrzehntelange Erfahrung versammelt

Der Verein Rheinbähnle – auf Schweizer Seite Rhybähnli genannt – zählt zurzeit acht Dampflokführer. Sechs Schweizer, einen Vorarlberger und ein Luxemburger, der in Lauterach wohnt. Hansjörg Lässig ist als Copräsident und Kassier für den finanziellen Teil der Lokrevision verantwortlich, Reto Segmüller, Leiter Fahrbetrieb und Ausbildung, sowie Jürgen Piuk, Verantwortlicher für die Elektrik, für den Verlad der 108-Jährigen.

Eine weitere wichtige Aufgabe übernimmt Gesamtbetriebsleiter Claude Baltes. Er kann nicht nur Loks fahren, er verfügt auch über eine jahrzehntelange Erfahrung mit Dampfloks.

Huckepack nach Meiningen in Thüringen

Wer sich mit den Dampf-, E-, und Diesellokführern des Rhybähnli unterhält, spürt die Leidenschaft der Männer. Keine Sekunde lassen sie die kleine zweiachsige Dampflokomotive beim Verlad aus den Augen. Gegen 9 Uhr hebt ein Autokran die Lok aus den Schienen, «11,6 Tonnen», ruft der Chauffeur. Kein Problem für den Auflieger des Lastwagens, der sich langsam unter die «St. Gallen-Widnau» schiebt.

Immer mehr Zaungäste treffen beim Rheinbähnle-Werkhof ein. Auch ein Team des österreichischen Fernsehens mischt sich unter die Schaulustigen. Macht Aufnahmen und führt ein Interview mit Claude Baltes. Er begleitet die Lok in die Werkstatt nach Thüringen. Von den Fachleuten in einer der letzten Firmen in Deutschland, die auf Dampfloks bauen und revidieren können, bekommt die 108-Jährige unter anderem neue Kesselrohre und neue Radkränze. «Über 350 Einsätze in den vergangenen knapp 20 Jahren haben den Rohren zugesetzt», sagt Hansjörg Lässig. Drei Rohre habe man bereits reparieren müssen. Ohne die Revision folgten weitere Reparaturen im Kessel.

Revision kostet 160000 Euro

Rechtzeitig zu Saisonbeginn 2019 erwarten die Eisenbahner aus Leidenschaft ihre Dampflok zurück. «Wir gehen davon aus, dass sie kommenden März wieder bei uns ist», sagt Claude Baltes. Dann kann sie den Dienst mit ihrer Partnerin, der Dampflok Maffei, wieder aufnehmen. Günstig sind die Arbeiten an dem Stahlross mit einer Spurweite von 750 Millimetern nicht. Der Vereinsvorstand rechnet mit Kosten von 160000 Euro. «Das können wir grösstenteils aus den seit 1999 gebildeten Rückstellungen finanzieren», sagt Hansjörg Lässig.

Museumsbahn mit Zukunft?

Seit Ende April 1999 ist die schwarz-grüne Dampflok im Einsatz. Seither hat sie in ihrem zweiten Leben Personenwaggons über 5000 Kilometer weit gezogen. «Die Lok ‹St. Gallen-Widnau› hat die Kraft von 90 Pferden», sagt Claude Baltes. Diese Leistung reiche aus, um Steinzüge mit 150 bis 200 Tonnen Gewicht zu ziehen. Bis zu dreimal täglich hat sie während der Rheinregulierung solche Lasten in Richtung Rheinmündung transportiert. Drei Fahrten ergeben 600 Tonnen Gesamtgewicht. Etwa 21 Lastwagen wären nötig, wollte man dieselbe Menge Stein transportieren. Mit Rückweg gerechnet ergäbe dies 42 Lastwagenfuhren.

Weil die zunehmenden Schwertransporte auf der Strasse vielen Leuten sauer aufstossen – dies vor allem auf Vorarlberger Seite – ist nicht ausgeschlossen, die Dienstbahn bei der Umsetzung des Projekts Rhesi (Rhein, Erholung und Sicherheit) zu reaktivieren.

In dem Fall bräuchte man neue Gleise und neues Rollmaterial. Denn die Loren, die bis in den 1970er-Jahren im Einsatz waren, sind für grössere Transporte nicht mehr brauchbar. «Für uns wäre die Wiederinbetriebnahme des Rheinbähnle als Dienstbahn ein Glücksfall», sagt Hansjörg Lässig. Neues Schienen- und Rollmaterial sichere die Zukunft der Museumsbahn zusätzlich. Die beiden Dampfloks, die «Maffei» und die «St. Gallen-Widnau», würden bei einer neuen Dienstbahn keine Steine mehr schleppen. Denn dafür sind diese Kulturgüter zu kostbar.

Der Verein Rheinbähnle zählt heute rund 250 Mitglieder, 52 davon sind als Aktive aufgelistet. Im Betrieb der Museumsbahn sind etwa 20 Mitglieder aktiv, davon acht Lokführer. (kla)

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