Die Coole mit dem Colt - Nachwuchshoffnung des Schützenvereins St.Margrethen

Die 16-jährige St. Margretherin Nicole Messmer ist eine Nachwuchshoffnung von Swiss Shooting. Im letzten Jahr wurde die Juniorin Schweizer Meisterin, an der Ostschweizer Meisterschaft reichte es kürzlich zu Bronze. Ihr Glanzstück lieferte sie aber in Pilsen.

Yves Solenthaler
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Nicole Messmer vom Schützenverein St. Margrethen gehört in ihrer Altersklasse zu den besten Pistolenschützinnen und -schützen der Schweiz. (Bild: Yves Solenthaler)

Nicole Messmer vom Schützenverein St. Margrethen gehört in ihrer Altersklasse zu den besten Pistolenschützinnen und -schützen der Schweiz. (Bild: Yves Solenthaler)

Zum zweiten Mal nahm Nicole Messmer vor ein paar Wochen in Tschechien an einem internationalen Wettkampf teil. Den Schützenstand in Pilsen kannte Messmer noch vom letzten Jahr. Er behagt ihr, das erkannte sie schon damals.

Unerschrocken schoss sie in der Qualifikation Seite an Seite mit unbekannten und mehrheitlich starken Konkurrenten. «561 Punkte», nennt ihr Trainer Josef Kläger schwärmerisch die Ausbeute, «im Training schoss Nicole jeweils so 548, 549 Punkte.» Mehr als zehn Punkte mehr. Das hat sogar Kläger verblüfft, der schon lange weiss, dass Nicole Messmer ein Wettkampftyp ist.

«Andere lassen im Wettkampf wegen der Nervenbelastung nach», sagt Kläger, «Nicole Messmer steigert sich aber, wenn sie unter Druck steht.»

Sportschule in Teufen

Im Final von Pilsen, sagt die Athletin, habe sie Fehler gemacht und sei vom zweiten auf den fünften Platz zurückgefallen. «Das war immer noch ein sehr guter Wettkampf», berichtet Kläger vom selben Anlass.

«Nicole Messmer möchte etwas erreichen», sagt Kläger. Seit letztem Sommer absolviert sie das KV auf der Gemeinde Marbach. Das Jahr zuvor, die 3. Sek, hatte Messmer an der Sportlerschule in Teufen verbracht. «Dort habe ich wahnsinnig profitiert», sagt Messmer. Nun muss sie sich besser organisieren, damit sie dreimal pro Woche im Schiesskeller trainieren kann. Mindestens einmal schiesst sie in St. Margrethen in der Kaverne beim Steinbruch.

Einmal steht Kadertraining in Filzbach auf dem Programm. Dort ist wieder Josef Kläger Nicole Messmers Trainer – der erfahrene Pistolenschütze, der Messmer seit ihren Anfängen vor fünfeinhalb Jahren betreut, ist Nachwuchs-Nationalcoach.

Zwei Trainer

Zu Messmers Programm als Kaderathletin gehören sechs Wochenenden und zweimal eine Woche Intensivtraining in Magg­lingen. Dort schult Claudia Loher die Schweizer Pistolenelite – auch die Thalerin kennt Nicole Messmer fast seit ihren Anfängen im Schützenverein St. Margrethen.

«Beide Trainer haben eine grosse Bedeutung für mich», sagt Messmer, «ich weiss nicht, ob ich das Pistolenschiessen ohne sie durchgezogen hätte.» Nicole Messmer fing mit Pistolenschiessen an, weil ihr Götti sie mitgenommen hatte.

Sie war früh ziemlich gut, gleichaltrige Gspänli im Verein hatte sie nie. Michelle Messmer, Nicoles um fünf Jahre ältere Schwester, fing zwischenzeitlich mit dem Schiessen an. Die Unterstützung der Familie und der Kolleginnen ist der Schützin wichtig. «Ich habe nur wenig Zeit für die Kolleginnen, geniesse diese dann aber umso mehr», sagt sie.

2018 war das bisher beste Jahr der St. Margretherin. Erstmals gewann die viermalige Siegerin des Nachwuchswettkampfs St. Galler Bär die Goldmedaille an der Schweizer Meisterschaft (25 m). Vor einer Woche in Ebnat-Kappel war es Bronze an der Ostschweizer 10-m-Meisterschaft.

Messmer kann mehr, für Trainer Kläger war ihr Wettkampf dennoch in Ordnung: «Sie hat die Vorgaben umgesetzt. Das war in diesem Wettkampf wichtiger als das Resultat.» Strenger urteile er dann an der St. Galler Meisterschaft vom 24. Februar:

«Eine Woche vor der Schweizer Meisterschaft ist das eine wichtige Standortbestimmung.»

Das wichtigste Ziel sind Erfolge im nationalen Championat. Aber Kläger gibt zu bedenken, dass Nicole Messmer zwei Lehren auf einmal absolviere – auf beruflicher wie auf sportlicher Ebene.

«Leistungsschwankungen sind normal, wichtig ist, dass es tendenziell stetig aufwärts geht.»

Aufwärts – am liebsten bis an die Olympischen Spiele. «Aber dafür brauche ich noch viel Zeit», sagt Nicole Messmer. Ihre nächsten vorgesehenen Entwicklungsschritte sind: «Medaillen an Schweizer Meisterschaften, Po­destplätze an internationalen Wettkämpfen – und dann mal eine Quali für eine Jugend-EM oder -WM.»