Die «Christbaumreligion»

Der Weihnachtsbaum hat ja eine farbige Geschichte und ist noch immer Objekt von Historikern und andern Zeitengrüblern. Schon im vorchristlichen Rom wurden hin und wieder an Festen Bäume geschmückt.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Ein Kandidat oder lieber eine Nordmanntanne? (Bild: Urs Stieger)

Ein Kandidat oder lieber eine Nordmanntanne? (Bild: Urs Stieger)

Der Weihnachtsbaum hat ja eine farbige Geschichte und ist noch immer Objekt von Historikern und andern Zeitengrüblern. Schon im vorchristlichen Rom wurden hin und wieder an Festen Bäume geschmückt. Vielleicht sind ja auch die Paradiesspiele, die es vor bald 1000 Jahren in Kirchen gab um die Weihnachtszeit, der Zünder gewesen für das, was bei uns «Chrischtbomm» heisst und alleine in Europa ein Geschäft mit Milliardenumsatz ist. Nicht für Weihnachtsgeschenke, für Weihnachtsbäume!

Schöne Weihnachtsbäume waren selten zur Zeit im 19. Jahrhundert, als der Brauch wieder boomte. – Die meisten Bürger konnten sich nur ein paar Tannenzweige leisten, die über der Tür aufgehängt wurden. Ein alter Brauch, vorchristlich, um die bösen Geister abzuhalten.

Da von katholischer Seite damals der Weihnachtsbaum abgelehnt wurde, da er von der wahren Qualität von Weihnachten ablenke, wurden die ihn favorisierenden Protestanten als «Weihnachtsbaumprotestanten» gelästert, um kurz darauf auch in katholischen Kirchen und Privathäusern ebensolche Bäume aufzupflanzen.

Dabei war ein Baum, denkt man an die durch Raubbau zerstörten Wälder, ein kostbares Gut, zu deren Schutz halbe Armeen in Wald und Flur geschickt wurden. Was ich versäumt habe – wurden mir doch kurz vor Weihnachten zwei frisch gepflanzte, schönwüchsige Eiben aus dem Garten geklaut. Hoffentlich hat der Dieb die Eibenbeeren mit «Chrischtbommschöggeli» verwechselt. Schande über ihn!

Wer hin und wieder Weihnachtsgeschichten gelesen oder erzählt bekommen hat, wird immer wieder auf die Stelle treffen, wo der Vater mit Axt und Säge in den Wald geht, um einen Christbaum zu holen. Das Bild hat mich mein ganzes Leben begleitet. Inzwischen stauen sich die Fahrzeugkolonnen von den nahen Christbaumkulturen bis zu unserm Haus: Die Ortsgemeinde gibt Bäume ab, frisch, fachmännisch geschnitten und verpackt. Für manche sind Weihnachtsbäume wahre Prestigeobjekte, für andere genügen chinesische Kunstbäume aus PVC mit Beleuchtung, garantiert feuerfest und praktisch, wenn möglich mit Drehvorrichtung und Musik, wahlweise «Stille Nacht» oder «In München steht ein Hofbräuhaus»(!). Falls es doch ein Echter sein soll und man keinen Besen haben will (mit trockenen Weihnachtsbäumen wurden Kamine geputzt): Soll man ihn einstellen, anwärmen, düngen, schattieren oder föhnen oder doch besser mit Wurzeln kaufen oder – siehe oben – im Wald «holen»? Wenige Momente gibt es im Jahr, wo sich der Durchschnittsbürger so mit gärtnerischen und ästhetischen Problemen herumschlägt wie mit dem idealen «Chrischtbomm».

Ein passendes Geschenk dazu wäre der Christbaumnadelstaubsaugerroboter mit Spezialbürste und Tannenduftzerstäuber.

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