Die Bühne des Lebens

Die Jung Fidelen machen am kommenden Freitag auf der Rebsteiner Birkenau Stimmung am Pokalturnier. Sie sind rockiger, aber dennoch lassen sie die ganz besondere Geschichte der Mölltaler aufleben.

Andrea Kobler
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REBSTEIN. Die Rebsteiner Kilbi vor zwei Jahren: Musiker der JF (Jung Fidelen) sitzen mit Fussballern des FCR am Tisch. Bildchen des Pokalturniers werden herumgereicht. Die Jung Fidelen sind sofort begeistert. Später erfahren sie, dass bereits Michael und Manuels Vater sowie Mathias' Onkel «Huby» auf der Birkenau musizierten. «Huby» ist «der Kopf» der Mölltaler, die für unvergessliche Zeiten am Rebsteiner Fussballfest sorgten.

Die Jung Fidelen sind sehr bestrebt, ihren eigenen Musikstil zu präsentieren und möchten aus diesem Grund auch nur «JF» genannt werden. «Der Bezug zur Volksmusik, zur Mölltaler Musik, ist aber noch zu hören und zu sehen. Dies vor allem aufgrund der Steirischen Harmonika im modernen Sound und anderen volkstümlichen Instrumenten – sowie wegen der Original-Lederhose von Huby Mayer, in der Manuel auftritt», erzählt Michael.

Auf dem Karrierehöhepunkt

An jenem legendären 7. August vor 33 Jahren war es dieser Huby Mayer, der um 19.20 Uhr Richtung Birkenau lief – als Erster der Mölltaler, die wenig später ihren Auftritt haben sollten – eine beinahe unglaubliche Geschichte.

Der Frühling 1983 gehörte zu den schlechteren im FC Rebstein. 14 Tage nach dem Musiktag wurde das Frühlingsfest organisiert. 100 Gäste – 10 000 Franken Verlust. Der inzwischen verstorbene Stefan Mutzner, der kurz zuvor sein Präsidentenamt an Otto Graf abgegeben hatte, haderte mit dem hohen Verlust. Er reiste den Mölltalern nach. Am 7. August hatten diese noch keinen Auftritt im Kalender, und er wollte sie unbedingt für ein Spezial-Gastspiel nach Rebstein holen. Für 4000 Franken. Die Mölltaler kosteten zu jenem Zeitpunkt mehr als das Doppelte und befanden sich auf dem Karrierehöhepunkt.

Schunkeln auf den Bänken

So fanden sich am 7. August bereits am Nachmittag um 15 Uhr die ersten Fans aus dem Kanton Neuenburg ein. Drei Stunden später waren 200 Fans versammelt – nur niemand vom Fussballclub. Als diese eintrafen, wurden sie nervös. Denn die Musik hatte ihren Weg nach Rebstein noch nicht gefunden – und Stefan Mutzner suchte nach dem Vertrag, der nicht auffindbar war.

Schliesslich trafen die weiteren vier Mitglieder der Mölltaler eine Viertelstunde nach dem eigentlichen Konzertbeginn ein. Die Fans halfen, die Anlage aufzubauen – und die Ränge füllten sich immer mehr. «Mein Herz ging siebenmal so schnell wie normal», erinnert sich FC-Rebstein-Ehrenpräsident Otto Graf.

Ins 1100 Plätze zählende Zelt pferchten sich schliesslich 1500 Personen. Die Mölltaler spielten zwei Minuten und alle standen auf den Bänken. Und irgendwann, zu später Stunde, so heisst es heute, sei der «Sonnenbräu» der Bier-Vorrat ausgegangen. Der FC machte mit den Mölltalern den Verlust des Frühlingsfestes an einem Abend wieder wett – und der Vertrag liess sich vier Monate später auch wieder finden.

Vorfreude auf super Stimmung

33 Jahre später gibt es nur noch wenige Bänke auf dem Festareal des Pokalturniers. «Doch wir sind überzeugt, dass die JF eine gewaltige Feststimmung auf die Birkenau zaubern werden», sagen die heutigen Musik-Organisatoren Dani Knöpfel und Dani Graf, die JF vom Musikstil her mit den Fäaschtbänklern vergleichen und sich auf Songs wie «Die Bühne des Lebens» freuen.