«Die braucht’s jetzt wirklich nicht»: Einwohnerinnen und Einwohner machen gegen eine neue Mobilfunkantenne in Hinterforst mobil

Am Rand des Gewerbeareals an der Eichbergerstrasse will die Swisscom eine Mobilfunkanlage installieren. Nun formiert sich eine Interessengruppe, die das verhindern will.

Max Tinner
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Gegen die hier eingangs Hinterforst geplante Mobilfunkanlage werden Unterschriften für eine Petition gesammelt.

Gegen die hier eingangs Hinterforst geplante Mobilfunkanlage werden Unterschriften für eine Petition gesammelt.

Bild: Max Tinner

Am Rand des Gewerbeareals an der Eichbergerstrasse 60 – rund 250 Meter ausserhalb des Dorfs und 400 Meter vom Schulhaus Bächis entfernt – will die Swisscom eine Mobilfunkanlage installieren. Dagegen formiert sich Widerstand. Wie in Eichberg hat sich eine Interessengemeinschaft (IG) gebildet, die in einem Umkreis von 700 Metern um den geplanten Antennenstandort Einsprachen gegen das Bauprojekt orchestriert hat und auch eine Onlinepetition für ein «Hinterforst ohne Mobilfunkantennen» lanciert hat.

Man möchte anonym bleiben, dem Frieden im Dorf zuliebe

Mit Namen genannt werden möchte niemand aus der IG. Wer selbstständig ist, fürchtet Nachteile für sein Geschäft; wer in einer öffentlichen Funktion steht, möchte nicht, dass sein Verein oder sein Gremium mit dem privaten Engagement in Verbindung gebracht wird. Und niemand möchte, dass sein gutes Verhältnis mit einem Nachbarn, der möglicherweise anderer Meinung ist, unter seinem Engagement gegen die Antenne leidet. «Wir sind sonst alles friedliche Einwohner», meint eine zur Abgabe einer Stellungnahme im Namen der IG verknurrte Sprecherin lachend.

Sie denkt allerdings, dass mittlerweile eine Mehrheit der Leute keine weiteren Mobilfunkantennen mehr möchte. «Es hat schon mehr als genug; es funktioniert ja alles – jede weitere Antenne ist schlichtweg unnötig», meint sie. Wohl alle in der IG würden darum auch gegen jeden anderen Standort in Hinterforst kämpfen.

Was sie ausserdem störe, seien die Möglichkeiten der Mobilfunkbetreiber, sagt die Hinterforsterin. Ein Hauseigentümer müsse für jede bauliche Veränderung ein Baugesuch einreichen. Stehe eine Antenne aber einmal, könne sie während Jahren «ratzfatz» ohne neues Gesuch ausgebaut werden, «grad so, wie sie wollen». Nach 5G wohl 6G und 7G, ohne dass irgendjemand etwas dagegen unternehmen könnte.

Was die IG-Sprecherin auch fürchtet, ist, dass der Gesetzgeber die Leistungsgrenzen für Antennenanlagen erhöhen könnte, womit die Strahlenbelastung noch mehr zunehmen könnte. Das Risiko für gesundheitliche Schäden würde damit ebenfalls weiter steigen.

Für ihre Petition nutzen die Hinterforster Antennengegner die Petitionsplattform petitio.ch der CH-Media-Mediengruppe. Sie ist so ausgelegt, dass innert 30 Tagen eine von der Grösse der betroffenen Gemeinde abhängige Unterschriftenanzahl erreicht werden muss, damit die Petition überhaupt mit einem Brief an die politischen Entscheidungsträger weitergeleitet wird. Für kleine Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern genügen dabei 50 Stimmen. In Hinterforst ist aber nicht die Einwohnerzahl im Dorf massgebend, sondern jene der Stadt Altstätten, zu welcher der nördliche Teil des Dorfes gehört. Nötig sind darum 200 Stimmen.

Die Behörden müssen einen wenigstens anhören

Die dürften problemlos erreicht werden: Am Sonntag waren 158 Unterzeichnende registriert, bei noch verbleibenden 18 Tagen. Eine rechtliche Wirkung hat eine Petition allerdings nicht. Man erreicht aber Aufmerksamkeit für sein Anliegen: Die zuständige Behörde muss es wenigstens zur Kenntnis nehmen. Und in der Regel wird sie auch Stellung nehmen dazu.

Weitere Einsprachen gegen das Antennenprojekt im Rahmen des Bauverfahrens hingegen sind nicht mehr möglich: Die zweiwöchige Auflage endete am 3. Juni.

Die IG hat auch einen Informationsabend organisiert. Gewünscht hätte man sich eine kontradiktorische Auseinandersetzung mit dem Thema. Aber die Swisscom habe ihre Teilnahme an die Zusage geknüpft, dass keine Exponenten mobilfunkkritischer Kreise auftreten.

Ein der IG nahestehender Einwohner, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, spricht deshalb von Brainwashing, vom Versuch der Swisscom, die Leute einseitig beeinflussen zu wollen. Es dürfte gleichwohl höchst emotional diskutiert werden, erwartet der Hinterforster.

Hinweis

Der Informationsabend findet morgen Dienstag, 8. Juni, um 20 Uhr in der Turnhalle Bächis statt. Zur Onlinepetition gelangt man auf www.petitio.ch/petitions/ 1unfp . Wer mehr über das Wesen einer Petition erfahren möchte, wird hier fündig: www.ch.ch/de/demokratie/politische-rechte/petition/