Die bombensichere Wohnung

ALTSTÄTTEN/PFÄFERS. Mit der dritten Mitgliederversammlung wurde kürzlich die Saison der Festung Furggels eröffnet. Besitzerin der Anlage ist die Rheintalerin Carmen Haag. Doch der gewaltige Wehrbau macht ihr nicht nur Freude.

Mäx Hasler
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Die Festungskommandantinnen Carmen (rechts) und ihre Mutter Hildi Haag. (Bild: Mäx Hasler)

Die Festungskommandantinnen Carmen (rechts) und ihre Mutter Hildi Haag. (Bild: Mäx Hasler)

Es gibt Frauen, die besitzen hundert oder mehr paar Schuhe. Andere haben einen Brillantring oder ein wertvolles Collier. Wieder andere fahren ein schickes Cabrio oder bewohnen eine Villa.

Für solche Besitztümer hat Carmen Haag aus Altstätten nur ein müdes Lächeln übrig. Die 31-jährige Köchin, Mutter und – wie sie sagt – «grosse Patriotin» ist nämlich Besitzerin einer Festung. Ihr gehört nicht etwa ein Bunker oder eine kleine Wehranlage.

Sie führt eine der grössten Festungsanlagen der Schweiz, die Festung Furggels oberhalb von Pfäfers. Dieses Bollwerk an schweizerischer Wehrbereitschaft gehört grössenmässig in die gleiche Kategorie wie die Festungswerke Sargans, St. Maurice und St. Gotthard.

Teurer Rucksack

Zu diesem aussergewöhnlichen Besitztum, das nach Anmeldung besichtigt werden kann, kam die gelernte Köchin durch ihren Götti und Mentor Lothar Bichsel aus Rebstein. Dieser hatte die Festung vor drei Jahren der Armee abgekauft, als diese die Wehranlage schliessen und dem Berg übergeben wollte.

Nach dem Ableben ihres Göttis, der ihr mit Rat und Tat sowie viel Helferarbeit zur Seite gestanden hatte, vor zwei Monaten, lastet nun die ganze Verantwortung auf den Schultern der nunmehrigen Festungskommandantin. Die riesige Anlage ist für sie sozusagen zu einem schweren Rucksack geworden. Zum Glück hat sie in ihrer Familie und ehemaligen Angehörigen der Festungstruppen Helfer, die ihr bei Führungen, Reparaturen oder Festlichkeiten zur Seite stehen. Diese und die Gönner der Festung trafen sich Mitte März zur Saisoneröffnung und dritten Mitgliederversammlung.

Mitglieder dürfen essen

Für einen bescheidenen Beitrag kann jeder Patriot, Nostalgiker, Militarist oder Zivilist «Member» der Festung werden. Im Mitgliederbeitrag ist jeweils ein reichhaltiges Essen aus Carmens inzwischen weitherum berühmter Bunkerküche enthalten. Mehr unter www.festung-furggels.ch.

An der kürzlich abgehaltenen Versammlung, an der sich Festungsfreunde aus der ganzen Ostschweiz – darunter viele Rheintaler – eingefunden hatten, die dem Bunker-Papa mit einer Gedenkminute gedachten, wurde diese in Gönner-Höck umbenannt. Einem Gönner passte dies unter grossem Gelächter nicht so recht, denn an eine Versammlung erlaube ihm seine Frau zu gehen an einen Höck wohl nicht mehr.

Viel investiert

Auch im vergangenen Jahr ging der Unterhalt der Festung ins Geld. Nebst zahlreichen Reparaturen wurde auf der Festung in St. Margrethenberg das Selbstversorgungscamp Älpli eröffnet. Die ehemaligen Flab-Baracken, die zu einem komfortablen Massenlager mit fliessendem Wasser, Strom und Grill umgebaut wurden, können von Vereinen oder Gesellschaften gemietet werden.

Gemütlicher Höck

Die Versammlung war weniger ein geschäftlicher, sondern eher ein gemütlicher Höck. Die Festungstruppe, deren Motto «Wir lieben unkomplizierte Leute wir sind es auch» ist, wäre froh, wenn sich noch mehr Leute finden liessen für gelegentliche Hilfe in der Festung. Die «Kommandantin» denkt hier in erster Linie an ehemalige Festungsdienstler.

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