Die Bohne aus Ostasien

Immer wieder gelingt es Rheintaler Landwirten, in Nischen vorzustossen und neue Kulturen anzubauen. Sechs Landwirte und die ProVerda AG produzieren erstmals die ostasiatische Sojabohne Edamame.

Max Pflüger
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Andreas Hofmänner, Anbauleiter Fahrmaadhof, Fabian Tobler, Geschäftsführer ProVerda AG Rebstein, und ProVerda-VR-Präsident und Gemüseproduzent Stefan Britschgi, Fahrmaadhof Diepoldsau, auf einem Edamame-Feld. Bild: Max Pflüger (Bild: Max Pflueger)

Andreas Hofmänner, Anbauleiter Fahrmaadhof, Fabian Tobler, Geschäftsführer ProVerda AG Rebstein, und ProVerda-VR-Präsident und Gemüseproduzent Stefan Britschgi, Fahrmaadhof Diepoldsau, auf einem Edamame-Feld. Bild: Max Pflüger (Bild: Max Pflueger)

Edamame-Bohnen haben in Japan und China als Snack und Gemüsepflanze seit dem frühen Mittelalter ihren festen Platz in der ostasiatischen Küche. Seit den 1980er-Jahren werden Edamame-Bohnen auch in Amerika als Beilage zum Bier gereicht. In der Schweiz werden sie seit wenigen Jahren zunehmend beliebter. Im Winter kommen nun auch Rheintaler Edamame-Bohnen in grösseren Mengen auf den Markt.

Für die Innovation verantwortlich zeichnet der Diepoldsauer Gemüseproduzent Stefan Britschgi. Seit drei Jahren beschäftigte er sich zusammen mit seinen Mitarbeitern Andreas Hofmänner, Anbauleiter auf dem Fahrmaadhof, und Simon Lässer als Anbauplaner mit der Sortenauswahl und Anbau-Tests. Für die Verarbeitung und Vermarktung zuständig ist Fabian Tobler, Geschäftsführer der ProVerda AG Rebstein.

Der Anbau ist biologisch besonders wertvoll

Die japanische Bezeichnung Edamame bedeutet «Bohne am Zweig». Damit werden sowohl die noch unreif geernteten Sojabohnen selbst bezeichnet als auch die daraus zubereiteten Gerichte. Die Pflanze gehört zur Familie der Leguminosen und assimiliert daher in Symbiose mit den Knöllchenbakterien in den Wurzeln Luftstickstoff, was ihren Anbau biologisch wertvoll macht.

Edamame werden in gesalzenem Wasser fünf Minuten gekocht und dann in einer Schale mit Meersalz und Gewürzen bestreut. Mit den Fingern werden die weichen Bohnen aus der Hülse gedrückt oder mit dem Mund heraus gesaugt. Die Sojabohnenkerne sind dicken Bohnen ähnlich, schmecken jedoch nussiger und knackiger. Edamame sind reich an Eiweiss, Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen und werden kalt oder warm mit Tofu, gerösteten Erdnüssen oder Nudeln kombiniert.

Die Verarbeitung erfolgt in Rebstein

Sechs Betriebe aus der Region haben dieses Jahr mit dem Saatgut, das Stefan Britschgi aus Amerika importiert hat, auf einer Ackerfläche von rund 10 ha Edamame angebaut. Die Bohnen gedeihen unter den klimatischen Voraussetzungen im Rheintal hervorragend. Es wird eine qualitativ gute Ernte von etwa 90 t erwartet. Verarbeitet werden die Bohnen bei der ProVerda AG in Rebstein. Hier werden sie gereinigt, frisch oder tiefgefroren sowie mit Schote oder geschält an Grossverteiler und Händler in der ganzen Schweiz vermarktet. Zur Entkernung der Bohnen entwickelt ProVerda eine Maschine.

Auch das amerikanische Saatgut soll künftig in der Schweiz gewonnen werden. Stefan Britschgi will die nötige Lizenz bei den Züchtern in den USA erwerben. Damit wird die gesamte Wertschöpfungskette künftig in Schweizer Händen sein.