Die Antwort kommt auf dem Platz

Mit 2:1 hat der FC St. Margrethen das Heimspiel gegen Mels nach der 1:9-Klatsche in Rüti ZH gewonnen. Das war genau die Reaktion, die der Verein seinen Kritikern versprochen hatte.

Yves Solenthaler
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Diesen Text postete der FC St. Margrethen als Reaktion auf die folgende Matchvorschau von letzter Woche (dazu war ein Ausschnitt eines Zählrahmens abgebildet): «Zählrahmen nicht vergessen. 1:9 hat St. Margrethen in Rüti verloren. Bei so vielen Toren wird das Zählen schwierig, deshalb wäre auf der Rheinau – wo es keine Anzeigetafel gibt – ein Zählrahmen hilfreich. Wenn die Reihe (<Stange>) voll ist, spricht man von einem Stängeli.» (Bild: Screenshot: Facebook)

Diesen Text postete der FC St. Margrethen als Reaktion auf die folgende Matchvorschau von letzter Woche (dazu war ein Ausschnitt eines Zählrahmens abgebildet): «Zählrahmen nicht vergessen. 1:9 hat St. Margrethen in Rüti verloren. Bei so vielen Toren wird das Zählen schwierig, deshalb wäre auf der Rheinau – wo es keine Anzeigetafel gibt – ein Zählrahmen hilfreich. Wenn die Reihe (<Stange>) voll ist, spricht man von einem Stängeli.» (Bild: Screenshot: Facebook)

Mit 2:1 hat der FC St. Margrethen das Heimspiel gegen Mels nach der 1:9-Klatsche in Rüti ZH gewonnen. Das war genau die Reaktion, die der Verein seinen Kritikern versprochen hatte.

«Wir geben die Antwort auf dem Platz», hat der FC St. Margrethen am Freitag auf Facebook gepostet. Das war nicht primär als Antwort auf die beschämende Niederlage gemeint, sondern auf die von mir geschriebene Matchvorschau im «Rheintaler» und der «Rheintalischen Volkszeitung». Darin hatte ich den Zuschauern empfohlen, einen Zählrahmen mitzunehmen, um das Ergebnis nachverfolgen zu können.

2:1 okay, 1:9 nicht

2:1 ist ein Fussballresultat. Dass die Zwei auf St. Margrether Seite steht, zeigt: Das Team ist absolut intakt. Überhaupt ist der Aufsteiger mit je zwei Siegen, Unentschieden und Niederlagen sehr anständig in die Interregio-Saison gestartet. Der angebliche Aufstiegskandidat Widnau hat nur einen Zähler mehr – und um Mels endlich zu besiegen, brauchte der FCW mehr als einen Anlauf. Woher kommt also diese Häme?

1:9 ist nicht mal mehr ein Eishockey-Resultat. In der höchsten Liga mit Rheintaler Beteiligung sollte das Sporttreiben so ernst genommen werden, dass ein solches Debakel nicht passiert. Wenn nicht, kann es schon mal (Medien-)Schelte setzen. Dazu kommt, dass St. Margrethen die 1:9-Niederlage nicht gegen einen haushohen Favoriten, sondern einen Mitaufsteiger kassiert hat. Und eine spielerisch begabte Mannschaft, wie sie St. Margrethen ist, kann gar nicht derart unterlegen sein, dass eine so hohe Niederlage auch nur im Ansatz entschuldbar ist.

Journalistisch fragwürdig?

Das war der journalistische Ansatz, der zum zugegeben sarkastischen Zehnzeiler von letztem Freitag geführt hat. Die Abbildung des Zählrahmens war die zugespitzte Umsetzung dieser Gedanken. Das darf man für «journalistisch zumindest fragwürdig» halten. Dass die Mannschaft lächerlich gemacht wurde, stimmt natürlich. Nach meiner meiner Meinung hat sie sich mit dem Auftritt im Zürcher Oberland aber selbst der Lächerlichkeit preisgegeben.

Mit dem Sieg eine Woche nach dem Debakel hat sich das St. Margrether Team dagegen Lorbeeren verdient. In einer solchen Situation zu gewinnen, ist stark – auch wenn die Spieler von mir eine Extraportion Motivation bekommen haben. Diesen Triumph dürfen die St. Margrether ruhig auskosten, und das haben sie mit einem weiteren Post nach dem Sieg auch getan: «Gruss an Yves Solenthaler – wir brauchen den Zählrahmen nicht!»

Das ist hingegen ein Irrtum: Die Rechenhilfe kann noch nützlich werden, um die vielen Punkte des FC St. Margrethen in der Tabelle zu zählen.